Ars vivendi- März 2018

Ars vivendi

oder: Des Kaisers neue Kleider

Yvonne Wolf 31/03/2018

Hin und wieder begebe ich mich auf die Suche nach Märchen. Nicht nach irgendwelchen, sondern nach den Märchen, die ich aus meiner Kindheit noch kenne, die mir aber heutzutage nicht mehr so präsent erscheinen. Und manchmal stoße ich dabei auf solche Märchen, von denen ich denke, dass sie unbedingt weitergetragen und wieder mehr erzählt werden sollten, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Denn nicht selten versteckt sich in ihnen eine schöne Botschaft, die nicht nur für Kinderohren gedacht ist. Der Titel dieser Ausgabe verrät euch schon, welches Märchen es diesmal geworden ist… kennt ihr es noch? Des Kaisers neue Kleider von Hans Christian Andersen- übrigens das erste Mal erschienen im Jahr 1837. Ich hoffe, ihr habt ein bisschen Zeit mitgebracht- dieses Mal ist Ars vivendi etwas länger als sonst 😉

Vor vielen Jahren lebte ein Kaiser, der so ungeheuer viel auf neue Kleider hielt, daß er all sein Geld dafür ausgab, um recht geputzt zu sein. Er kümmerte sich nicht um seine Soldaten, kümmerte sich nicht um das Theater und liebte es nicht, spazieren zu fahren, außer um seine neuen Kleider zu zeigen. Er hatte einen Rock für jede Stunde des Tages, und eben so, wie man von einem Könige sagt, er ist im Rathe, sagte man hier immer: „Der Kaiser ist in der Garderobe.“
In der großen Stadt, in welcher er wohnte, ging es sehr munter zu; an jedem Tage kamen viele Fremde da an. Eines Tages kamen auch zwei Betrüger; sie gaben sich für Weber aus und sagten, daß sie das schönste Zeug, das man sich denken könne, zu weben verständen. Die Farben und das Muster wären nicht allein ungewöhnlich schön, sondern die Kleider, die von dem Zeuge genäht würden, besäßen die wunderbare Eigenschaft, daß sie für jeden Menschen unsichtbar wären, der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei.
„Das wären ja prächtige Kleider!“ dachte der Kaiser; „wenn ich die anhätte, könnte ich ja dahinter kommen, welche Männer in meinem Reiche zu dem Amte, das sie haben, nicht taugen; ich könnte die Klugen von den Dummen unterscheiden! Ja, das Zeug muß sogleich für mich gewebt werden!“ Und er gab den beiden Betrügern viel Handgeld, damit sie ihre Arbeit beginnen möchten.
Sie stellten auch zwei Webstühle auf und thaten, als ob sie arbeiteten; aber sie hatten nicht das Geringste auf dem Stuhle. Frischweg verlangten sie die feinste Seide und das prächtigste Gold, das steckten sie in ihre eigene Tasche und arbeiteten an den leeren Stühlen bis spät in die Nacht hinein.
„Ich möchte doch wohl wissen, wie weit sie mit dem Zeuge sind!“ dachte der Kaiser. Aber es war ihm ordentlich beklommen zu Muthe, wenn er daran dachte, daß Derjenige, welcher dumm sei oder schlecht zu seinem Amte tauge, es nicht sehen könne. Nun glaubte er zwar, daß er für sich selbst nichts zu fürchten brauche, aber er wollte doch erst einen Andern senden, um zu sehen, wie es damit stände. Alle Menschen in der ganzen Stadt wußten, welche besondere Kraft das Zeug habe, und Alle waren begierig, zu sehen, wie schlecht oder dumm ihr Nachbar sei. 
„Ich will meinen alten, ehrlichen Minister zu den Webern senden!“ dachte der Kaiser. „Er kann am Besten beurtheilen, wie das Zeug sich ausnimmt, denn er hat Verstand, und Keiner versieht sein Amt besser, als er!“ –
Nun ging der alte, gute Minister in den Saal hinein, wo die zwei Betrüger saßen und an den leeren Webstühlen arbeiteten, „Gott behüte uns!“ dachte der alte Minister und riß die Augen auf; „ich kann ja nichts erblicken!“ Aber dieses sagte er nicht. 
Beide Betrüger baten ihn, gefälligst näher zu treten, und fragten, ob es nicht ein hübsches Muster und schöne Farben seien. Dann zeigten sie auf den leeren Webstuhl, und der arme, alte Minister fuhr fort, die Augen aufzureißen: aber konnte nichts sehen, denn es war nichts da. „Herr Gott!“ dachte er, „sollte ich dumm sein? Das habe ich nie geglaubt, und dieses darf kein Mensch wissen! Sollte ich nicht zu meinem Amte taugen? Nein, es geht nicht an, daß ich erzähle, ich könne das Zeug nicht sehen!“
„Nun, Sie sagen nichts dazu?“ fragte der Eine, der da webte.
„O, es ist niedlich! ganz allerliebst!“ antwortete der alte Minister und sah durch seine Brille. „Dieses Muster und diese Farben! – Ja, ich werde es dem Kaiser sagen, daß es mir sehr gefällt.“
„Nun, das freut uns!“ sagten die Weber, und darauf nannten sie die Farben mit Namen und erklärten das seltsame Muster. Der alte Minister paßte gut auf, damit er dasselbe sagen könnte, wenn er zum Kaiser zurückkäme, und das that er.
Nun verlangten die Betrüger mehr Geld, mehr Seide und mehr Gold, das sie zum Weben brauchen wollten, Sie steckten Alles in ihre eigenen Taschen, auf den Webstuhl kam kein Faden, aber sie fuhren fort, wie bisher, an dem leeren Webstuhle zu arbeiten. 
Der Kaiser sandte bald wieder einen andern ehrlichen Staatsmann hin, um zu sehen, wie es mit dem Weben stände und ob das Zeug bald fertig sei; es ging ihm gerade, wie dem Ersten; er sah und sah, weil aber außer dem leeren Webstuhle nichts da war, so konnte er nichts sehen.
