Rezension: „Das zweite Leben des Herrn Roos“ von Hakan Nesser (gelesen von Dietmar Bär)

Vor einigen Wochen gab es bei einer großen Supermarktkette Hörbücher im Angebot. Als ich in eben diesem Laden mit meinem alltäglichen Einkauf beschäftigt war, fiel mir das Hörbuch mit dem Titel „Das zweite Leben des Herrn Roos“ ins Auge und ich musste lachen. „Roos“ ist nämlich mein Mädchenname und so hatte ich einen perfekten Grund, dieses Hörbuch einfach mal einzupacken- ohne zu wissen, dass mich eine wirklich gute Geschichte erwartet 🙂

Im Leben des 59-jährigen Ante Valdemar Roos` herrscht gähnende Langeweile. Seine Ehe, sein Job- alles dümpelt grau in grau vor sich hin. Als er eines Tages unverhofft in der Lotterie gewinnt, nutzt er seine Chance und schafft sich eine Insel, um Ruhe und Zeit für sich zu haben. Hinter dem Rücken seiner Ehefrau, die nichts von dem Gewinn ahnt, kündigt er seinen Job und kauft sich ein kleines, abgelegenes Häuschen, in das er sich bald tagtäglich zurückzieht. Etwa zur gleichen Zeit entflieht die junge Anna aus einem Heim für Drogenabhängige, da sie sich hier unwohl und missverstanden fühlt. Als sie das Haus im Wald entdeckt, will sie sich dort eigentlich nur kurz und unbemerkt erholen- nach einiger Zeit entwickelt sich jedoch zwischen Ante Valdemar Roos und Anna eine Art Freundschaft. Doch plötzlich sind Valdemar und Anna wie vom Erdboden verschluckt und Inspektor Barbarotti hat einen Mordfall zu klären… was ist geschehen?

Ich muss sagen, dass mich diese Geschichte wirklich sehr begeistert hat. Wer hier allerdings einen klassischen Krimi oder Thriller erwartet, der ist auf dem Holzweg 😉 Gut die Hälfte des (Hör-) Buchs beschäftigt sich zunächst mit dem Leben Ante Valdemar Roos` und lässt uns in seinen schnöden Alltag eintauchen und seinen Charakter verstehen lernen. Auch Anna und schließlich die Freundschaft der beiden nimmt einen wichtigen und großen Teil ein. Erst, wenn man sich so richtig an die beiden gewöhnt hat und ihr zugegebenermaßen merkwürdiges, aber irgendwie auch verständliches Arrangement immer sympathischer wird, geschieht etwas schreckliches. Was genau, erfahren wir zunächst auch nicht- denn nun kommt Inspektor Barbarotti ins Spiel, der sich gemeinsam mit seiner Kollegin auf die Spurensuche macht. Die Floskel „Es ist nicht so wie es aussieht“ ist für dieses Buch mehr als passend- denn während des Hörens habe ich während Barbarottis Ermittlungen so oft gehofft, dass die Polizeibeamten doch bitte noch eine andere Lösung als die zunächst offensichtlich erscheinende ins Auge fassen mögen! Unweigerlich fiebert man mit und ist gespannt, wie sich die Geschichte am Ende entwickeln wird- ich für meinen Teil musste im Anschluss an das Hörbuch erst mal über all die Verläufe nachdenken. Wer sich also mal einen Krimi zu Gemüte führen möchte, der viel Wert auf Charaktere legt und nicht unbedingt nach dem gewohnten Schema aufgebaut ist, der darf hier zugreifen! Auch als Hörbuch kann ich Nessers Werk nur weiterempfehlen, da Dietmar Bär hier wirklich gute Arbeit geleistet hat und die Atmosphäre der Geschichte mit seiner Stimme ausgezeichnet unterstützt. Das wird sicherlich nicht das letzte Buch von Hakan Nesser sein, das ich in den Händen hatte 😉

Bewertung: 4-5 Eulen

Auf einen Blick:

„Das zweite Leben des Herrn Roos“ von Hakan Nesser (gelesen von Dietmar Bär)

Verlag: Random House Audio

Gesamtspielzeit: ca. 420 Minuten auf 6 CDs (gekürzte Lesung)

ISBN-10: 3442742439

ISBN-13: 978-3442742431

Preis: 12,99 € (Audio) / 9,99 € (Taschenbuch) / 8,99 € (Kindle)

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Wine & Crime

Mit Erschrecken habe ich festgestellt, dass ich letzten Donnerstag einen Termin verpasst habe: In der Buchhandlung Langen in Langenfeld gab es wieder einmal einen Abend zum Thema „Wine & Crime“, bei dem nicht nur Krimis und Thriller, sonder auch leckere Weine vorgestellt wurden. Ich selbst war zwar nicht dabei (obwohl ich auch noch Zeit gehabt hätte…ÄRGERLICH 😉 ), möchte euch jedoch zumindest die Titel weiterleiten, die an dem Abend vorgestellt wurden!

