Ars vivendi: Mai 2017

Ars vivendi

oder: Erntezeit

Yvonne Wolf 31/05/2017

Heute gibt es mal eine kleine Inspiration in Sachen DIY für euch, mit der ihr quasi mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen könnt: Ihr seid an der frischen Luft, ihr schafft etwas mit euren Händen, ihr schult eure Geduld und erhaltet zeitgleich eine kleine Lektion in Sachen Achtsamkeit. Um was es hier geht? Eigentlich um etwas ganz Banales, doch ich fühle mich seit Wochen, ach, was sag ich, Monaten, von diesem Thema regelrecht verfolgt und finde selber immer mehr Spaß daran: Wir reden vom Obst- und Gemüseanbau im eigenen Garten bzw. dem eigenen Balkon. Es gibt natürlich auch einen eigenen, neumodischen Begriff für diese Bewegung, damit das Ganze auch – zumindest in der Stadt- direkt um einiges wichtiger klingt, nämlich „urban gardening“ (das könnt ihr dann ab jetzt als Hobby in eure Freundebücher eintragen 😉 ).

Schon vor einigen Monaten ist mir bei meiner Schwägerin ein Buch in die Hände gefallen, in dem viele Tipps standen, wie man auch auf kleinem Raum, also in Kübeln oder Kästen, Obst oder Gemüse anpflanzen kann. Ich selbst hatte mir für dieses Jahr eh wieder vorgenommen, mal wieder einen Wurf Tomaten zu züchten, da ich bei meinem ersten Versuch schon so begeistert von dem Ergebnis war. Dass da aber noch viel mehr machbar ist, war mir bislang gar nicht wirklich klar und hat für neue Ideen in meinem Köpfchen gesorgt 😉 Und wie es nunmal oft so ist, wenn man sich mit einem neuen Thema beschäftigt- man stellt fest, es ist in aller Munde und jeder ist auf der Suche nach etwas, was er selber ausprobieren kann. Der Eine hat Kohlrabis auf dem Balkon, der Andere Erdbeeren, Himbeeren und Möhren im Garten. Für diejenigen unter euch, die vielleicht sehr ländlich und mit Nutzgärten aufgewachsen sind, ist das alles wahrscheinlich gar nicht spannend und neu, doch die Stadtkinder unter euch werden wissen, was ich meine 😉

Wenn es so eine neue Bewegung, also einen Trend gibt, finde ich es oft unglaublich interessant mir zu überlegen, warum das so ist. Warum suchen immer mehr Menschen in unserer Zeit den Zugang zu etwas so Ursprünglichem und Einfachem, wo sie doch im Supermarkt alles zu jeder Zeit haben können? Vielleicht genau aus diesem Grund- weil uns etwas in unserem Inneren mitteilt, dass das Prinzip „alles und zu jeder Zeit“ irgendwie „nicht richtig“ und „gegen die Natur“ ist. Ich selbst weiß immer noch nicht ganz sicher, wann im Jahr welche Obst- und Gemüsesorten Saison haben- und ich bin der Meinung, man lernt wieder eine neue Art der Wertschätzung kennen, wenn man live miterlebt, wie lange es dauert, bis etwas tatsächlich geerntet werden kann. Man kommt außerdem in Kontakt mit einer sehr gesunden Langsamkeit, die etwas Wohltuendes, vielleicht sogar Meditatives innehat und uns aus dieser so schnellen und mit Medien zugepflasterten Zeit für ein paar Momente am Tag herausholt und uns im wahrsten Sinne des Wortes erdet und achtsamer werden lässt.

Vielleicht habt ihr auch Lust auf ein bisschen Gärtnern bekommen?! Es ist bestimmt für jeden Geschmack etwas dabei und außerdem macht es glücklich 🙂 Ich für meinen Teil bin jedenfalls immer noch ganz aus dem Häuschen, weil unser Apfelbaum nach 4 Jahren endlich so aussieht, als würde er in diesem Jahr Unmengen an Äpfeln für uns bereithalten.