„Ist das nicht ein hübsches Stück Zeug?“ fragten die beiden Betrüger und zeigten und erklärten das prächtige Muster, welches gar nicht da war.
„Dumm bin ich nicht!“ dachte der Mann; „es ist also mein gutes Amt, zu dem ich nicht tauge? Das wäre komisch genug, aber das muß man sich nicht merken lassen!“ und so lobte er das Zeug, welches er nicht sah, und versicherte ihnen seine Freude über die schönen Farben und das herrliche Muster. „Ja es ist ganz allerliebst!“ sagte er zum Kaiser.
Alle Menschen in der Stadt sprachen von dem prächtigen Zeuge.
Nun wollte der Kaiser es selbst sehen, während es noch auf dem Webstuhle sei. Mit einer ganzen Schaar auserwählter Männer, unter denen auch die beiden ehrlichen Staatsmänner waren, die schon früher dort gewesen, ging er zu den beiden listigen Betrügern hin, die nun aus allen Kräften webten, aber ohne Faser und Faden. 
Ist das nicht prächtig?“ sagten die beiden alten Staatsmänner, die schon einmal da gewesen waren. „Sehen Ew. Majestät, welches Muster, welche Farben!“ Und dann zeigten sie auf den leeren Webstuhl, denn sie glaubten, daß die Andern das Zeug wohl sehen könnten. „Was!“ dachte der Kaiser, „ich sehe gar nichts! Das ist ja schrecklich! Bin ich dumm? Tauge ich nicht dazu, Kaiser zu sein?
Das wäre das Schrecklichste, was mir begegnen könnte!“ – „O, es ist sehr hübsch!“ sagte er. „Es hat meinen allerhöchsten Beifall!“ Und er nickte zufrieden und betrachtete den leeren Webstuhl, denn er wollte nicht sagen, daß er nichts sehen könne. Das ganze Gefolge, welches er bei sich hatte, sah und sah und bekam nicht mehr heraus, als die Andern; aber sie sagten, wie der Kaiser: „O, das ist hübsch!“ Und sie riethen ihm, diese neuen, prächtigen Kleider das erste Mal bei der großen Procession, die bevorstand, zu tragen. „Es ist herrlich, niedlich, ercellent!“ ging es von Mund zu Mund; man schien allerseits innig erfreut darüber, und der Kaiser verlieh den Betrügern den Titel: Kaiserliche Hofweber. 
Die ganze Nacht vor dem Morgen, an dem die Procession stattfinden sollte, waren die Betrüger auf und hatten über sechzehn Lichter angezündet. Die Leute konnten sehen, daß sie stark beschäftigt waren, des Kaisers neue Kleider fertig zu machen. Sie thaten, als ob sie das Zeug aus dem Webstuhl nähmen, sie schnitten mit großen Scheeren in die Luft, sie nähten mit Nähnadeln ohne Faden und sagten zuletzt: „Nun sind die Kleider fertig!“
Der Kaiser mit seinen vornehmsten Cavalieren kam selbst dahin, und beide Betrüger hoben den einen Arm in die Höhe, gerade als ob sie etwas hielten, und sagten: „Seht, hier sind die Beinkleider! Hier ist der Rock! Hier der Mantel!“ und so weiter. „Es ist so leicht wie Spinnenwebe; man sollte glauben, man habe nichts auf dem Leibe; aber das ist gerade die Schönheit davon!“
„Ja!“ sagten alle Cavaliere; aber sie konnten nichts sehen, denn es war nichts da.
„Belieben Ew. kaiserliche Majestät jetzt Ihre Kleider allergnädigst auszuziehen,“ sagten die Betrüger, „so wollen wir Ihnen die neuen anziehen, hier vor dem großen Spiegel!“ 
Der Kaiser legte alle seine Kleider ab, und die Betrüger stellten sich, als ob sie ihm jedes Stück der neuen Kleider anzögen, welche fertig wären; und der Kaiser wendete und drehte sich vor dem Spiegel.
„Ei, wie gut sie kleiden! Wie herrlich sie sitzen!“ sagten Alle. „Welches Muster, welche Farben! Das ist eine köstliche Tracht!“ –
„Draußen stehen sie mit dem Thronhimmel, welcher über Ew. Majestät in der Procession getragen werden soll,“ meldete der Oberceremonienmeister.
„Seht, ich bin ja fertig!“ sagte der Kaiser. „Sitzt es nicht gut?“ Und dann wendete er sich nochmals zu dem Spiegel, denn es sollte scheinen, als ob er seinen Schmuck recht betrachte. 
Die Kammerherren, welche die Schleppe tragen sollten, griffen mit den Händen nach dem Fußboden, gerade als ob sie die Schleppe aufhöben; sie gingen und thaten, wie wenn sie Etwas in der Luft hielten; sie wagten nicht, es sich merken zu lassen, daß sie nichts sehen konnten. So ging der Kaiser in Procession unter dem prächtigen Thronhimmel, und alle Menschen auf der Straße und in den Fenstern sprachen: „Gott, wie sind des Kaisers neue Kleider unvergleichlich; welche Schleppe er am Kleide hat, wie schön das sitzt!“ Keiner wollte es sich merken lassen, daß er nichts sah, denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amte getaugt oder wäre sehr dumm gewesen. Keine Kleider des Kaisers hatten solches Glück gemacht, wie diese.
„Aber er hat ja nichts an!“ sagte endlich ein kleines Kind. ‚Herr Gott, hört des Unschuldigen Stimme!“ sagte der Vater; und der Eine zischelte dem Andern zu, was das Kind gesagt hatte. 
„Aber er hat ja nichts an!“ rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn es schien ihm, sie hätten Recht; aber er dachte bei sich: „Nun muß ich die Prozession aushalten.“ Und die Kammerherren gingen noch straffer und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

