Ars vivendi – September 2018

Ars vivendi

oder: Die Motzmuffel-Intervention

Yvonne Wolf 29/09/2018

Und da haben wir es wieder: Ein Thema, was mir seit Wochen hinterherläuft, sich mit unfassbarer Vehemenz in mein Leben drängelt und endlich beachtet und aufgeschrieben werden will. Na gut, dann soll es so sein 😉 Worum es geht? Um die Tatsache, dass ich mir bewusst erlaube, meinen Hang zum Perfektionismus/ Struktur- und Ordnungswahnsinn – man nenne es, wie man will – herunterzuschrauben und stattdessen durch das Motto „unperfekt ist auch schön“ zu ersetzen 😉

Schon seit einigen Wochen oder vielleicht auch Monaten stelle ich fest, dass es aktuell schwierig für mich ist, meine selbst aufgestellten Ansprüche an mich konsequent zu erfüllen. Diese Ansprüche beschränken sich selbstverständlich nicht auf einen Lebensbereich, nein, es gibt für jeden Lebensbereich eigene Ansprüche. Keine Niedrigen in den meisten Fällen; man kennt das ja.

Und dann musste ich irgendwann bemerken: So geht das nicht. Die Laune sank, die Unzufriedenheit stieg, ich mutierte anscheinend zum Motzmuffel. Ich mag keine Motzmuffel- und schon gar nicht, selbst einer zu sein. Denn eigentlich bin ich ein positiver Mensch, der zwar auch mit den Schwankungen, die das Leben nunmal so mit sich bringt, klarkommen muss, aber am Ende doch immer das Oberwasser behält und optimistisch bleibt. Eine Intervention mit dem Titel „Kampf dem Motzmuffel“ musste also her.

Falls ihr auch schon mit diesem kleinen Monster Kontakt hattet, empfehle ich euch, dass ihr euch zunächst überlegt, welche Lebensbereiche es grob bei euch gibt und welche Ansprüche ihr an sie habt. Wenn ihr das habt, dann kommt der Teil, in dem ihr nach Potential für ein wenig „Unperfekt-sein“ suchen dürft. Und dann heißt es: einfach machen, bzw. ihr werdet vielleicht festsstellen, dass es eigentlich an vielen Stellen eher ein „Einfach-nicht-machen“ ist, was für ein hohes Maß an Entspannung sorgt 😉

Ich kann euch ja mal ein paar meiner Veränderungen aufschreiben- möglicherweise lässt sich da was für euch adaptieren.

Ich habe mich von der Idee verabschiedet, zu Hause alles selber machen zu müssen. Ich verlasse z.B. das Haus, ohne vorher die Spülmaschine ausgeräumt oder die größten Chaosherde beseitigt zu haben. (Verrückterweise ist die Spülmaschine dann meistens ausgeräumt, wenn ich zurückkomme)

Ich hasse es zu bügeln und habe eh schon immer nur das Nötigste gebügelt. Nun kommt es vor, dass ich es einfach ganz sein lasse und der Schwerkraft im Kleiderschrank die Arbeit überlasse- klappt wunderbar 😉 (Ja, ich bin mir bewusst, dass ich ab sofort auf knittrige Kleidung angesprochen werde- wen es glücklich macht… 😉

Ich erlaube mir, Ars vivendi unregelmäßiger zu schreiben. Vielleicht mal Mitte des Monats oder eben dann, wenn ich Lust und Zeit habe. Möglicherweise auch mal einen Monat gar nicht.

Mein Buchblog macht weitgehend Pause.

Es gibt noch viele andere Veränderungen aus anderen Lebensbereichen, die aber jetzt nicht alle hier Platz finden sollen. Es sind allesamt Dinge, die mir meinen Alltag erleichtern oder mein Denken wieder in eine andere, entspanntere Richtung lenken.

Lustig fand ich übrigens, als genau dieses Thema auch in einem Gesangsworkshop aufkam, an dem ich vor Kurzem teilgenommen habe, und es nur in mir schrie: Jahaaaaaa, ich habe es doch verstanden. Unperfekt ist schön und oftmals absolut notwendig, damit wir nicht wahnsinnig werden. Aber es ist eben auch so schwer, sich das zu erlauben. Aber wie so oft heißt es auch hier wieder: Der Weg ist das Ziel.

