Rezension: „Tod einer Zwiderwurzn“ von Ruth M. Fuchs

Hallo ihr Lieben! Nach langer, langer Zeit veröffentliche ich mal wieder eine Rezension 🙂 Aktuell fließt meine Energie meistens in andere Lebensbereiche, so dass es bis auf die monatlichen Ars vivendi- Ausgaben leider nicht allzu viel neues hier gibt. Aber irgendwann wird das sicherlich auch wieder anders werden.

Vor einigen Wochen hat mich die liebe Ruth M. Fuchs mal wieder gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ihr neues Buch zu lesen uns rezensieren. Treue Leser wissen ja, dass ich fast alle ihrer Bücher hier vorgestellt habe. Meist ging es da um Erkül Bwaroo, den kleinen Elfendetektiv mit dem schlauen Köpfchen. Doch aufgepasst: Diesmal macht die Autorin einen Abstecher in die Welt der Regionalkrimis, und zwar nach Niederbayern! Und da Regionalkrimis generell sehr gerne lese, habe ich natürlich nicht lange überlegt und mich schon auf die Lektüre gefreut 🙂

Als Hauptkommissar Quirin Kammermeier eines sonnigen Tages im Geiselhöringer Freibad verweilt, rechnet er wahrscheinlich mit Vielem, aber nicht damit, plötzlich eine Tote vorzufinden. Eine Frau mittleren Alters wurde vergiftet- doch wie genau die Tat vonstattengegangen ist, bleibt zunächst ein großes Rätsel. Gemeinsam mit seiner Kollegin Sabine Pfeiffer untersucht Quirin den Fall und stößt auf eine Fülle potenziell Verdächtiger. Grund dafür ist ein Blog, den die Verstorbene führte und auf dem sie regelmäßig über alles und jeden herzog. Und bevor Licht ins Dunkle gebracht werden kann, geschieht ein weiterer Mord. Auch hier wurde das Opfer vergiftet- und zwar mit dem gleichen Gift wie das erste Opfer…

Um es vorweg zu nehmen: Ich finde, Regionalkrimis stehen Ruth M. Fuchs sehr gut! Von der ersten Seite an kann man wunderbar ins Geschehen eintauchen und sich auf sämtliche neue Charaktere und Szenarien einlassen. Das Ermittlerduo Kammermeier und Pfeiffer ist sehr sympathisch, aber nicht zu glatt angelegt, so dass sich bei den Beiden immer wieder Reibungspunkte mit anderen auftretenden Charakteren auftun. Natürlich erfahren wir neben der Ermittlungsarbeit auch etwas über das Privatleben der Beamten, die Region Niederbayern und die dortige Mundart, was das Ganze sehr schön abrundet und für kurzweilige Lesestunden sorgt. Praktischerweise ist Sabine Pfeiffer auch nicht ganz sicher im Umgang mit dem vorherrschenden Dialekt der Einheimischen, so dass man dank ihr an einigen Stellen eine Übersetzungshilfe bekommt 🙂 Aber auch ohne diese lässt sich alles gut lesen und verstehen (sprach die Rheinländerin 😉 ) Und wer letztendlich der Täter war- wurde mir dann auch erst kurz vor Schluss klar…

Wer also gerne Krimis und noch lieber Regionalkrimis liest, der ist hier gut bedient und darf zugreifen. Ich hoffe jedenfalls, es kommen noch weitere Fälle von Quirin und Sabine auf uns zu 🙂

 

Auf einen Blick:

„Tod einer Zwiderwurzn“ von Ruth M. Fuchs

Verlag: Raposa Verlag

Seiten: 364

ISBN-10: 3981802985

ISBN-13: 978-3981802986

Preis: 9,99 € (Taschenbuch) / 4,99 € (Kindle)

 