Ende

Na, wurdet ihr in eure Kindheit zurückkatapultiert? Ich bin sicher, es gibt ganz unterschiedliche Lehren, die man aus diesem Märchen ziehen kann- da darf sich jeder das herausgreifen, was ihm grade passt 🙂 Aber ich möchte meinen: Aktuell ist es allemal.

Ich wünsche euch an dieser Stelle frohe und ruhige Ostertage!

In diesem Sinne: Wer suchet, der findet!

Yvonne

Quellen: http://www.maerchen.net / http://www.maerchen.com
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Ars vivendi: Februar 2018

Ars vivendi

oder: Langeweile

Yvonne Wolf 28/02/2018

Ihr werdet es sicherlich bemerkt haben: Im Januar habe ich mir eine kleine Pause gegönnt. Doch nun geht es wieder wie gewohnt weiter und zum Ende des Monats flattert eine neue Ausgabe von Ars vivendi ins Haus.

Heute schreibe ich über etwas, was mir seit längerem immer mal wieder ins Auge fällt. Es ist das Thema Langeweile, bzw. der Umgang mit diesem Zustand. Habt ihr manchmal Langeweile? Wenn ja, ist es für euch eher etwas Positives oder etwas Negatives? Was macht ihr dagegen? Und: Muss man überhaupt etwas dagegen machen? Sollte man nicht vielmehr mal etwas dafür tun?