In diesem Sinne: Vielleicht bis nächsten Monat 😉

Bis bald, Yvonne

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Rezension: „Wo ist Erkül Bwaroo“ von Ruth M. Fuchs

[Werbung, kostenloses Rezensionsexemplar]

Erkül Bwaroo ermittelt wieder! Ich freue mich sehr, dass ich ein Rezensionsexemplar von der lieben Ruth M. Fuchs erhalten habe und euch nun vom dem neuesten Abenteuer des kleinen Elfendetektivs berichten darf!

Hans und Greta, der Sohn und die Stieftochter eines angesehenen Besenfabrikanten, sind verschwunden. Wer könnte diesen Fall besser aufklären als Erkül Bwaroo, der Elfendetektiv? Gemeinsam mit seinem Freund und Vertrauten Heystings macht sich Bwaroo auf den Weg zum Anwesen der Familie und beginnt dort auf gewünscht diskrete Weise mit seiner Ermittlungsarbeit. Schnell wird klar, dass es an möglichen Verdächtigen und Motiven mal wieder nicht mangelt, vor allem, da vor Kurzem noch jemand aus dem Haus verschwunden ist. Gibt es einen Zusammenhang? Auch die Journalistin Maja bietet ihre Hilfe an- doch kann man sich auf sie verlassen? Die Ermittlungen schreiten voran, doch dann verschwindet Erkül Bwaroo plötzlich, um im Alleingang Nachforschungen anzustellen. Ist Dr. Artur Heystings in der Lage, auch ohne seinen schlauen Freund Licht ins Dunkle zu bringen?

Es war mir wie immer eine Freude, eine neue Geschichte rund um Erkül Bwaroo lesen zu dürfen. Wie die Namen der zu Beginn Vermissten bereits erahnen lässt, dreht sich im aktuellen Fall alles rund um das Märchen „Hänsel und Gretel“. Da dürfen die Stiefmutter, ein weitläufiger Wald, eine Hexe und das berühmte Knusperhäuschen natürlich nicht fehlen! Auf amüsante Weise werden die für das Märchen wichtigen Elemente in die Story verwoben- doch wer glaubt, er kenne somit den Ausgang der Geschichte: weit gefehlt. Ich musste jedenfalls herzlich lachen, als die Auflösung präsentiert wurde. Was so märchenhaft daherkommt, endet nämlich in der (bitteren) Realität 😉

Auch den 6. Teil dieser Reihe kann ich euch demnach ans Herz legen. Wer Erkül Bwaroo immer noch nicht kennt, der sollte sich also langsam mal mit dem Privatdetektiv bekannt machen!

Auf einen Blick:

„Wo ist Erkül Bwaroo“ von Ruth M. Fuchs

Verlag: Raposa Verlag

Seiten: 268

ISBN-10: 3981802993

ISBN-13: 978-3981802993

Preis: 9,95 € (Taschenbuch) / 4,99 € (Kindle)

Ars vivendi – Juli 2018

Ars vivendi

oder: Versteckte Botschaft

Yvonne Wolf 31/07/2018

Manchmal hege ich ja die leise Befürchtung, dass mir irgendwann einmal die Themen für meine Texte ausgehen. Und immer wieder ist es so, als würde mir genau dann das Leben leise ins Ohr lachen und einen Vogel zeigen, als würde es mir sagen wollen: Als ob! Ich bitte dich…

Denn nicht selten passieren grade in diesen Phasen kleine oder große Dinge, die mir neue Themen oder Gedankenanstöße geben- eben das, was ich benötige, um etwas zu schreiben.

So also auch neulich wieder. Hierzu ein kleiner Exkurs: Vor einigen Wochen hat sich in meinem Kopf der dringende Wunsch nach einer Küchenmaschine manifestiert. Der Teil meines Freundeskreises, der das noch nicht mitbekommen hat, liest diesen Satz nun sicherlich nochmal, denn: Zu den Dingen auf meiner imaginären Liste, die ich mir nie und auf gar keinen Fall anschaffen möchte, weil sie absolut unnötig sind, stand unter anderem auch: eine Küchenmaschine. Frei nach Motto „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ habe ich den Punkt von dieser Liste auf die mit dem Titel „Muss ich unbedingt haben“ verschoben und mich sogleich auf die Suche begeben. Praktischerweise konnte ich recht schnell ein neuwertiges Gerät in den Kleinanzeigen ausfindig machen. Um herauszufinden, ob damit alles in Ordnung ist, schrieb ich den Verkäufer an und fragte nach dem Grund des Verkaufswunsches. Seine Frau, die diese Maschine unbedingt wollte, sei schwer erkrankt und könne sie nicht mehr nutzen war die Antwort. Ok, dachte ich mir, ein Schicksalsschlag also, der nichts mit der Maschine selbst zu tun hat. Gemeinsam mit meiner Tochter machte ich mich also auf den Weg, um die Maschine abzuholen. Gelagert war sie bei den Eltern der Erkrankten, die mir dann, als ich mir nochmal vor Ort alles anschauen wollte, ein wenig von der Erkrankung ihrer Tochter erzählten.