Meiner Schwägerin hatten wir übrigens zum Geburtstag eine kleine Grundausstattung für ihren Balkon geschenkt- und witzigerweise (und zwar NACHDEM ich das Thema für die Kolumne festgelegt hatte) erreichte mich eben eine WhatsApp meines Bruders: Ein Foto vom heutigen Abendbrot- Salat und Radieschen aus eigenem Anbau 🙂 Ist das nicht schön? Und bestimmt sehr lecker…

In diesem Sinne: Mal ernten, was man sät… ohne Nebenwirkungen

Bis bald,

            Yvonne

Ars vivendi- April 2017

Ars vivendi

oder: Wie geht’s, wie steht’s?

Yvonne Wolf 30/04/2017

Vor einigen Wochen habe ich beim Einkaufen eine frühere Arbeitskollegin getroffen. Wie man das nunmal so macht, fragte ich sie: „Wie geht’s dir denn?“ Daraufhin meinte sie zunächst: „Ach ja, ganz gut soweit.“ Doch dann schien sie zu überlegen und fing nochmal von vorne an: „Ach, weißt du, eigentlich stimmt das gar nicht. Wenn man gefragt wird, dann sagt man doch meistens,es geht einem gut. Aber in unserem Freundeskreis gibt es im Moment schwere Krankheits- und auch Todesfälle. Es geht mir also nicht gut.“ Und seit dieser Begegnung fällt mir auf, wie häufig wir Menschen diese simple und unscheinbar wirkende Frage stellen, ohne dabei auch immer wirklich eine ehrliche Antwort zu erwarten oder zu wollen.

Eigentlich ist die Frage „Wie geht’s dir?“ in den meisten Fällen einfach nur eine Floskel, um in ein kurzes und unverbindliches Gespräch einzuleiten. Oft ist man grade unterwegs, ist mit den Gedanken schon beim nächsten Termin oder ganz woanders und spult quasi ein kurzes „Smalltalkprogramm“ ab. Die Antwort „gut“ gehört irgendwie auch in dieses Programm, denn sie ermöglicht einen schnellen Ausstieg aus der Situation und den Übergang zum eigentlichen Vorhaben. Bei mir selbst bemerke ich immer wieder, dass es natürlich auch darauf ankommt, wer mir diese Frage zu welchem Zeitpunkt stellt. Denn, um es mal ehrlich zu sagen: Ich finde, es geht manche Leute einfach nichts an, wie es mir geht- oder, um es nochmal gewaltfrei zu formulieren (ihr wisst ja, ich übe noch): Ich habe nicht immer das Bedürfnis, mich anderen Menschen anzuvertrauen und entscheide gerne selber, wann, bei wem und in welchem Maße ich das mache 😉 Eine kurze und knappe Antwort kann also bedeuten: „Es geht mir gut“ oder „ich habe nicht das Bedürfnis, darüber zu sprechen“.

Beim Nachgrübeln über dieses Thema, sind mir einige Treffen mit einer Freundin eingefallen. Wir sehen uns gar nicht häufig, führen aber bei unseren Treffen immer sehr schöne Gespräche, wie ich finde. Und im Verlaufe dieser Treffen kommt es eigentlich immer zu dem Punkt, an dem sie ganz bewusst fragt: „Wie geht es dir?“ Und dann nämlich, wenn man merkt, jemand fragt dies aus wirklichem und echtem Interesse, kann man dieses Thema auch einfach mal 2 Stunden gründlich erörtern.

In meinem Online-Kurs über gewaltfreie Kommunikation, von dem ich euch immer wieder berichte, wird die Frage „Wie geht es dir?“ übrigens immer wieder als eine mögliche Intervention vorgeschlagen. Im Streit, wenn die Gemüter überhitzt sind, man sich Vorwürfe an den Kopf schmeißt und in einer emotionalen Schleife gefangen ist, soll diese kleine Frage z.B. dafür sorgen, die Situation aufzubrechen, um dem wahren Grund, der Ursache des Ganzen Dilemmas auf den Grund gehen zu können. Ich muss gestehen, ich habe es noch nicht ausprobiert, aber irgendwann wird sich sicherlich eine Möglichkeit ergeben.