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Team-Lese-Challenge 2018

Ein frohes neues Jahr meine lieben Leseratten 🙂 Auch 2018 soll nicht beginnen, ohne dass ich wieder eine Team-Lese-Challenge starte! Fleißige Leser wissen bereits was das ist- und auch wenn die aktive Beteiligung sich in der Vergangenheit auf 2 Teams beschränkt hat, gebe ich die Hoffnung nicht auf und versuche euch weiter zum Mitmachen zu motivieren. Die bisherigen Teilnehmer, die mir allesamt persönlich bekannt sind, finden diese Challenge nämlich immer sehr schön, da man viele Bücher liest, die man sonst wahrscheinlich nie gelesen hätte. In diesem Jahr werde ich allerdings ein paar Regeln ändern bzw. anpassen, da sich trotz hoher Lesemotivation abzeichnet, dass das Pensum an Büchern (leider) nicht ganz in unser aller Alltag passt. Und wer weiß- vielleicht findet sich durch diese kleinen Anpassungen das ein oder andere zusätzliche Team ein…ich bin gespannt!

Worum geht es?

Ihr entscheidet euch zunächst, ob euer Team aus 2 oder aus 3 Personen bestehen soll. Es sollten Personen sein, die ihr persönlich kennt und ab und an auch zu Gesicht bekommt, da dies im Rahmen der Challenge notwendig ist. Über das Jahr verteilt sollt ihr nun verschiedene Bücher lesen, die in von mir ausgewählte Kategorien passen müssen. Jedes Teammitglied muss jedes Buch gelesen haben. Aber: Jedes Buch darf physisch nur 1x existieren und muss von Teammitglied zu Teammitglied nach Beendigung weitergereicht werden (E-Books fallen also weg). Das jeweils nächste Buch im Rahmen der Challenge darf immer erst dann begonnen werden, wenn alle Teammitglieder das vorherige gelesen haben. Und: Niemand aus dem Team darf eines der Bücher bereits kennen!

Besteht euer Team aus 3 Personen, müsst ihr 7 Bücher lesen, um die Challenge erfolgreich zu beenden. Ein 2-er Team muss 9 Bücher bewältigen. Ich liste euch 9 Kategorien auf; ein 3-er Team sucht sich 7 davon aus, ein 2-er Team muss alle abarbeiten!

Erfüllt ein Buch mehrere Kriterien, dann müsst ihr euch natürlich für eine entscheiden. Am Ende des Jahres müssen es in jedem Fall 7 bzw. 9 Bücher sein, die jeder aus dem Team der Reihe nach gelesen hat. Alles klar?

Auch in diesem Jahr findet ihr rechts in der Sidebar eine zur Challenge passende Kategorie mit dem Namen „Team-Lese-Challenge 2018“. Dort findet ihr also künftig alle Einträge rund um die Challenge und könnt dort euren Fortschritt posten, sobald eine Kategorie erfolgreich im Team abgearbeitet wurde. So habt ihr und auch ich einen schönen Überblick über die gelesenen Bücher- und vielleicht findet sich die ein oder andere Inspiration in Sachen Lesefutter 🙂

Und hier sind die Kategorien für 2018:

1 Im Februar finden in Südkorea die olympischen Winterspiele statt. Lest ein Buch, auf dessen Cover ein Wintersportgerät zu sehen ist.

2 Lest ein grünes Buch.

3 Lest ein Buch, dessen Autor den Vornamen eines eurer Gruppenmitglieder hat.

4 Fragt ein Familienmitglied, welches Buch es zuletzt gelesen hat. Dieses Buch müsst ihr lesen. (Ihr dürft nur eine Person fragen. Nur, wenn ein Teammitglied das entsprechende Buch bereits kennt, dürft ihr eine weitere Person fragen.)

5 Der Todestag Enid Blytons jährt sich am 28. November zum 50. Mal. Lest ein Buch von ihr.

Georgien ist in diesem Land das Gastland der Frankfurter Buchmesse. Ihr dürft wählen: Lest ein Buch eines georgischen Autors oder ein Buch, auf dessen Cover ein Weinglas oder eine Weinflasche zu sehen ist (denn Georgien gilt als die Heimat des Weines)!