Schlaue Leute fangen ja gerne mit einer Definition an. Also schnell mal gegoogelt und bei Wikipedia nachgeschaut:

Dort heißt es, Langeweile „ist das unwohle, unangenehme Gefühl, das durch erzwungenes Nichtstun hervorgerufen wird oder bei einer als monoton empfundenen Tätigkeit aufkommen kann.[…]“

Da haben wir‘s; Langeweile hat also einen eher schlechten Ruf. Und sieht oder hört man sich um, dann bestätigt sich dieses Bild recht schnell. Die wenigsten Menschen mögen es, Langeweile zu haben. Sie bekämpfen diesen Zustand – und damit meine ich das Nichtstun – mit Aufgaben, Aktivitäten und immer neuem Input. Kinder, die sagen, ihnen ist langweilig, werden nicht selten schnell in Sport- und Musikkurse gesteckt, möglichst früh eingeschult und mit einem Terminkalender, der dem der Großen in nichts nachsteht, ausgestattet. Doch verpasst man nicht etwas Wichtiges, wenn man es nie dazu kommen lässt, sich zu langweilen? Nimmt man sich selbst und den Kindern nicht eine wichtige Erfahrung weg? Ich finde schon. Vielleicht muss man dem Phänomen Langeweile einfach mal die Chance geben, anders dazustehen. Ihr wisst ja, ein kleiner Perspektivwechsel zur richtigen Zeit am richtigen Ort wirkt manchmal Wunder 😉

Es ist nämlich so: Die Langeweile ist wie eine Türe zu etwas Verborgenem. Doch nur, wer sich in sie hineinwagt und sie durchaus auch mal aushält, der bekommt ihren Schlüssel. Mit ihm in der Hand finden wir dann Zugang zu etwas, was durchaus für jeden von uns unterschiedlich aussehen kann. Der Eine kommt endlich zur Ruhe und findet ganz unverhofft eine Möglichkeit sich zu entspannen. Bei einem anderen sprudeln plötzlich Ideen und Gedanken, die es sonst vielleicht nicht an die Oberfläche geschafft hätten. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich ein unglaubliches Potenzial und oft ganz viel kreative Energie hinter Langeweile versteckt, die sehr wertvoll und wichtig ist.

Traut euch also und gestattet euch und euren Lieben hier und da ein bisschen Langeweile – wer weiß, wofür es gut ist 🙂

In diesem Sinne: Kopf auf den Tisch und los 🙂

Bis bald,

           Yvonne

Rezension: „Tod einer Zwiderwurzn“ von Ruth M. Fuchs

Hallo ihr Lieben! Nach langer, langer Zeit veröffentliche ich mal wieder eine Rezension 🙂 Aktuell fließt meine Energie meistens in andere Lebensbereiche, so dass es bis auf die monatlichen Ars vivendi- Ausgaben leider nicht allzu viel neues hier gibt. Aber irgendwann wird das sicherlich auch wieder anders werden.

Vor einigen Wochen hat mich die liebe Ruth M. Fuchs mal wieder gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ihr neues Buch zu lesen uns rezensieren. Treue Leser wissen ja, dass ich fast alle ihrer Bücher hier vorgestellt habe. Meist ging es da um Erkül Bwaroo, den kleinen Elfendetektiv mit dem schlauen Köpfchen. Doch aufgepasst: Diesmal macht die Autorin einen Abstecher in die Welt der Regionalkrimis, und zwar nach Niederbayern! Und da Regionalkrimis generell sehr gerne lese, habe ich natürlich nicht lange überlegt und mich schon auf die Lektüre gefreut 🙂

Als Hauptkommissar Quirin Kammermeier eines sonnigen Tages im Geiselhöringer Freibad verweilt, rechnet er wahrscheinlich mit Vielem, aber nicht damit, plötzlich eine Tote vorzufinden. Eine Frau mittleren Alters wurde vergiftet- doch wie genau die Tat vonstattengegangen ist, bleibt zunächst ein großes Rätsel. Gemeinsam mit seiner Kollegin Sabine Pfeiffer untersucht Quirin den Fall und stößt auf eine Fülle potenziell Verdächtiger. Grund dafür ist ein Blog, den die Verstorbene führte und auf dem sie regelmäßig über alles und jeden herzog. Und bevor Licht ins Dunkle gebracht werden kann, geschieht ein weiterer Mord. Auch hier wurde das Opfer vergiftet- und zwar mit dem gleichen Gift wie das erste Opfer…

Um es vorweg zu nehmen: Ich finde, Regionalkrimis stehen Ruth M. Fuchs sehr gut! Von der ersten Seite an kann man wunderbar ins Geschehen eintauchen und sich auf sämtliche neue Charaktere und Szenarien einlassen. Das Ermittlerduo Kammermeier und Pfeiffer ist sehr sympathisch, aber nicht zu glatt angelegt, so dass sich bei den Beiden immer wieder Reibungspunkte mit anderen auftretenden Charakteren auftun. Natürlich erfahren wir neben der Ermittlungsarbeit auch etwas über das Privatleben der Beamten, die Region Niederbayern und die dortige Mundart, was das Ganze sehr schön abrundet und für kurzweilige Lesestunden sorgt. Praktischerweise ist Sabine Pfeiffer auch nicht ganz sicher im Umgang mit dem vorherrschenden Dialekt der Einheimischen, so dass man dank ihr an einigen Stellen eine Übersetzungshilfe bekommt 🙂 Aber auch ohne diese lässt sich alles gut lesen und verstehen (sprach die Rheinländerin 😉 ) Und wer letztendlich der Täter war- wurde mir dann auch erst kurz vor Schluss klar…