Vielleicht hab ihr nun Lust, ein wenig auf den Umgang mit dieser alltäglichen Frage zu achten. Wie gesagt, ich selber möchte mich auch nicht jedem mitteilen, der mich im Vorübergehen mit dieser Frage anspricht, aber es kann ja durchaus sein, dass auch gute Freunde dazu neigen Standardantworten zu geben, obwohl sie eigentlich ein Bedürfnis nach einem Gespräch hätten. Hier ist dann ein wenig Feingefühl gefragt und es gilt nachzutasten, ob dem denn auch wirklich so ist… aber ihr macht das schon 😉

In diesem Sinne: Schönes Wetter heute, ne?

Bis bald,

             Yvonne

Ars vivendi- März 2017

Ars vivendi

oder: Routiniert

Yvonne Wolf 31/03/2017

Wisst ihr, was mir, der absoluten Verfechterin des Mittagsschlafs (damit es klar ist- es geht um MEINEN Mittagsschlaf, nicht um den meiner Tochter 😉 ), seit einigen Wochen regelmäßig widerfährt? Ich lege mich mit meinem Buch hin, lese ein paar Seiten und warte darauf, dass ich nahtlos vom Inhalt meines Buches in Morpheus‘ Arme getragen werde… und warte… und warte. Irgendwann dann werde ich etwas unleidlich, weil ich mir denke: HAAAALLLLLOOO?! Was ist denn bitte hier los? Ich habe das Programm Mittagsschlaf gestartet, und irgendwo auf dem Weg scheint ein Fehler aufgetreten zu sein. Aber es hilft nichts. Es ist, als hätte mein Körper beschlossen: Nö- jetzt wird nicht geschlafen. Denk dir gefälligst was anderes aus. Was muss also her? Richtig- eine neue Routine.

Vielleicht hat es ja etwas mit dem beginnenden Frühling zu tun. Erst heute habe ich eine Zeitschrift im Briefkasten gehabt, in der stand, dass man im Frühling den Drang nach mehr Bewegung und/ oder Aktivität verspürt. Möglicherweise fordert mein Körper also einfach saisonal bedingt mehr Zeit in der Vertikalen ein. So soll es also sein. Nun wollte ich die so entstehende Zeit aber nicht nur einfach mit täglicher Hausarbeit oder ähnlich (freudlosen) Aktivitäten verstreichen lassen, sondern mit etwas füllen, was mir das Gefühl gibt, etwas für mich getan zu haben. Ein kurzer Blick auf meine To-do-Liste (!) hat gereicht, und schon war klar, was sich anbietet. Mein Online-Kurs über Gewaltfreie Kommunikation, den ich seit letztem Jahr mache, ist nämlich über die Wintermonate etwas ins Hintertreffen geraten (zuviel Mittagsschlaf 😉 ). Es warten also einige Mails auf mich, die bearbeitet werden möchten.

Sobald ich also mein Töchterlein in den mittäglichen Schlaf geschunkelt habe (ein bisschen neidisch bin ich ja doch 😉 ), erledige ich schnell ein paar Dinge im Haushalt, mache mir dann einen Tee und setze mich samt diesem und meinem Computer an unsere bislang eher zur Ablage degradierten Küchentheke und arbeite dort ein bisschen. Jeden Tag bearbeite ich eine Mail, mache mir dabei Notizen und Gedanken, trinke Tee und freue mich über das neue Wissen in meinem Kopf.

Seit einigen Tagen arbeite ich außerdem an der Veränderung meiner Morgenroutine, denn ich kann wirklich nicht leugnen, dass der vermehrte Lichteinfluss mich tatsächlich aktiver werden lässt, und ich in diesem Zuge sogar bereit bin, meinen nächtlichen Schlaf bewusst früher zu beenden, um mich in der entstehenden Zeit mit etwas Schönem zu beschäftigen. Aktuell halte ich das morgendliche Klingeln des Weckers zwar noch für einen schlechten Scherz- aber ich arbeite mich jeden Tag ein bisschen weiter vor. Und es ist ja nicht so, als würde ich es nicht schon kennen und daher ganz genau wissen: Wird schon werden 😉

Was also sind eure liebgewonnenen und hilfreichen Routinen im Alltag, und was bedeuten sie euch?