01) „Fenster zum Tod“ von Linwood Barclay (14,99 €)

> Auf einem virtuellen Rundgang durch Manhattan wird Thomas Zeuge eines Mordes- doch niemand glaubt ihm, da er unter Schizophrenie leidet. Hitchcocks Klassiker in modern!

02) „Knochensplitter“ von Stuart MacBride (9,99 €)

> Die Publikumslieblinge einer Castingshow werden entführt. Der 7. Teil einer Reihe rund um Logan McRae.

03) „Agatha Raisin und der tote Richter“ von M.C Beaton (8,99 €)

> Diese Krimi-Reihe um Agatha Raisin gibt es wohl in England schon sehr lange- lediglich die deutsche Übersetzung lies auf sich warten. Ich finde, es klingt ein bisschen nach Miss Marple 🙂 Könnte mir gefallen!

04) „Zero“ von Marc Elsberg (19,99 €)

> Dieser Thriller rund um das Thema Datensicherheit liegt sogar schon bei mir zu Hause und wartet darauf, gelesen zu werden. Aktuell lese ich „Blackout“ von Marc Elsberg und bin ganz begeistert- wenn „Zero“ also ähnlich spannend wird, kann ich es nur empfehlen!

05) „Ave Vinum“ von Carsten Sebastian Henn (12,90 €)

> Ein Krimi rund um den Hobbyermittler Eichendorff, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kommt.

06) „Denn die Gier wird euch verderben“ von Asa Larsson (9,99 €)

> Ein schwedischer Krimi!

07) „Krähenmädchen“ von Erik Axl Sund (12,99 €)

> Band 1 einer Trilogie

08) „Die Unbekannte“ von Peter Swanson (14,99 €)

> Eine Liebelei mit tödlichen Folgen

09) „Siebenschön“ von Judith Winter (9,95 €)

> Der erste Fall für das Frankfurter Ermittlerduo Emilia Capelli und Mai Zhou

Vielleicht ist ja was für euch dabei! Lasst es mich wissen 🙂

Rezension: „Der Herodes Killer“ von Mark Roberts

Die letzten Seiten sind gelesen- hier nun also die versprochene Rezension!

Inspector David Rosen steckt mitten in den Ermittlungsarbeiten zu einer grauenvollen Mordserie. Bereits 4 Schwangere wurden entführt und ermordet. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, wurden den Frauen auch noch die Föten aus dem Leib herausgeschnitten. Dann verschwindet die fünfte Frau und der Druck auf Seiten der Polizei wächst. Die Beamten tappen völlig im Dunkeln, bis sich plötzlich ein Geistlicher einschaltet, der Inspector Rosen auf die richtige Fährte lenkt. Doch was hat es mit Father Flint auf sich? Der zunächst noch harmlos wirkende Geistliche entpuppt sich ziemlich schnell als Diener der dunklen Seite und hat alles andere als eine reine Weste. Glaubt man ihm, so ist die sich aktuell ereignende Mordserie ein Abbild aus dem Mittelalter, ausgeführt von einem Satanisten. Bislang sind die Parallelen bezeichnend, so dass sich im Kollegium eine erschreckende Erkenntnis ausbreitet: Es wird noch eine 6. Schwangere verschwinden…

Im Großen und Ganzen muss ich leider sagen, dass ich mehr von diesem Thriller erwartet habe, auch wenn er sich durchaus flüssig lesen lässt. Als ich den Klappentext gelesen habe, war ich sofort von der Grundidee des Buches begeistert. Ich mag Bücher, in denen es um Religion, Rituale, Kirche und Okkultismus geht sehr. Und grade deswegen bin ich enttäuscht, dass aus dieser so guten Idee nicht mehr gemacht wurde. Die Charaktere bleiben bis zum Schluss sehr flach, d.h. man baut zu keiner Figur eine richtige Verbindung auf. Auf der letzten Seite hatte ich z.B. immer noch kein genaues Bild von Inspector Rosen im Kopf. Auch die anderen Kollegen, die auftauchenden Geistlichen oder weiteren Personen bleiben durchweg oberflächliche und teils hölzerne Gestalten, die eher als Statisten dienen, um der doch recht schnell voranschreitenden Handlung den notwendigen Rahmen zu verschaffen. Schwierig finde ich auch, dass einem niemand so wirklich sympathisch ist. Rosens Vorgesetzter ist beispielsweise immer von einer sehr negativen Aura umgeben und hegt anscheinend irgendeinen Groll gegen den Inspector. Was da aber genau los ist erfährt man als Leser überhaupt nicht. Sämtliche Fragen, die sich im Zusammenhang mit den Ritualmorden ergeben, werden ebenfalls, wenn überhaupt, nur kurz angerissen. Spannend wird es dann auch erst auf den letzten Seiten, auch wenn man den Ausgang der Geschichte eigentlich schon mehr als nur erahnen kann.