Wer also gerne Krimis und noch lieber Regionalkrimis liest, der ist hier gut bedient und darf zugreifen. Ich hoffe jedenfalls, es kommen noch weitere Fälle von Quirin und Sabine auf uns zu 🙂

 

Auf einen Blick:

„Tod einer Zwiderwurzn“ von Ruth M. Fuchs

Verlag: Raposa Verlag

Seiten: 364

ISBN-10: 3981802985

ISBN-13: 978-3981802986

Preis: 9,99 € (Taschenbuch) / 4,99 € (Kindle)

 

Team-Lese-Challenge 2018

Ein frohes neues Jahr meine lieben Leseratten 🙂 Auch 2018 soll nicht beginnen, ohne dass ich wieder eine Team-Lese-Challenge starte! Fleißige Leser wissen bereits was das ist- und auch wenn die aktive Beteiligung sich in der Vergangenheit auf 2 Teams beschränkt hat, gebe ich die Hoffnung nicht auf und versuche euch weiter zum Mitmachen zu motivieren. Die bisherigen Teilnehmer, die mir allesamt persönlich bekannt sind, finden diese Challenge nämlich immer sehr schön, da man viele Bücher liest, die man sonst wahrscheinlich nie gelesen hätte. In diesem Jahr werde ich allerdings ein paar Regeln ändern bzw. anpassen, da sich trotz hoher Lesemotivation abzeichnet, dass das Pensum an Büchern (leider) nicht ganz in unser aller Alltag passt. Und wer weiß- vielleicht findet sich durch diese kleinen Anpassungen das ein oder andere zusätzliche Team ein…ich bin gespannt!

Worum geht es?

Ihr entscheidet euch zunächst, ob euer Team aus 2 oder aus 3 Personen bestehen soll. Es sollten Personen sein, die ihr persönlich kennt und ab und an auch zu Gesicht bekommt, da dies im Rahmen der Challenge notwendig ist. Über das Jahr verteilt sollt ihr nun verschiedene Bücher lesen, die in von mir ausgewählte Kategorien passen müssen. Jedes Teammitglied muss jedes Buch gelesen haben. Aber: Jedes Buch darf physisch nur 1x existieren und muss von Teammitglied zu Teammitglied nach Beendigung weitergereicht werden (E-Books fallen also weg). Das jeweils nächste Buch im Rahmen der Challenge darf immer erst dann begonnen werden, wenn alle Teammitglieder das vorherige gelesen haben. Und: Niemand aus dem Team darf eines der Bücher bereits kennen!

Besteht euer Team aus 3 Personen, müsst ihr 7 Bücher lesen, um die Challenge erfolgreich zu beenden. Ein 2-er Team muss 9 Bücher bewältigen. Ich liste euch 9 Kategorien auf; ein 3-er Team sucht sich 7 davon aus, ein 2-er Team muss alle abarbeiten!

Erfüllt ein Buch mehrere Kriterien, dann müsst ihr euch natürlich für eine entscheiden. Am Ende des Jahres müssen es in jedem Fall 7 bzw. 9 Bücher sein, die jeder aus dem Team der Reihe nach gelesen hat. Alles klar?

Auch in diesem Jahr findet ihr rechts in der Sidebar eine zur Challenge passende Kategorie mit dem Namen „Team-Lese-Challenge 2018“. Dort findet ihr also künftig alle Einträge rund um die Challenge und könnt dort euren Fortschritt posten, sobald eine Kategorie erfolgreich im Team abgearbeitet wurde. So habt ihr und auch ich einen schönen Überblick über die gelesenen Bücher- und vielleicht findet sich die ein oder andere Inspiration in Sachen Lesefutter 🙂

Und hier sind die Kategorien für 2018:

1 Im Februar finden in Südkorea die olympischen Winterspiele statt. Lest ein Buch, auf dessen Cover ein Wintersportgerät zu sehen ist.