Was auch immer es ist, Abläufe im Alltag sollten hin und wieder einfach mal hinterfragt und neu organisiert werden. Nur weil wir etwas über lange Zeit nach Schema F gemacht haben, heißt es nicht, dass es aktuell auch unseren Bedürfnissen entspricht. Unsere Bedürfnisse sind in Bewegung und ändern sich, also dürfen oder sollten sich auch unsere Routinen immer mal wieder ändern und von uns angepasst werden. Denn an sich gesehen sind Routinen, zumindest für mich, etwas sehr Schönes, da sie etwas Beruhigendes, Strukturschaffendes und Haltgebendes innehaben.

In diesem Sinne: Gute Nacht 🙂

Bis bald,

              Yvonne

Ars vivendi- Februar 2017

Ars vivendi

oder: Aufgelistet

Yvonne Wolf 28/02/2017

Kennt ihr das auch? Hier eine Idee, da ein Gedanke, ach ja…das wollte ich auch noch machen – so viele Dinge, die man gerne erledigen möchte, an die man auch immer wieder denkt, aber sie trotzdem nicht anfasst. In den vergangenen Wochen hatte ich oft das Gefühl, das mein Kopf voller Sachen ist, die ich gerne machen möchte oder teils vielleicht auch machen sollte (da isser wieder… mein Freund, der Konjunktiv 😉 ), es aber irgendwie nicht hinbekommen habe. Und ich rede hier nicht nur von überlebenswichtigen oder dringend notwendigen Aufgaben, sondern auch ganz einfach von Tätigkeiten, mit denen ich mich in meiner Freizeit gern beschäftige. Denn wenn ich seit Wochen beispielsweise vorhabe etwas zu nähen, zu lesen oder sonstwas zu machen, aber immer wieder feststelle: Wieder nicht gemacht- dann ärgert mich das irgendwann und ich werde latent unleidlich, da einfach zu viele unerledigte Dinge herumschwirren. Glücklicherweise meldete sich recht bald ein gar nicht so kleiner Persönlichkeitsanteil (der zwar aktuell nicht ganz so ausgeprägt, aber immer noch da ist), nennen wir ihn liebevoll Mrs. Monk, zu Wort, der mir vollkommen empört mitteilte: Also so kann das ja auch nix werden, meine Liebe. Wir müssen hier erstmal Ordnung schaffen- was du brauchst ist: eine Liste 😉

Natürlich. Hätte ich auch früher drauf kommen können- denn immerhin war ich mal oder bin immer noch die Königin der Listenschreiber, da Listenschreiben mich irgendwie beruhigt. Während meiner Unizeit hatte ich immer ein kleines Notizbüchlein dabei, in welches ich einfach alles reingeschrieben habe, was mir in den Sinn kam oder was es zu erledigen galt. Denn das Wichtige am Listenschreiben ist meiner Meinung nach: man muss es mit der Hand machen. Eine Liste, die auf dem Handy oder PC erstellt wurde, hat in meiner Welt absolut nicht die gleiche Wertigkeit wie eine handgeschriebene Liste. Ich brauche das Gefühl, dass ich den Gedanken quasi aus meinem Kopf auf ein Stück Papier bringe und ihn schwarz auf weiß vor mir sehen kann. Sogar mein Mann, der Verfechter der multimedialen Welt schlechthin, schreibt schon seit langer Zeit handschriftliche Listen, um seinen Arbeitsalltag zu organisieren (seine Listen haben übrigens den Vorteil, dass sie quasi codiert sind, da sie außer ihm kein anderer lesen kann 😉 ). Und wenn man sich umhört, dann finden sich plötzlich viele Menschen um einen herum, die es ganz selbstverständlich finden, dass man auflistet, was in den Urlaubskoffer kommt, wem man welche Dinge ausgeliehen hat (eine gefürchtete Liste in meinem Umfeld) oder welche Bücher man im letzten Jahr gelesen hat.

Neben ein bisschen Struktur und Ordnung fungieren Listen übrigens auch wie eine Art Denkarium (alle Harry Potter-Fans wissen Bescheid, das Muggelvolk befragt an dieser Stelle bitte Google 😉 ) – wenn der Kopf voll mit Kram ist, dann wirkt es absolut befreiend, wenn man etwas aufschreibt- dann darf es nämlich aus dem Kopf, ist aber trotzdem nicht weg, weil man ja jederzeit auf seine Notizen zurückgreifen kann.