Vor einigen Jahren erhielt sie die Diagnose ALS. In relativ kurzer Zeit verschlechterte sich dann der Allgemeinzustand drastisch. Sprechen geht noch, bewegen nicht mehr. Eine Sonde wurde kürzlich gelegt. Wenn es in dem Tempo weitergeht, dann ist klar, wohin die Reise geht – ist es bei dieser Erkrankung leider sowieso, ich hatte selber schon Patienten mit dieser Diagnose. Zum Abschied konnte ich der Mutter also nur viel Kraft und eine starke Familie wünschen, damit sie all das bewältigen können.

Wieder zu Hause angekommen habe ich mich dann dem Aufbau meiner neuen besten Freundin gewidmet und alles aus dem Karton herausgeräumt. Unter anderem lagen 2 Rezeptbücher dabei, die ich mir dann in Ruhe angeschaut habe. Und als ich das zweite Buch in der Hand hatte, fielen mir plötzlich aus der letzten Seite ein paar Zettel entgegen. Ah, sicher eigene Rezepte, dachte ich. Ich faltete die Zettel auseinander und musste erstmal schlucken. Keine Rezepte, sondern handgeschriebene Abschiedsbriefe. Puh.

Ich denke, es ist nicht nötig, viel mehr dazu zu sagen, denn wahrscheinlich haben alle von uns nun ähnliche Gedanken im Kopf. Wie schon beim letzten Mal sage ich nur: Jeder zieht sich aus dieser Geschichte das heraus, was er gebrauchen kann.

Ich halte nicht viel davon, das eigene Leben mit dem anderer zu vergleichen. Denn natürlich gibt es immer Menschen, die es besser oder schlechter trifft als einen selbst. Fakt ist, dass man nunmal mit den eigenen Sorgen klarkommen muss- und die lassen sich nicht messen. Eine solche Geschichte sorgt jedoch vielleicht dafür, dass der eigene Blick wieder ein bisschen zurechtgerückt wird und man eventuell sieht, dass es schön ist, einfach nur da zu sein…

In diesem Sinne: Durchatmen!

Bis bald,

           Yvonne

P.S.: Was ich mit den Briefen gemacht habe? Heute habe ich es endlich geschafft sie zur Post zu bringen. In einem doppelten Umschlag und mit der Bitte an den Ehemann, seine Frau selber entscheiden zu lassen, ob und wen sie den Inhalt lesen lassen möchte.

Rezension: „Eigentlich nur dich“ von Kristina Moninger

Nach langer Zeit gibt es mal wieder eine Rezension für euch! Ich durfte das neue Buch „Eigentlich nur dich“ von Kristina Moninger testlesen. Vielen Dank an dieser Stelle für das Rezensionsexemplar 🙂

Mona ist nicht auf der Suche nach der großen Liebe. Unverbindliche Affären, bei denen sie sich um Mitternacht rum davonschleichen kann, genügen ihr vollkommen. Doch als sie eines Nachts auf Milan trifft, gerät ihre Einstellung ins Wanken. Irgendetwas ist anders bei ihm. Wie zwei Magnete ziehen sie einander an, ein jeder von ihnen scheint das fehlende Puzzleteil des anderen zu sein. Eigentlich perfekt. Bevor es allerdings richtig beginnen kann, ist es auch schon wieder vorbei, denn Monas Leben wird jäh aus der Bahn geworfen. Doch die beiden Seelen, die offenkundig füreinander bestimmt sind, finden auf den unterschiedlichsten Wegen immer wieder zueinander- nur um dann bei nächster Gelegenheit wieder auseinandergerissen zu werden…