Lest ein Buch, in dessen Titel sich eine Zahl befindet.

8 Lest einen Inselroman.

9 Lest einen Reisebericht.

Das wären sie also- die Kategorien, die euch und mich durch das Jahr 2018 begleiten werden. Mal sehen, welche Bücher sie füllen werden 🙂 Sucht euch euer Leseteam zusammen, denkt euch einen Namen aus und meldet euch über die Kommentarfunktion an- dann kann es schon losgehen…

Ich wünsche euch viel Spaß!

Ars vivendi- Dezember 2017

Ars vivendi

oder: RAOK

Yvonne Wolf 31/12/2017

So, ihr Lieben. Da ist er also- der letzte Tag des Jahres 2017. Bis gestern Abend war ich noch der Meinung, dass mein Thema für die heutige Kolumne schon feststeht. Dieses hatte zwar nicht ganz das gewünschte Silvesterpotenzial, aber manchmal muss man eben das nehmen, was da ist 😉 Dann saß ich allerdings gemütlich auf dem Sofa, blätterte nach langer Zeit mal wieder durch meine bereits so oft erwähnte Lieblingszeitschrift und was fällt mir da vor die Füße? Ja, ganz genau- DAS silvesterwürdige Thema, das ich mir gewünscht hatte. Etwas mit Nachdenkcharakter, was euch und mich durch das nächste Jahr begleiten könnte und sich sogar für einen schönen guten Vorsatz eignet. Dann mal los 🙂

In unserem von Terminen und Verpflichtungen geprägten Alltag laufen wir nicht selten mit Scheuklappen durch die Gegend. Wir sind so sehr mit uns selbst und unserem Mikrokosmos beschäftigt, dass wir alles andere ausblenden. Dabei braucht es manchmal so wenig, um eine wunderschöne Kettenreaktion in Gang zu setzen, die nicht nur dabei hilft den eigenen Blick wieder zu öffnen und für die kleinen Dinge zu sensibilisieren, sondern auch mit einfachen Mitteln für ein freundlicheres Miteinander sorgt. Damit sind auch nicht zwingend die Menschen gemeint, die wir schon kennen oder regelmäßig sehen, sondern grade auch uns völlig fremde Personen.

Was gilt es also zu tun? Die Antwort ist bestechend banal: Seid nett zueinander. Mit ein wenig aufrichtigem Interesse und kleinen Freundlichkeiten zaubert ihr ein Lächeln auf das Gesicht eurer Mitmenschen. Und das Schöne ist: Wer nett zu anderen ist, füllt sein Leben mit etwas mehr Sinn und fühlt sich selbst glücklicher und zufriedener.

In den USA ist eine Bewegung entstanden, die bewusst diese Art des Denkens und Handelns unterstützt. Es ist die Bewegung der „Random Acts of Kindness“ – kurz RAOK genannt. Wie könnten diese zufälligen Akte der Freundlichkeit zum Beispiel aussehen? Ein Post-it mit einer freundlichen Nachricht im Treppenhaus, eine Blume für die Lieblingsverkäuferin, ein kleines Geschenk auf einer Parkbank oder ein zusätzlich bezahlter Kaffee im Bistro, damit die nächste Person ihn nicht zu zahlen braucht. Die Möglichkeiten sind grenzenlos, der Effekt unbezahlbar. Ich bin selbst schon des öfteren Empfänger solcher RAOK-Akte geworden. Ob es ein Parkticket war, das mir überlassen wurde oder Kleingeld für die Klofrau- ganz egal, wie klein die Geste war, das Ergebnis ist identisch. Es fühlt sich gut an und man zehrt noch einige Zeit davon, erzählt es vielleicht weiter oder ist unbewusst selbst freundlicher zu anderen.