Es ist selbstverständlich notwendig, auf seine Liste etwas Acht zu geben- denn die beste Liste nützt rein gar nichts, wenn sie nicht greifbar ist. Dabei finde ich es wichtig, das sie allerdings auch nicht im Weg liegt und stört; ich hab mir z.B. ein einfaches und kleines Ringnotizbuch gekauft, wo ich dann auch bei Bedarf einfach mal Seiten rausreißen kann. Dieses Büchlein liegt immer im Wohnzimmer oder in meiner Handtasche- denn unterwegs wollen ja manchmal auch Listen geschrieben werden 😉

Wie steht ihr zum Listenschreiben? Schreibt ihr welche? Und wenn ja, wofür und in welcher Form? Oder seid ihr eher diejenigen, die uns Listenschreiber nur müde belächeln?

Ich finde, wenn in mir drin und/ oder um mich herum das Chaos herrscht, dann kann eine Liste der erste kleine Schritt sein, der meinen Blick wieder gerade rückt und mich vielleicht motiviert, etwas in Angriff zu nehmen. Wie schon eingangs gesagt- das muss nichts Großes sein. „Nur noch kurz die Welt retten“ ist selten ein Punkt auf meinen Listen; aber dafür viele kleine Dinge, die dafür Sorgen können, das mein ganz persönliches Seelenheil wieder etwas mehr ins Lot kommt!

In diesem Sinne:

An die Listen – fertig – los!!!

Bis bald,

             Yvonne

Ars vivendi- November 2016

Ars vivendi

oder: Freudentanz

Yvonne Wolf 30/11/2016

Wisst ihr, was mir in den letzten Monaten immer wieder aufgefallen ist, wenn ich meine kleine Tochter beobachtet habe? Wenn sie sich freut, dann aber richtig. Die kleinsten Kleinigkeiten sorgen tagtäglich dafür, dass sie vollkommen aus dem Häuschen ist, laut loslacht, sich bewegt und durch die Gegend tanzt. In diesen Momenten kann man gar nicht anders, als mindestens mitzulachen. Ein Foto von einem solchen Augenblick könnte ich mir gut im Lexikon neben dem Wort „Freude“ vorstellen. So funktioniert es also, dieses „sich freuen“. Warum sieht es dann mit zunehmenden Alter oft irgendwie anders aus, wenn man sich freut? Natürlich ist für Kinder alles neu und aufregend, muss entdeckt und ausprobiert werden; aber das kann nicht die ganze Erklärung sein. Irgendwas scheint da schiefzulaufen auf dem langen Weg ins Erwachsenenalter…

Wenn ihr euch wirklich über etwas freut- wie sieht das aus? Seid ihr laut dabei, lasst die anderen Menschen teilhaben und steckt sie an? Oder erledigt ihr das Ganze lieber heimlich, still und leise in eurem Inneren und schickt maximal ein kleines Lächeln, vielleicht auch mal einen dezent freudigen Ausruf nach außen? Wenn ich mich so umschaue, würde ich fast behaupten, die Tendenz geht eher in Richtung der zweiten Variante. Das trifft selbstverständlich auch oft auf mich zu; es sei denn, ich befinde mich auf gesichertem Terrain. Dann bin ich durchaus ausgelassen; es kommt möglicherweise sogar vor, dass ich hüpfe oder juchze 😉 Unfassbar, oder?

Mit der Freude ist es nämlich so eine Sache. Genau wie bei den anderen starken Gefühlen, die es gibt (z.B. Wut, Trauer), gestatten wir (unseren) Kindern meist eine bestimmte Phase im Leben, in denen sie diese gemäß ihren Bedürfnissen frei nach außen leben dürfen und sich authentisch zeigen können. Doch dann kommt der Zeitpunkt, wo sich für viele der Wind dreht und man, vielleicht auch unbewusst, damit anfängt, sein Kind ein bisschen zurechtzustutzen. Das muss um Gottes Willen nicht für alle gelten und es gibt natürlich noch andere Faktoren, die damit zu tun haben, aber es scheint mir ein wichtiger Punkt zu sein. Man zeigt Gefühle nicht in der Öffentlichkeit; wenn man weint, ist man ein Baby, übertreibt oder stellt sich an; Lachen ist in Ordnung- aber bitte nicht zu laut. Authentisch und echt sein scheint also nicht zwingend oben auf der Liste zu stehen. Und so kommt es dann, dass wir manchmal ein bisschen zu angepasst durchs Leben spazieren und uns mit unseren Emotionen zurücknehmen, obwohl es so gut täte, sie herauszulassen. Gelernt ist eben gelernt.