Um es gleich auf den Punkt zubringen: Ich bin begeistert! Die Geschichte rund um Mona und Milan gleicht einer Achterbahnfahrt der Gefühle, bei der man nie weiß, was als nächstes kommen wird. Von Anfang an spürt man als Leser, dass die beiden füreinander bestimmt sind- doch immer und immer wieder spielt das Schicksal ihnen einen Streich. Es gibt so viele Wendungen, Auf und Abs und Hin und Hers, dass ich wirklich bis zum Schluss nicht sicher sein konnte, auf was das alles hinauslaufen wird. All das und ein wirklich angenehmer Schreibstil der Autorin führt dazu, dass Seite um Seite und Stunde um Stunde verfliegt, weil man endlich wissen möchte, ob die Liebe der beiden am Ende eine Chance bekommt oder eben nicht. Und dass die Kapitelüberschriften nach Songs benannt sind, die Mona und Milan in diesem Roman begleiten, liebe ich sehr 🙂

Ich denke, dieses Buch wird viele Leserinnen sehr glücklich machen. Wer also Lust auf eine Liebesgeschichte hat, deren Ende nicht von Beginn an abzusehen ist, der darf hier beruhigt zugreifen!

Auf einen Blick:

„Eigentlich nur dich“ von Kristina Moninger

Verlag: FeuerWerke Verlag

Seiten: 300

ISBN-10: 3945362393

ISBN-13: 978-3945362396

Preis: 10,70 € (Taschenbuch) / 0,99 € (Kindle)

Ars vivendi- Mai 2018

Ars vivendi

oder: Luftballons

Yvonne Wolf 31/05/2018

Habt ihr auch manchmal das Gefühl, dass in kleinen Kindern alte Seelen stecken? Weil sie einfach hin und wieder Dinge sagen, die so schlau, so philosophisch oder tiefgründig sind und einen selbst mit offenem Mund und nicht selten sprachlos dastehen lassen? Ich hatte solche Situationen schon öfters- mit Kindern in meinen Therapiestunden. Aber vor 2 oder 3 Wochen war es dann auch bei uns zu Hause so weit. Deswegen gibt es heute wieder ein Märchen für euch. Aber diesmal eins aus der Realität…

Meine 2-jährige Tochter mochte bislang keine Luftballons- egal welcher Art. Das Material war ihr irgendwie suspekt. Angucken- ok. Anfassen- auf gar keinen Fall. Als wir dann Anfang des Monats auf einem Frühlingsfest vor einem dieser Luftballonmenschen mit den Heliumballons standen, fragte sie, ob wir einen von den Ballons kaufen könnten. Klar- warum auch nicht. Nach einer kurzen Diskussion über die Größe des Ballons hatte sie sich für einen kleinen Herzballon entschieden- mit Biene Maja (große Liebe). Zu Hause angekommen haben wir ihn ins Wohnzimmer an die Decke gehängt und sie hat sich wirklich sehr, sehr über diesen Ballon gefreut. Nun denn. Es war ein warmer Tag, wir hatten sowohl die Haustüre, als auch die Terrassentüre geöffnet, um für ein bisschen Abkühlung zu sorgen. Ein Kind aus der Nachbarschaft war zu Besuch und die beiden tobten durchs Wohnzimmer, der Ballon mittendrin. Als er dann immer näher an die Terrassentür flog, erklärte ich den beiden Mädels, dass ich den Ballon besser festbinde, damit er nicht herausgeweht wird. Ich band ihn also an die Türklinke der Wohnzimmertür und drehte mich um, um in die Küche zu gehen. Keine 10 Sekunden später hörte ich ein verzweifeltes: „Yvonne, der Ballon…“ Und da war es passiert. Ein heftiger Windstoß hatte den Ballon samt Schleife von der Klinke geweht (wie unverschämt ist das bitte?) und mit einem kräftigen Schwung ohne Umweg direkt durch die Haustüre ins Freie befördert. Wir alle 3 sind hinterhergesprintet, keiner hat ihn erwischt…! Auf die Frage meiner Tochter, wie wir den Ballon jetzt wiederbekommen, konnte ich daher nur sagen: „Der ist schon zu hoch geflogen- den bekommen wir nicht zurück.“ Und dann fing sie an zu weinen. Nicht ein bisschen, sondern so richtig. Da standen wir dann und haben dem Ballon hinterhergeschaut. Wir haben ihm gewunken und zugesehen wie er immer und immer kleiner wurde. „Wo können wir den Ballon abholen, Mama?“ – „Der fliegt jetzt in den Himmel zu den Sternen oder vielleicht in eine andere Stadt. Den können wir leider nicht abholen. Du hast dich so über den Ballon gefreut. Der war so schön. Und jetzt bist du ganz traurig, oder?“- „Ja, ganz dolle traurig. Bist du auch traurig?“- „Ja, ich bin auch traurig.“ Und dann, als wir noch eine ganz Zeit vor der Tür standen und der Ballon nur noch ein kleiner Punkt am Himmel war, fragte meine Tochter: „Mama, ich bin immer noch so dolle traurig. Wann geht das Traurigsein denn wieder weg?“ Ja, und dann steht man da. Wann geht das wieder weg? „Weißt du, manchmal geht das Traurigsein nicht so schnell weg. Dann darf man weinen, so viel wie man will. Und irgendwann merkt man dann, dass das Traurigsein nicht mehr so schlimm ist.“- „Weinen Große dann auch?“ – „Alle Leute dürfen weinen, wenn sie traurig sind. Leider denken die Großen manchmal, dass sie nicht weinen dürfen, weil sie schon groß sind. Aber das ist ja Quatsch.“ Und zu diesem Zeitpunkt hatte ich dann auch Tränen in den Augen. Wegen des Ballons? Vielleicht. Oder vielleicht, weil Große einfach auch mal weinen müssen 😉