Ein Aspekt, der mir bei dieser Art des Miteinanders besonders am Herzen liegt ist die Tatsache, dass man selbst lernt, seine Erwartungshaltung abzulegen und Dinge einfach mal vollkommen bedingungslos macht. Denn wie viele von uns schenken etwas und erwarten im Gegenzug auch Geschenke oder helfen anderen nur dann, wenn auch von ihnen Hilfe zu erwarten ist? Auch wenn ich weiß, dass eine solche Denkweise sehr verbreitet ist, macht mich eine solche Motivation immer sehr traurig, weil ich sie einfach nicht nachvollziehen kann. Doch vielleicht ist es ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, wenn immer mehr Menschen sich das RAOK-Prinzip zu Herzen nehmen, die Augen wieder für die Menschen um sich herum öffnen und ein bisschen Freundlichkeit verbreiten. Ich bin auf jeden Fall dabei 🙂 Wie sieht es mit euch aus?

In diesem Sinne wünsche ich euch ein wunderschönes Silvesterfest mit lieben Menschen und einen guten Übergang in ein neues Jahr, das hoffentlich viele bedingungslose Nettigkeiten für alle von uns bereithält 🙂

Und das letzte Wort hat heute – zur Feier des Tages – der Dalai Lama:

Sei freundlich, wenn es geht.

Es geht immer.“

Bis bald,

            Yvonne

Ars vivendi- November 2017

Ars vivendi

oder: Alles klar… ?!

Yvonne Wolf 30/11/2017

Seit ungefähr 2-3 Monaten, unterschwellig eventuell auch schon länger, bemerke ich eine starke Veränderung in meinen Bedürfnissen bezüglich Kommunikation. Auch wenn ich stets für sprachliche Finessen, ironische Einwürfe und Witze aller Art – ob hoch- oder tiefgelegt- zu haben bin und selbst gerne darauf zurückgreife, bin ich doch immer häufiger einfach froh und dankbar, wenn jemand in der Lage ist kurz, knapp und vor allem klar zu kommunizieren.

Im Laufe unseres Lebens werden wir quasi dazu ausgebildet, uns sprachlich immer gewandter auszudrücken. Irgendwann lernen wir, dass Ausschmückungen aller Art einfach dazu gehören. Und es macht ja auch Spaß: hier ein Witz, da ein Spruch, eine Prise Ironie – schnell wird man mit diesen Zutaten zum beliebten Gesprächspartner. Ich selbst stelle jedoch immer mehr fest, dass diese Art der Kommunikation mich in gewissen Situationen -nein, nicht grundsätzlich- zunehmend mehr anstrengt. Und zwar hauptsächlich immer dann, wenn ich ein Interesse daran habe, ein „ernstes“ Gespräch zu führen, Informationen zu erhalten oder Termine auszumachen. Zu viele Schnörkel nehmen einem Gespräch meiner Meinung nach die Verbindlichkeit- und so muss ich mich hinterher fragen: War das jetzt wirklich so gemeint? Kann ich mich darauf verlassen? Sind wir nun verabredet oder vielleicht doch nicht? Es entsteht Unsicherheit- und diesem Zuge auch Unzufriedenheit. Mindestens auf einer, vielleicht aber auch dauerhaft auf beiden Seiten.

Natürlich ist es wieder einmal so, dass man nur vor der eigenen Türe kehren kann und sollte- also heißt es: die eigene Kommunikation hinterfragen, analysieren und hier und da nach Wegen suchen, um etwas zu verändern. Weniger Emojis, dafür mehr Inhalt und Eindeutigkeit. Wenn man klar kommuniziert, kann man sich guten Gewissens auf das Gesagte konzentrieren und muss sich nicht auf die verzweifelte Suche nach dem eigentlich Gemeinten machen. Denn verantwortlich ist man immer nur für das, was man sagt- nicht für das, was andere verstehen. Ein Satz, den ich schon in meiner letzten Kolumne benutzt habe, weil ich ihn im Moment einfach so oft denke 🙂

Die kommende Weihnachtszeit ist für viele ja auch wieder eine große Herausforderung in Sachen Kommunikation. Ein bisschen mehr Klarheit kann auch hier bestimmt das ein oder andere Wunder vollbringen. An dieser Stelle also mein alljährlicher Appell: Überlegt euch, wie ihr feiern möchtet und kümmert euch um eure Bedürfnisse- dann habt ihr sicherlich schöne Tage vor euch!