Vor einiger Zeit habe ich irgendeine Sendung gesehen, in der Menschen überrascht wurden. Und wisst ihr, was passiert, wenn man dabei zusieht, wenn andere Menschen vor Freude ausrasten und sich öffnen? Man wird angesteckt. Ich saß jedenfalls breit grinsend auf meinem Sofa und habe mich einfach mitgefreut.

Vielleicht achtet ihr mal auf solche Momente, die ein wenig mehr nach außen getragene, echte und ungebremste Freude gebrauchen könnten. Und wer nicht weiß, wie sowas aussieht, der möge sich einfach eine Zeit lang kleine Kinder anschauen. Sie sind mitunter gute Lehrmeister 😉

Ich verabschiede mich an dieser Stelle mit einem japanischen Sprichwort und appelliere an das innere Kind in euch, welches sicherlich schon ganz aufgeregt darauf wartet, endlich wieder laut loslachen zu dürfen 😉

In diesem Sinne: Eine Freude vertreibt hundert Sorgen!

Bis bald,

           Yvonne

Ars vivendi: Oktober 2016

Ars vivendi

oder: Fremdschenken

Yvonne Wolf 31/10/2016

In wenigen Wochen steht Weihnachten vor der Tür- ich dachte mir, ich erwähne es einfach mal, damit es einen nicht wieder so überrumpelt 😉 Nicht wenige von euch werden sicherlich schon jetzt damit beschäftigt sein Geschenke über Geschenke zu besorgen, Ideen zu sammeln oder gar über der eigenen Wunschliste brüten. Vielleicht gibt es aber auch den Ein oder Anderen, der schon beim bloßen Gedanken an den bevorstehenden Geschenkemarathon Kopfschmerzen bekommt.

Kopfschmerzen habe ich aktuell zwar noch nicht, ich weiß aber schon jetzt, dass ich den Satz „Aber bitte nur 1-2 Geschenke“ auch in diesem Jahr wieder relativ häufig aus meinem Munde hören, bzw. ihn in Emails, SMS, Whatsapp-Nachrichten und weiß der liebe Gott noch wo sonst einflechten werde. In meinem Freundeskreis habe ich Weihnachtsgeschenke ja schon lange abgeschafft, aber da nun die nächste Generation in den Startlöchern steht, steht natürlich auch wieder geschenketechnisch mehr auf der Einkaufsliste.

Geschenke sind ja auch etwas Tolles und gerade an Weihnachten gehören sie selbstverständlich dazu- was mich nur stört ist die Tatsache, dass es oft übertrieben wird und es viel zu viele Geschenke gibt, die unnötigerweise nicht selten auch viel zu viel Geld kosten.

Ein bisschen Erdung muss also her, damit der Blick wieder zurechtgerückt wird und wir wieder etwas mehr mit dem Sinn des Schenkens in Verbindung kommen- findet ihr nicht auch? Laut Wikipedia handelt es sich bei einem Geschenk übrigens um die freiwillige Übertragung des Eigentums […] , ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Soso, keine Gegenleistung also- heißt im Klartext: Geben, ohne zu nehmen. Selbstlosigkeit für Einsteiger quasi 😉

Nutzt die nahende Adventszeit Zeit also doch einfach mal, um wildfremden kleinen und großen Menschen ein Leuchten ins Gesicht zu zaubern, so ganz ohne Erwartung. Wenn ihr Augen und Ohren offen haltet, werdet ihr in eurem Umfeld sicherlich auf schöne Aktionen stoßen, die euch genau diese Möglichkeit geben. Im besten Fall stellt sich dann ein warmes und zufriedenes Gefühl in eurer Bauchgegend ein, welches euch zeigt, dass auch hier mal wieder weniger mehr ist und man mit kleinen Dingen Großes bewirken kann…