2 Lest ein grünes Buch.

3 Lest ein Buch, dessen Autor den Vornamen eines eurer Gruppenmitglieder hat.

4 Fragt ein Familienmitglied, welches Buch es zuletzt gelesen hat. Dieses Buch müsst ihr lesen. (Ihr dürft nur eine Person fragen. Nur, wenn ein Teammitglied das entsprechende Buch bereits kennt, dürft ihr eine weitere Person fragen.)

5 Der Todestag Enid Blytons jährt sich am 28. November zum 50. Mal. Lest ein Buch von ihr.

Georgien ist in diesem Land das Gastland der Frankfurter Buchmesse. Ihr dürft wählen: Lest ein Buch eines georgischen Autors oder ein Buch, auf dessen Cover ein Weinglas oder eine Weinflasche zu sehen ist (denn Georgien gilt als die Heimat des Weines)!

Lest ein Buch, in dessen Titel sich eine Zahl befindet.

8 Lest einen Inselroman.

9 Lest einen Reisebericht.

Das wären sie also- die Kategorien, die euch und mich durch das Jahr 2018 begleiten werden. Mal sehen, welche Bücher sie füllen werden 🙂 Sucht euch euer Leseteam zusammen, denkt euch einen Namen aus und meldet euch über die Kommentarfunktion an- dann kann es schon losgehen…

Ich wünsche euch viel Spaß!

Ars vivendi- Dezember 2017

Ars vivendi

oder: RAOK

Yvonne Wolf 31/12/2017

So, ihr Lieben. Da ist er also- der letzte Tag des Jahres 2017. Bis gestern Abend war ich noch der Meinung, dass mein Thema für die heutige Kolumne schon feststeht. Dieses hatte zwar nicht ganz das gewünschte Silvesterpotenzial, aber manchmal muss man eben das nehmen, was da ist 😉 Dann saß ich allerdings gemütlich auf dem Sofa, blätterte nach langer Zeit mal wieder durch meine bereits so oft erwähnte Lieblingszeitschrift und was fällt mir da vor die Füße? Ja, ganz genau- DAS silvesterwürdige Thema, das ich mir gewünscht hatte. Etwas mit Nachdenkcharakter, was euch und mich durch das nächste Jahr begleiten könnte und sich sogar für einen schönen guten Vorsatz eignet. Dann mal los 🙂

In unserem von Terminen und Verpflichtungen geprägten Alltag laufen wir nicht selten mit Scheuklappen durch die Gegend. Wir sind so sehr mit uns selbst und unserem Mikrokosmos beschäftigt, dass wir alles andere ausblenden. Dabei braucht es manchmal so wenig, um eine wunderschöne Kettenreaktion in Gang zu setzen, die nicht nur dabei hilft den eigenen Blick wieder zu öffnen und für die kleinen Dinge zu sensibilisieren, sondern auch mit einfachen Mitteln für ein freundlicheres Miteinander sorgt. Damit sind auch nicht zwingend die Menschen gemeint, die wir schon kennen oder regelmäßig sehen, sondern grade auch uns völlig fremde Personen.

Was gilt es also zu tun? Die Antwort ist bestechend banal: Seid nett zueinander. Mit ein wenig aufrichtigem Interesse und kleinen Freundlichkeiten zaubert ihr ein Lächeln auf das Gesicht eurer Mitmenschen. Und das Schöne ist: Wer nett zu anderen ist, füllt sein Leben mit etwas mehr Sinn und fühlt sich selbst glücklicher und zufriedener.

In den USA ist eine Bewegung entstanden, die bewusst diese Art des Denkens und Handelns unterstützt. Es ist die Bewegung der „Random Acts of Kindness“ – kurz RAOK genannt. Wie könnten diese zufälligen Akte der Freundlichkeit zum Beispiel aussehen? Ein Post-it mit einer freundlichen Nachricht im Treppenhaus, eine Blume für die Lieblingsverkäuferin, ein kleines Geschenk auf einer Parkbank oder ein zusätzlich bezahlter Kaffee im Bistro, damit die nächste Person ihn nicht zu zahlen braucht. Die Möglichkeiten sind grenzenlos, der Effekt unbezahlbar. Ich bin selbst schon des öfteren Empfänger solcher RAOK-Akte geworden. Ob es ein Parkticket war, das mir überlassen wurde oder Kleingeld für die Klofrau- ganz egal, wie klein die Geste war, das Ergebnis ist identisch. Es fühlt sich gut an und man zehrt noch einige Zeit davon, erzählt es vielleicht weiter oder ist unbewusst selbst freundlicher zu anderen.