Diese Geschichte begleitete uns tatsächlich noch einige Tage. Dann war das Traurigsein laut eigener Aussage nicht mehr so schlimm. Aber den Ballon vermisst sie immer noch ein bisschen.

Dieses Erlebnis hat so viele wichtige Botschaften, dass ich sie am liebsten alle aufschreiben und mit euch teilen möchte. Aber ein Teil in mir denkt sich, jeder von euch wird genau das darin sehen, was er grade braucht. Und so ist es dann gut so.

Ich für meinen Teil werde darüber nachdenken noch kurz ein Philosophiestudium in meinen Alltag zu integrieren. Denn ich will nicht wissen, was ich mir noch alles spontan aus dem Ärmel schütteln muss, wenn das jetzt schon so anfängt 😉

In diesem Sinne: Mach‘s gut, Maja!

Bis bald, Yvonne

Ars vivendi- März 2018

Ars vivendi

oder: Des Kaisers neue Kleider

Yvonne Wolf 31/03/2018

Hin und wieder begebe ich mich auf die Suche nach Märchen. Nicht nach irgendwelchen, sondern nach den Märchen, die ich aus meiner Kindheit noch kenne, die mir aber heutzutage nicht mehr so präsent erscheinen. Und manchmal stoße ich dabei auf solche Märchen, von denen ich denke, dass sie unbedingt weitergetragen und wieder mehr erzählt werden sollten, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Denn nicht selten versteckt sich in ihnen eine schöne Botschaft, die nicht nur für Kinderohren gedacht ist. Der Titel dieser Ausgabe verrät euch schon, welches Märchen es diesmal geworden ist… kennt ihr es noch? Des Kaisers neue Kleider von Hans Christian Andersen- übrigens das erste Mal erschienen im Jahr 1837. Ich hoffe, ihr habt ein bisschen Zeit mitgebracht- dieses Mal ist Ars vivendi etwas länger als sonst 😉