In diesem Sinne: Fremdschenken ist angesagt 🙂

Bis bald,

            Yvonne

Ars vivendi: September 2016

Ars vivendi

oder: Die Sprachen der Liebe

Yvonne Wolf 30/09/2016

Ist das nicht ein schöner Titel? Könnte ich mir auch gut als Buchtitel mit passendem, pastellfarbenen Cover in der Abteilung „Couchliteratur“ vorstellen 😀 Aber, wie ihr euch denken könnt, steckt natürlich etwas anderes dahinter. Ich kann euch sagen- diese wöchentlichen Emails, von denen ich euch ja nun schon seit einiger Zeit berichte, halten mein Oberstübchen ganz schön auf Trab und sorgen für ständig neuen Input. An neuen Themen für Ars vivendi sollte es also bis auf Weiteres nicht mangeln 😉

Die Sprachen der Liebe. Jeder von euch spricht sicherlich mindestens eine davon- denn auf irgendeine Art und Weise zeigen wir anderen Menschen, dass wir sie lieben. Welcher Weg das ist- tja, da fängt es schon an. Seid ihr euch bewusst, wie ihr eure Liebe zeigt? Bis vor Kurzem habe ich mir darüber auch noch gar nicht so viele Gedanken gemacht- doch es lohnt sich tatsächlich, dieses Thema einmal genauer zu beleuchten, denn viele Missverständnisse oder Unzufriedenheiten könnten aus dem Weg geschaffen werden oder gar nicht erst entstehen, wenn wir einen kleinen Blick auf die unterschiedlichen Kanäle werfen, wie wir Liebe ausdrücken können.

Gary Chapman, seines Zeichens Paar- und Beziehungsberater, spricht in seiner Arbeit von 5 Sprachen der Liebe- was bedeutet, dass es sozusagen fünf Strategien gibt, die das Bedürfnis nach Liebe erfüllen können. Welche das sind, liste ich euch einfach mal auf:

Lob und Anerkennung

Zweisamkeit, Zeit für den geliebten Menschen

Geschenke von Herzen

Hilfsbereitschaft und Unterstützung

körperliche Zärtlichkeit

Findet ihr euch irgendwo wieder? Mir ist schnell klar geworden, dass die Strategien „Zweisamkeit“ und „Hilfsbereitschaft und Unterstützung“ zum Beispiel aktuell meine Liebsten sind. Natürlich kann es sein, dass man mehrere oder auch alle diese Strategien in seinem Liebesrepertoire versammelt- aber viele von uns haben wahrscheinlich so etwas wie eine Lieblingsstrategie.

Vielleicht ahnt ihr es schon, aber die Vielfalt der Strategien birgt selbstverständlich auch einige Stolpersteine, wenn man denn nicht in der Lage ist über den berühmten Tellerrand hinauszublicken. Denn wenn Partner z.B. nicht die selbe Sprache sprechen, und der jeweils andere im Gegenzug auch nicht in der Lage ist, die Sprache seines Gegenübers zu verstehen und durch eine Art Liebesübersetzer laufen zu lassen, dann sind Unzufriedenheit und Ärger quasi vorprogrammiert.

Gehen wir doch mal von einem Pärchen aus- die Strategie des Mannes ist „Hilfsbereitschaft und Unterstützung“, die der Frau „Geschenke von Herzen“. Sie überschüttet ihn also regelmäßig mit Geschenken, um ihre Liebe kundzutun, bekommt aber selbst nie eines und zweifelt nun an der Liebe ihres Partners. Diese Zweifel sind jedoch ganz unberechtigt, denn es ist einfach eine andere Sprache, die er spricht, um seiner Liebe Ausdruck zu verleihen. Vielleicht fährt er jeden Samstag ihr Auto durch die Waschanlage oder räumt die Spülaschine jeden Abend aus. Der größte Fehler, den man machen kann, ist zu erwarten, dass das, was man aussendet, auf genau die gleiche Art und Weise zurückkommt. Alle Strategien sind vollkommen gleichwertig.

Im Sinne der besseren Kommunikation untereinander lohnt es sich also, die anderen Strategien zumindest als solche zu erkennen und wertzuschätzen. Beobachtet euch und eure Lieben- wer weiß, wieviel Liebe euch geschenkt wird, ohne dass ihr es merkt 🙂

In diesem Sinne: Augen auf!

Bis bald,

            Yvonne