So. Ich glaube, ich habe gesagt, was ich sagen wollte- und bevor ich vom Hölzchen auf’s Stöckchen komme, sollte ich im Sinne dieser Kolumne wohl einfach sagen:

Eine wunderschöne Weihnachts- und Adventszeit!

Bis bald,

             Yvonne

Ars vivendi- Oktober 2017

Ars vivendi

oder: Reden ist Silber…

Yvonne Wolf 01/11/2017

…und Schweigen ist Gold. Eigentlich entspricht diese Redewendung nicht zwingendermaßen meinem Naturell. Denn so als Sprachtherapeutin und generell eher kommunikativ veranlagte Person lautet mein Mantra wohl eher: Immer raus damit 😉 In letzter Zeit allerdings bin ich mit diesem Motto nicht ganz glücklich und habe viel über meine Unzufriedenheit diesbezüglich nachgedacht. Wie der Zufall – oder die selektive Wahrnehmung – es wollte, fiel mir dann auch noch ein schöner Artikel zu genau diesem Thema in die Hände und forderte mich auf: Behalt’s doch einfach mal für dich…

Aber der Reihe nach. Warum bin ich unzufrieden? Ihr wisst ja, seit einigen Monaten befinde ich mich in einer kleinen großen Umbruchsphase- Ende der Elternzeit, der Entschluss ausschließlich selbständig zu arbeiten…viel Neues, viel Spannendes. Ich bin schwer damit beschäftigt Dinge zu organisieren, zu realisieren und meine Ideen auf Papier und an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Ideen habe ich nämlich haufenweise- mein Mann kann ein Lied (oder auch 2) davon singen. Und natürlich spreche ich gerne und häufig über die Dinge, die ich mir so überlege. Manchmal möchte ich wohl auch von bestimmten Leuten einen Ratschlag. Aber noch lange nicht immer. Nein, manchmal erzähle ich einfach nur gerne, was ich so mache…eben um des Erzählens willen, zur Aufrechterhaltung des kommunikativen Flusses, einfach so. Dieses „einfach so was erzählen“ scheint aber nicht zwingend ein weit verbreitetes Phänomen zu sein, denn scheinbar sehen viele Menschen sofort eine versteckte Aufforderung darin. Und dann werden sie ungefragt ausgepackt- die guten Ratschläge, die ich bereits vor 2 Jahren mal in einer Kolumne beleuchtet habe. Mittlerweile bin ich mit meinem Wissen um die gewaltfreie Kommunikation durchaus in der Lage, solche Situationen zu entschlüsseln, so ist es ja nicht. Menschen mögen es, wenn sie gebraucht werden. Wenn da also jemand, in dem Falle ich, mit neuen Ideen um die Ecke kommt, dann spricht es das Bedürfnis Vieler an, ein Teil von etwas zu sein. Ungünstig wird es dann, wenn die Strategien zur Ausagierung dieses Bedürfnisses etwas unglücklich gewählt werden. Z.B. in Form von Sätzen, die mit „Du musst/ Du müsstest/ Du solltest“ beginnen; schön ist auch: „Wie könnten wir das jetzt machen?“ In diesen Fällen wird leider mein internes Alarmsystem sofort aktiviert und die Schotten werden dicht gemacht. Jaja, theoretisch weiß ich, wie ich gewaltfrei aus so einer Nummer rauskäme…man beachte den Konjunktiv 😉 Aber sobald ein gewisses Maß an Emotionalität mit im Spiel ist, fällt es mir persönlich noch sehr schwer, die Situation elegant zu meistern.