Vor vielen Jahren lebte ein Kaiser, der so ungeheuer viel auf neue Kleider hielt, daß er all sein Geld dafür ausgab, um recht geputzt zu sein. Er kümmerte sich nicht um seine Soldaten, kümmerte sich nicht um das Theater und liebte es nicht, spazieren zu fahren, außer um seine neuen Kleider zu zeigen. Er hatte einen Rock für jede Stunde des Tages, und eben so, wie man von einem Könige sagt, er ist im Rathe, sagte man hier immer: „Der Kaiser ist in der Garderobe.“
In der großen Stadt, in welcher er wohnte, ging es sehr munter zu; an jedem Tage kamen viele Fremde da an. Eines Tages kamen auch zwei Betrüger; sie gaben sich für Weber aus und sagten, daß sie das schönste Zeug, das man sich denken könne, zu weben verständen. Die Farben und das Muster wären nicht allein ungewöhnlich schön, sondern die Kleider, die von dem Zeuge genäht würden, besäßen die wunderbare Eigenschaft, daß sie für jeden Menschen unsichtbar wären, der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei.
„Das wären ja prächtige Kleider!“ dachte der Kaiser; „wenn ich die anhätte, könnte ich ja dahinter kommen, welche Männer in meinem Reiche zu dem Amte, das sie haben, nicht taugen; ich könnte die Klugen von den Dummen unterscheiden! Ja, das Zeug muß sogleich für mich gewebt werden!“ Und er gab den beiden Betrügern viel Handgeld, damit sie ihre Arbeit beginnen möchten.
Sie stellten auch zwei Webstühle auf und thaten, als ob sie arbeiteten; aber sie hatten nicht das Geringste auf dem Stuhle. Frischweg verlangten sie die feinste Seide und das prächtigste Gold, das steckten sie in ihre eigene Tasche und arbeiteten an den leeren Stühlen bis spät in die Nacht hinein.
„Ich möchte doch wohl wissen, wie weit sie mit dem Zeuge sind!“ dachte der Kaiser. Aber es war ihm ordentlich beklommen zu Muthe, wenn er daran dachte, daß Derjenige, welcher dumm sei oder schlecht zu seinem Amte tauge, es nicht sehen könne. Nun glaubte er zwar, daß er für sich selbst nichts zu fürchten brauche, aber er wollte doch erst einen Andern senden, um zu sehen, wie es damit stände. Alle Menschen in der ganzen Stadt wußten, welche besondere Kraft das Zeug habe, und Alle waren begierig, zu sehen, wie schlecht oder dumm ihr Nachbar sei. 
„Ich will meinen alten, ehrlichen Minister zu den Webern senden!“ dachte der Kaiser. „Er kann am Besten beurtheilen, wie das Zeug sich ausnimmt, denn er hat Verstand, und Keiner versieht sein Amt besser, als er!“ –
Nun ging der alte, gute Minister in den Saal hinein, wo die zwei Betrüger saßen und an den leeren Webstühlen arbeiteten, „Gott behüte uns!“ dachte der alte Minister und riß die Augen auf; „ich kann ja nichts erblicken!“ Aber dieses sagte er nicht. 
Beide Betrüger baten ihn, gefälligst näher zu treten, und fragten, ob es nicht ein hübsches Muster und schöne Farben seien. Dann zeigten sie auf den leeren Webstuhl, und der arme, alte Minister fuhr fort, die Augen aufzureißen: aber konnte nichts sehen, denn es war nichts da. „Herr Gott!“ dachte er, „sollte ich dumm sein? Das habe ich nie geglaubt, und dieses darf kein Mensch wissen! Sollte ich nicht zu meinem Amte taugen? Nein, es geht nicht an, daß ich erzähle, ich könne das Zeug nicht sehen!“
„Nun, Sie sagen nichts dazu?“ fragte der Eine, der da webte.
„O, es ist niedlich! ganz allerliebst!“ antwortete der alte Minister und sah durch seine Brille. „Dieses Muster und diese Farben! – Ja, ich werde es dem Kaiser sagen, daß es mir sehr gefällt.“
„Nun, das freut uns!“ sagten die Weber, und darauf nannten sie die Farben mit Namen und erklärten das seltsame Muster. Der alte Minister paßte gut auf, damit er dasselbe sagen könnte, wenn er zum Kaiser zurückkäme, und das that er.
Nun verlangten die Betrüger mehr Geld, mehr Seide und mehr Gold, das sie zum Weben brauchen wollten, Sie steckten Alles in ihre eigenen Taschen, auf den Webstuhl kam kein Faden, aber sie fuhren fort, wie bisher, an dem leeren Webstuhle zu arbeiten. 
Der Kaiser sandte bald wieder einen andern ehrlichen Staatsmann hin, um zu sehen, wie es mit dem Weben stände und ob das Zeug bald fertig sei; es ging ihm gerade, wie dem Ersten; er sah und sah, weil aber außer dem leeren Webstuhle nichts da war, so konnte er nichts sehen.
„Ist das nicht ein hübsches Stück Zeug?“ fragten die beiden Betrüger und zeigten und erklärten das prächtige Muster, welches gar nicht da war.
„Dumm bin ich nicht!“ dachte der Mann; „es ist also mein gutes Amt, zu dem ich nicht tauge? Das wäre komisch genug, aber das muß man sich nicht merken lassen!“ und so lobte er das Zeug, welches er nicht sah, und versicherte ihnen seine Freude über die schönen Farben und das herrliche Muster. „Ja es ist ganz allerliebst!“ sagte er zum Kaiser.