Ein Aspekt, der mir bei dieser Art des Miteinanders besonders am Herzen liegt ist die Tatsache, dass man selbst lernt, seine Erwartungshaltung abzulegen und Dinge einfach mal vollkommen bedingungslos macht. Denn wie viele von uns schenken etwas und erwarten im Gegenzug auch Geschenke oder helfen anderen nur dann, wenn auch von ihnen Hilfe zu erwarten ist? Auch wenn ich weiß, dass eine solche Denkweise sehr verbreitet ist, macht mich eine solche Motivation immer sehr traurig, weil ich sie einfach nicht nachvollziehen kann. Doch vielleicht ist es ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, wenn immer mehr Menschen sich das RAOK-Prinzip zu Herzen nehmen, die Augen wieder für die Menschen um sich herum öffnen und ein bisschen Freundlichkeit verbreiten. Ich bin auf jeden Fall dabei 🙂 Wie sieht es mit euch aus?

In diesem Sinne wünsche ich euch ein wunderschönes Silvesterfest mit lieben Menschen und einen guten Übergang in ein neues Jahr, das hoffentlich viele bedingungslose Nettigkeiten für alle von uns bereithält 🙂

Und das letzte Wort hat heute – zur Feier des Tages – der Dalai Lama:

Sei freundlich, wenn es geht.

Es geht immer.“

Bis bald,

            Yvonne

Ars vivendi- November 2017

Ars vivendi

oder: Alles klar… ?!

Yvonne Wolf 30/11/2017

Seit ungefähr 2-3 Monaten, unterschwellig eventuell auch schon länger, bemerke ich eine starke Veränderung in meinen Bedürfnissen bezüglich Kommunikation. Auch wenn ich stets für sprachliche Finessen, ironische Einwürfe und Witze aller Art – ob hoch- oder tiefgelegt- zu haben bin und selbst gerne darauf zurückgreife, bin ich doch immer häufiger einfach froh und dankbar, wenn jemand in der Lage ist kurz, knapp und vor allem klar zu kommunizieren.

Im Laufe unseres Lebens werden wir quasi dazu ausgebildet, uns sprachlich immer gewandter auszudrücken. Irgendwann lernen wir, dass Ausschmückungen aller Art einfach dazu gehören. Und es macht ja auch Spaß: hier ein Witz, da ein Spruch, eine Prise Ironie – schnell wird man mit diesen Zutaten zum beliebten Gesprächspartner. Ich selbst stelle jedoch immer mehr fest, dass diese Art der Kommunikation mich in gewissen Situationen -nein, nicht grundsätzlich- zunehmend mehr anstrengt. Und zwar hauptsächlich immer dann, wenn ich ein Interesse daran habe, ein „ernstes“ Gespräch zu führen, Informationen zu erhalten oder Termine auszumachen. Zu viele Schnörkel nehmen einem Gespräch meiner Meinung nach die Verbindlichkeit- und so muss ich mich hinterher fragen: War das jetzt wirklich so gemeint? Kann ich mich darauf verlassen? Sind wir nun verabredet oder vielleicht doch nicht? Es entsteht Unsicherheit- und diesem Zuge auch Unzufriedenheit. Mindestens auf einer, vielleicht aber auch dauerhaft auf beiden Seiten.

Natürlich ist es wieder einmal so, dass man nur vor der eigenen Türe kehren kann und sollte- also heißt es: die eigene Kommunikation hinterfragen, analysieren und hier und da nach Wegen suchen, um etwas zu verändern. Weniger Emojis, dafür mehr Inhalt und Eindeutigkeit. Wenn man klar kommuniziert, kann man sich guten Gewissens auf das Gesagte konzentrieren und muss sich nicht auf die verzweifelte Suche nach dem eigentlich Gemeinten machen. Denn verantwortlich ist man immer nur für das, was man sagt- nicht für das, was andere verstehen. Ein Satz, den ich schon in meiner letzten Kolumne benutzt habe, weil ich ihn im Moment einfach so oft denke 🙂

Die kommende Weihnachtszeit ist für viele ja auch wieder eine große Herausforderung in Sachen Kommunikation. Ein bisschen mehr Klarheit kann auch hier bestimmt das ein oder andere Wunder vollbringen. An dieser Stelle also mein alljährlicher Appell: Überlegt euch, wie ihr feiern möchtet und kümmert euch um eure Bedürfnisse- dann habt ihr sicherlich schöne Tage vor euch!

So. Ich glaube, ich habe gesagt, was ich sagen wollte- und bevor ich vom Hölzchen auf’s Stöckchen komme, sollte ich im Sinne dieser Kolumne wohl einfach sagen:

Eine wunderschöne Weihnachts- und Adventszeit!