Daher kam mir oben erwähnter Artikel auch gerade recht. Zusammengefasst ging es darum, dass ständiges Über-alles-sprechen nicht immer befreiend, bereichernd und zielführend sein muss, sondern mitunter durchaus auch zermürbend und frustrierend sein kann. Die Autorin des Textes schlug daher vor, einfach mal öfter und bewusster zu schweigen, Dinge und Gedanken für sich zu behalten, nicht alles zu teilen. Auch in Situationen, in denen wir einfach nur sprechen, damit es nicht leise ist, sollen wir uns gezielt zurückhalten und erfahren, dass Stille und Schweigen nicht zwingend etwas Unangenehmes sein müssen, sondern auch mal ganz erfrischend sein können.

Natürlich ist es nicht so, dass ich nun ständig schweige. Das wäre ein unrealistisches Unterfangen 😉 Aber ich habe damit begonnen, mir meine Gesprächspartner weise zu wählen. Ich behalte Dinge manchmal einfach für mich und diskutiere sie mit mir selbst aus. Und wenn ich einen Rat möchte, frage ich gezielt und nicht versteckt danach, damit ich lerne, klarer zu kommunizieren. Denn man selbst ist immer nur für das verantwortlich, was man sagt, nicht für das, was andere verstehen- aber man sollte ja eh immer bei sich selbst anfangen 😉

In diesem Sinne: …

Bis bald,

             Yvonne

Ars vivendi- September 2017

Ars vivendi

oder: Übergangsweise

Yvonne Wolf 01/10/2017

Es ist wahrscheinlich nicht sonderlich übertrieben, wenn ich sage: Montage erfreuen sich im Allgemeinen nicht sonderlicher Beliebtheit. Habt ihr euch aber mal genauer überlegt, warum das so ist? Wenn man sich nämlich mal mit diesem Thema beschäftigt, wird man unweigerlich merken, dass es in unserem Alltag an vielen Stellen kleine und große Montagsmomente für jeden von uns gibt…und der Umgang mit ihnen will gelernt sein.

Seit ein paar Wochen läuft bei meiner Tochter die Eingewöhnung in eine Tagespflegeeinrichtung. Letzte Woche Montag wurde ich gebeten etwas früher zurück zu kommen, um meine Tochter abzuholen- und als ich den Raum betrat, war mir auch klar warum. Die komplette Gruppe war am Brüllen (ich entschuldige mich an dieser Stelle für dieses grammatische Konstrukt! Das nennt man rheinische Verlaufsform und als Kölnerin darf ich das und kann nicht anders 😉 ) Ausnahmslos jedes Kind stand absolut neben sich und heulte sich die Augen aus. Natürlich ist es nicht witzig, wenn Kinder weinen, aber dennoch hatte diese Situation etwas unglaublich Komisches. Ich guckte nur eine der Tagesmütter an und meinte: „Montag?“ Daraufhin sie: „Montag!“

Der Montag scheint also tatsächlich so schlecht wie sein Ruf, denn auch in den Wochen vorher bot sich bereits ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so dramatisches Bild zum Start in die Woche. Auch wir Erwachsene kämpfen ja wöchentlich mit dem Beginn der Arbeitswoche- die Einen mehr, die Anderen weniger. Und unweigerlich formte sich vor meinem geistigen Auge das Bild eines Büros, in dem alle Mitarbeiter am Montagmorgen heulend und tobend auf dem Boden liegen… gar nicht so abwegig, oder?