Mein Fazit: Eine sehr gute Idee, die für meinen Geschmack leider nur mittelprächtig umgesetzt wurde. Ich bin mir sicher, der Autor hatte ein hervorragendes Konzept im Kopf; um dem Thriller mehr Tiefe und Spannung zu verschaffen, hätten diese Gedanken jedoch dem Leser zugänglich gemacht werden müssen. 383 Seiten reichen folglich nicht aus, um einem solchen Thema gerecht werden zu können.

Auf einen Blick:

Mark Roberts- Der Herodes Killer

Erscheinungsdatum: 01. August 2013

Verlag: rororo

ISBN-10: 3499259729

ISBN-13: 978-3499259722

Preis: 9,99 € (Taschenbuch und Kindle-Version)

Rezension: „Der Ursprung des Bösen“ von Jean-Christophe Grangé

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Ich bin grade beim Durchsehen meines Bücherregals auf ein Buch gestoßen, welches ich mir letztes Jahr zum Geburtstag gewünscht hatte. Nachdem im Radio nämlich eine Rezension darüber lief, stand dieser Thriller ganz oben auf meiner Liste, weil ich die Story einfach total spannend fand. Wem der Name des Autors nichts sagt: Grangé hat z.B. auch „Die purpurnen Flüsse“ geschrieben, was die Meisten von euch sicherlich eher in der Filmversion mit Jean Reno kennen.

 

In diesem Thriller lernen wir den Psychiater Mathias Freire kennen, der im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit mit einem fürchterlichen Verbrechen in Kontakt gerät. Der einzige Zeuge scheint sich an nichts erinnern zu können- weder an den Vorfall, noch an seine ursprüngliche Identität. Diese sogenannte dissoziative Amnesie führt dazu, dass der Patient sich in Stress- und/ oder Belastungssituationen in eine vollkommen neue Identität flüchtet, die die Alte völlig überdeckt. Als Freire sich intensiver mit diesem Fall befasst und er dann auch noch feststellen muss, dass er anscheinend beschattet wird und in irgendeiner Weise mit den grausamen Morden in Zusammenhang steht, wird ihm bewusst, dass er selbst anscheinend ebenfalls unter einer solchen Persönlichkeitsstörung leidet. Er flüchtet und macht sich auf die gefährliche Suche nach seiner wahren, ursprünglichen Identität…

Auf 860 Seiten erfährt man als Leser nach und nach, welche verschiedenen Identitäten Freire alle durchlaufen hat und gewinnt so Einblicke in dieses ganz besondere Störungsbild. Mir persönlich hat dieses Buch sehr gut gefallen, ich habe es regelrecht verschlungen. Allerdings glaube ich, dass man ein grundsätzliches Interesse an der Thematik mitbringen sollte, da man immer wieder mit medizinischem Fachwissen konfrontiert wird.

Wer also keine Angst vor dicken Büchern hat und sich gerne mal in der Welt der Psychatrie und Medizin aufhält, der erhält mit diesem Werk einen spannenden, interessanten und gedankenanregenden Thriller, der sich wirklich lohnt.

Auf einen Blick:

Jean-Christophe Grangé- Der Ursprung des Bösen (2012)

Verlag: Lübbe

Preis: 19,99 € (gebundene Ausgabe)

Dan Brown- Inferno

Gestern Nacht konnte ich es dann doch nicht noch einen Tag länger hinausschieben- die ersten Kapitel des neuen Dan Brown Thrillers „Inferno“ wollten einfach gelesen werden. Wie ich schon vermutet hatte, packt einen gleich nach der ersten Seite das Lesefieber und man taucht wieder einmal ab in die spannende Welt Robert Langdons. Vermutlich wird es nicht sehr lange dauern bis ich das Buch verschlungen habe- ihr dürft euch also auf eine baldige Rezension freuen!Inferno