Alle Menschen in der Stadt sprachen von dem prächtigen Zeuge.
Nun wollte der Kaiser es selbst sehen, während es noch auf dem Webstuhle sei. Mit einer ganzen Schaar auserwählter Männer, unter denen auch die beiden ehrlichen Staatsmänner waren, die schon früher dort gewesen, ging er zu den beiden listigen Betrügern hin, die nun aus allen Kräften webten, aber ohne Faser und Faden. 
Ist das nicht prächtig?“ sagten die beiden alten Staatsmänner, die schon einmal da gewesen waren. „Sehen Ew. Majestät, welches Muster, welche Farben!“ Und dann zeigten sie auf den leeren Webstuhl, denn sie glaubten, daß die Andern das Zeug wohl sehen könnten. „Was!“ dachte der Kaiser, „ich sehe gar nichts! Das ist ja schrecklich! Bin ich dumm? Tauge ich nicht dazu, Kaiser zu sein?
Das wäre das Schrecklichste, was mir begegnen könnte!“ – „O, es ist sehr hübsch!“ sagte er. „Es hat meinen allerhöchsten Beifall!“ Und er nickte zufrieden und betrachtete den leeren Webstuhl, denn er wollte nicht sagen, daß er nichts sehen könne. Das ganze Gefolge, welches er bei sich hatte, sah und sah und bekam nicht mehr heraus, als die Andern; aber sie sagten, wie der Kaiser: „O, das ist hübsch!“ Und sie riethen ihm, diese neuen, prächtigen Kleider das erste Mal bei der großen Procession, die bevorstand, zu tragen. „Es ist herrlich, niedlich, ercellent!“ ging es von Mund zu Mund; man schien allerseits innig erfreut darüber, und der Kaiser verlieh den Betrügern den Titel: Kaiserliche Hofweber. 
Die ganze Nacht vor dem Morgen, an dem die Procession stattfinden sollte, waren die Betrüger auf und hatten über sechzehn Lichter angezündet. Die Leute konnten sehen, daß sie stark beschäftigt waren, des Kaisers neue Kleider fertig zu machen. Sie thaten, als ob sie das Zeug aus dem Webstuhl nähmen, sie schnitten mit großen Scheeren in die Luft, sie nähten mit Nähnadeln ohne Faden und sagten zuletzt: „Nun sind die Kleider fertig!“
Der Kaiser mit seinen vornehmsten Cavalieren kam selbst dahin, und beide Betrüger hoben den einen Arm in die Höhe, gerade als ob sie etwas hielten, und sagten: „Seht, hier sind die Beinkleider! Hier ist der Rock! Hier der Mantel!“ und so weiter. „Es ist so leicht wie Spinnenwebe; man sollte glauben, man habe nichts auf dem Leibe; aber das ist gerade die Schönheit davon!“
„Ja!“ sagten alle Cavaliere; aber sie konnten nichts sehen, denn es war nichts da.
„Belieben Ew. kaiserliche Majestät jetzt Ihre Kleider allergnädigst auszuziehen,“ sagten die Betrüger, „so wollen wir Ihnen die neuen anziehen, hier vor dem großen Spiegel!“ 
Der Kaiser legte alle seine Kleider ab, und die Betrüger stellten sich, als ob sie ihm jedes Stück der neuen Kleider anzögen, welche fertig wären; und der Kaiser wendete und drehte sich vor dem Spiegel.
„Ei, wie gut sie kleiden! Wie herrlich sie sitzen!“ sagten Alle. „Welches Muster, welche Farben! Das ist eine köstliche Tracht!“ –
„Draußen stehen sie mit dem Thronhimmel, welcher über Ew. Majestät in der Procession getragen werden soll,“ meldete der Oberceremonienmeister.
„Seht, ich bin ja fertig!“ sagte der Kaiser. „Sitzt es nicht gut?“ Und dann wendete er sich nochmals zu dem Spiegel, denn es sollte scheinen, als ob er seinen Schmuck recht betrachte. 
Die Kammerherren, welche die Schleppe tragen sollten, griffen mit den Händen nach dem Fußboden, gerade als ob sie die Schleppe aufhöben; sie gingen und thaten, wie wenn sie Etwas in der Luft hielten; sie wagten nicht, es sich merken zu lassen, daß sie nichts sehen konnten. So ging der Kaiser in Procession unter dem prächtigen Thronhimmel, und alle Menschen auf der Straße und in den Fenstern sprachen: „Gott, wie sind des Kaisers neue Kleider unvergleichlich; welche Schleppe er am Kleide hat, wie schön das sitzt!“ Keiner wollte es sich merken lassen, daß er nichts sah, denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amte getaugt oder wäre sehr dumm gewesen. Keine Kleider des Kaisers hatten solches Glück gemacht, wie diese.
„Aber er hat ja nichts an!“ sagte endlich ein kleines Kind. ‚Herr Gott, hört des Unschuldigen Stimme!“ sagte der Vater; und der Eine zischelte dem Andern zu, was das Kind gesagt hatte. 
„Aber er hat ja nichts an!“ rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn es schien ihm, sie hätten Recht; aber er dachte bei sich: „Nun muß ich die Prozession aushalten.“ Und die Kammerherren gingen noch straffer und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