Was aber genau ist denn das Besondere am Montag? Das eigentliche Thema, welches dahinter steckt, hat etwas mit sogenannten Übergängen zu tun, d.h. mit dem Ende der einen und dem Beginn einer neuen Situation. Das Wochenende sorgt jede Woche aufs Neue dafür, dass eine Routine, an die man sich gerade gewöhnt hatte, unterbrochen wird, um dann nach 2 Tagen wieder erneut zu beginnen. Und das ist für Kinder alles andere als einfach, für viele Erwachsene, ihr werdet es mir bestätigen, allerdings auch nicht.

Übergänge begegnen uns an vielen Stellen, wir nehmen sie oftmals einfach nur nicht wahr. Im Bezug auf Kinder merkt man, dass man es mit Übergängen zu tun hat häufig an deren Verhalten. In für uns vollkommen harmlosen Situationen bricht es aus ihnen heraus und sie sind kaum zu bändigen. Oft hat es dann tatsächlich damit zu tun, dass man von ihnen schnelle und unvorbereitete Situationswechsel erwartet, die sie noch nicht meistern können. Leider wird das in unseren Augen unangepasste Verhalten dann häufig mit der allseits beliebten und viel zu erwachsenen Erklärung „Trotzphase“ abgetan, aber dies ist ein anderes Thema.

Schauen wir uns doch unseren eigenen Alltag an: wo verstecken sich kleine und große Übergänge und zu welchen Strategien neigen wir? Hier ein paar Beispiele:

morgens aufstehen

Steht ihr sofort auf, wenn der Wecker klingelt oder suhlt ihr euch noch eine Weile in eurem Elend?

abends ins Bett gehen

Geht ihr zeitig ins Bett oder bleibt ihr bis tief in die Nacht wach, weil es doch so viel zu erledigen gibt (oder       ihr den Tag vielleicht nicht beenden mögt?)

Abschlussprüfungen durchziehen

Regelstudienzeit oder Langzeitstudent?

einen Job kündigen/ umziehen/ Menschen hinter sich lassen

Mehr schlecht als recht oder ein Neuanfang mit Ungewissheit?

Die Liste könnte man ewig weiterführen, denn Übergänge lauern überall. Ich persönlich spüre Übergänge immer dann sehr deutlich, wenn sie meine berufliche Ebene betreffen. Einige Male bereits habe ich sehr bewusst meine Stelle gewechselt, um mich von Zuständen zu lösen, mit denen ich nicht zufrieden war oder einfach, um mich weiterentwickeln zu können. Diese Phasen haben mich jedes Mal sehr viel Energie und Kraft gekostet, weil sie mich aus etwas Gewohntem herausgerissen und in etwas Neues hineinkatapultiert haben- doch gelohnt hat es sich bislang immer.

Wenn ihr also merkt, dass ein Übergang schwierig für euch ist und ihr ihn auch als solchen entlarvt habt, dann stellt euch doch einfach mal folgende Frage:

Was brauche ich?

Der Eine muss vielleicht nur einmal tief durchatmen, um weitermachen zu können, der Andere braucht Hilfe von Außen, weil er es alleine nicht schafft. Mit ein bisschen Übung lernt ihr sicherlich, eure Bedürfnisse diesbezüglich zu erkennen. Vielleicht fangt ihr einfach mal mit dem Montagmorgen an: Was braucht ihr, um die Woche beginnen zu können?

Was ich brauche, um gut in die Woche zu starten? Nur eine Dusche und ein bisschen Zeit im Badezimmer- aber ich gehöre auch eher zu der Sorte Menschen, die aufstehen und meist sofort gute Laune haben- egal an welchem Wochentag…