Bis bald,

             Yvonne

Ars vivendi- Oktober 2017

Ars vivendi

oder: Reden ist Silber…

Yvonne Wolf 01/11/2017

…und Schweigen ist Gold. Eigentlich entspricht diese Redewendung nicht zwingendermaßen meinem Naturell. Denn so als Sprachtherapeutin und generell eher kommunikativ veranlagte Person lautet mein Mantra wohl eher: Immer raus damit 😉 In letzter Zeit allerdings bin ich mit diesem Motto nicht ganz glücklich und habe viel über meine Unzufriedenheit diesbezüglich nachgedacht. Wie der Zufall – oder die selektive Wahrnehmung – es wollte, fiel mir dann auch noch ein schöner Artikel zu genau diesem Thema in die Hände und forderte mich auf: Behalt’s doch einfach mal für dich…

Aber der Reihe nach. Warum bin ich unzufrieden? Ihr wisst ja, seit einigen Monaten befinde ich mich in einer kleinen großen Umbruchsphase- Ende der Elternzeit, der Entschluss ausschließlich selbständig zu arbeiten…viel Neues, viel Spannendes. Ich bin schwer damit beschäftigt Dinge zu organisieren, zu realisieren und meine Ideen auf Papier und an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Ideen habe ich nämlich haufenweise- mein Mann kann ein Lied (oder auch 2) davon singen. Und natürlich spreche ich gerne und häufig über die Dinge, die ich mir so überlege. Manchmal möchte ich wohl auch von bestimmten Leuten einen Ratschlag. Aber noch lange nicht immer. Nein, manchmal erzähle ich einfach nur gerne, was ich so mache…eben um des Erzählens willen, zur Aufrechterhaltung des kommunikativen Flusses, einfach so. Dieses „einfach so was erzählen“ scheint aber nicht zwingend ein weit verbreitetes Phänomen zu sein, denn scheinbar sehen viele Menschen sofort eine versteckte Aufforderung darin. Und dann werden sie ungefragt ausgepackt- die guten Ratschläge, die ich bereits vor 2 Jahren mal in einer Kolumne beleuchtet habe. Mittlerweile bin ich mit meinem Wissen um die gewaltfreie Kommunikation durchaus in der Lage, solche Situationen zu entschlüsseln, so ist es ja nicht. Menschen mögen es, wenn sie gebraucht werden. Wenn da also jemand, in dem Falle ich, mit neuen Ideen um die Ecke kommt, dann spricht es das Bedürfnis Vieler an, ein Teil von etwas zu sein. Ungünstig wird es dann, wenn die Strategien zur Ausagierung dieses Bedürfnisses etwas unglücklich gewählt werden. Z.B. in Form von Sätzen, die mit „Du musst/ Du müsstest/ Du solltest“ beginnen; schön ist auch: „Wie könnten wir das jetzt machen?“ In diesen Fällen wird leider mein internes Alarmsystem sofort aktiviert und die Schotten werden dicht gemacht. Jaja, theoretisch weiß ich, wie ich gewaltfrei aus so einer Nummer rauskäme…man beachte den Konjunktiv 😉 Aber sobald ein gewisses Maß an Emotionalität mit im Spiel ist, fällt es mir persönlich noch sehr schwer, die Situation elegant zu meistern.

Daher kam mir oben erwähnter Artikel auch gerade recht. Zusammengefasst ging es darum, dass ständiges Über-alles-sprechen nicht immer befreiend, bereichernd und zielführend sein muss, sondern mitunter durchaus auch zermürbend und frustrierend sein kann. Die Autorin des Textes schlug daher vor, einfach mal öfter und bewusster zu schweigen, Dinge und Gedanken für sich zu behalten, nicht alles zu teilen. Auch in Situationen, in denen wir einfach nur sprechen, damit es nicht leise ist, sollen wir uns gezielt zurückhalten und erfahren, dass Stille und Schweigen nicht zwingend etwas Unangenehmes sein müssen, sondern auch mal ganz erfrischend sein können.

Natürlich ist es nicht so, dass ich nun ständig schweige. Das wäre ein unrealistisches Unterfangen 😉 Aber ich habe damit begonnen, mir meine Gesprächspartner weise zu wählen. Ich behalte Dinge manchmal einfach für mich und diskutiere sie mit mir selbst aus. Und wenn ich einen Rat möchte, frage ich gezielt und nicht versteckt danach, damit ich lerne, klarer zu kommunizieren. Denn man selbst ist immer nur für das verantwortlich, was man sagt, nicht für das, was andere verstehen- aber man sollte ja eh immer bei sich selbst anfangen 😉

In diesem Sinne: …

Bis bald,

             Yvonne