Ende

Na, wurdet ihr in eure Kindheit zurückkatapultiert? Ich bin sicher, es gibt ganz unterschiedliche Lehren, die man aus diesem Märchen ziehen kann- da darf sich jeder das herausgreifen, was ihm grade passt 🙂 Aber ich möchte meinen: Aktuell ist es allemal.

Ich wünsche euch an dieser Stelle frohe und ruhige Ostertage!

In diesem Sinne: Wer suchet, der findet!

Yvonne

Quellen: http://www.maerchen.net / http://www.maerchen.com

Ars vivendi: Februar 2018

Ars vivendi

oder: Langeweile

Yvonne Wolf 28/02/2018

Ihr werdet es sicherlich bemerkt haben: Im Januar habe ich mir eine kleine Pause gegönnt. Doch nun geht es wieder wie gewohnt weiter und zum Ende des Monats flattert eine neue Ausgabe von Ars vivendi ins Haus.

Heute schreibe ich über etwas, was mir seit längerem immer mal wieder ins Auge fällt. Es ist das Thema Langeweile, bzw. der Umgang mit diesem Zustand. Habt ihr manchmal Langeweile? Wenn ja, ist es für euch eher etwas Positives oder etwas Negatives? Was macht ihr dagegen? Und: Muss man überhaupt etwas dagegen machen? Sollte man nicht vielmehr mal etwas dafür tun?

Schlaue Leute fangen ja gerne mit einer Definition an. Also schnell mal gegoogelt und bei Wikipedia nachgeschaut:

Dort heißt es, Langeweile „ist das unwohle, unangenehme Gefühl, das durch erzwungenes Nichtstun hervorgerufen wird oder bei einer als monoton empfundenen Tätigkeit aufkommen kann.[…]“

Da haben wir‘s; Langeweile hat also einen eher schlechten Ruf. Und sieht oder hört man sich um, dann bestätigt sich dieses Bild recht schnell. Die wenigsten Menschen mögen es, Langeweile zu haben. Sie bekämpfen diesen Zustand – und damit meine ich das Nichtstun – mit Aufgaben, Aktivitäten und immer neuem Input. Kinder, die sagen, ihnen ist langweilig, werden nicht selten schnell in Sport- und Musikkurse gesteckt, möglichst früh eingeschult und mit einem Terminkalender, der dem der Großen in nichts nachsteht, ausgestattet. Doch verpasst man nicht etwas Wichtiges, wenn man es nie dazu kommen lässt, sich zu langweilen? Nimmt man sich selbst und den Kindern nicht eine wichtige Erfahrung weg? Ich finde schon. Vielleicht muss man dem Phänomen Langeweile einfach mal die Chance geben, anders dazustehen. Ihr wisst ja, ein kleiner Perspektivwechsel zur richtigen Zeit am richtigen Ort wirkt manchmal Wunder 😉

Es ist nämlich so: Die Langeweile ist wie eine Türe zu etwas Verborgenem. Doch nur, wer sich in sie hineinwagt und sie durchaus auch mal aushält, der bekommt ihren Schlüssel. Mit ihm in der Hand finden wir dann Zugang zu etwas, was durchaus für jeden von uns unterschiedlich aussehen kann. Der Eine kommt endlich zur Ruhe und findet ganz unverhofft eine Möglichkeit sich zu entspannen. Bei einem anderen sprudeln plötzlich Ideen und Gedanken, die es sonst vielleicht nicht an die Oberfläche geschafft hätten. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich ein unglaubliches Potenzial und oft ganz viel kreative Energie hinter Langeweile versteckt, die sehr wertvoll und wichtig ist.

Traut euch also und gestattet euch und euren Lieben hier und da ein bisschen Langeweile – wer weiß, wofür es gut ist 🙂

In diesem Sinne: Kopf auf den Tisch und los 🙂

Bis bald,

           Yvonne