In diesem Sinne: Schönen Feiertag 😉

Bis bald,

                Yvonne

Ars vivendi- August 2017

Ars vivendi

oder: Wutzwerge

Yvonne Wolf 31/08/2017

Wisst ihr, worum ich kleine Kinder manchmal wirklich beneide? Es gibt da sicherlich viele Gründe, aber in letzter Zeit ist mir eine Sache besonders ins Auge gefallen- vielleicht weil es im Moment so sehr bei mir selbst Thema ist. Wahrscheinlich, denn so geht es ja oft im Leben 😉 Es sind ihre ungefilterten Gefühlsausbrüche, die einen zwar zugegebenermaßen manchmal kalt erwischen und sicherlich oft auch alles andere als leicht zu handeln sind, die aber durchaus nicht eine Sekunde daran zweifeln lassen, dass die aktuelle Zufriedenheit akut ins Wanken gerät und den grünen Bereich verlässt. Es gibt natürlich auch Ausbrüche positiver Art, aber ich spreche eher von denen, die ich im orange-roten bis dunkelroten Bereich ansiedeln würde 😉

Ja, und nun die Frage: Warum bin ich neidisch darauf? Ganz einfach deswegen, weil ich manchmal denke, dass mir ein klitzekleines bisschen mehr Extrovertiertheit diesbezüglich vielleicht nicht schaden würde 😉 Wut ist bei sehr vielen Menschen ein großes Thema, das weiß ich durch Gespräche mit Freunden, Bekannten, Patienten. Sie ist ein Teil von jedem von uns, und doch lernen nahezu alle Menschen bereits in früher Kindheit, dass Wut etwas ist, das es zu unterdrücken oder zumindest kleinzuhalten gilt. Wutausbrüche sind gesellschaftlich nicht besonders angesehen und werden sogar hier und da mit einer Charakterschwäche gleichgesetzt. Kein Wunder also, dass viele Eltern denken, im Sinne der sozialen Akzeptanz muss man Kindern Gefühlsausbrüche ebendieser Art dringend abgewöhnen. Schade nur, dass die Wenigsten daran denken, Alternativen anzubieten. Denn es ist eine Sache, keinen groß angelegten Wutanfall zu bekommen- aber wenn ich wütend bin, dann bin ich nunmal wütend- und was soll ich denn bitte stattdessen machen? Wohin mit meiner Wut?

Ich selbst bin wohl im Laufe der Zeit zu einer Mischung aus dem „Ich brodle lange vor mich hin und irgendwann ist es genug“ und dem „Ich bin leise wütend-Typ“ geworden. Beides sind Strategien, mit denen ich nicht ganz glücklich bin; denn am allerliebsten würde ich gerne all mein mittlerweile angesammeltes Wissen über gewaltfreie Kommunikation in solchen Situationen anwenden… aber realistisch betrachtet liegt da wohl noch ein langer Weg vor mir. Eigene Muster trotz besseren Wissens zu durchbrechen ist eine hohe Kunst. Und die Wut und ich, ja, wir beide haben noch keinen entgültigen Kompromiss geschlossen. Zumindest weiß ich mittlerweile recht genau, was meine speziellen Auslöser sind und wie ich sie zu bewerten habe. In sehr reflektierten und emotional nicht aufgeladenen Momenten (haha, eine seltene Kombination, wenn es um Wut geht…) bin ich hier und da mal in der Lage, meine Gefühle sachlich und unaufgeregt nach außen zu tragen, aber meistens wähle ich wohl die Vogel-Strauß-Taktik und bespreche mich im Nachhinein mit unbeteiligten Freunden, um Dampf abzulassen.

Gesundheitlich zu empfehlen ist übrigens keines der beiden Extreme. Die Einen kriegen Magengeschwüre, die Anderen Bluthochdruck 😉 Wie so oft, ist demnach auch hier mal wieder der goldene Mittelweg anzustreben. Da sind wir also wieder- auf der ewigen Suche nach mehr Ausgeglichenheit 🙂 Und in der Zwischenzeit feiere ich noch den ein oder anderen Wutanfall meiner Tochter. Sie werden kommen, und ich werde gewappnet sein 😀

In diesem Sinne: Raus damit!

Bis bald,

            Yvonne

P.s.: Wer konnte die Überschrift gleich richtig lesen? 😀