Ars vivendi – Juli 2018

Ars vivendi

oder: Versteckte Botschaft

Yvonne Wolf 31/07/2018

Manchmal hege ich ja die leise Befürchtung, dass mir irgendwann einmal die Themen für meine Texte ausgehen. Und immer wieder ist es so, als würde mir genau dann das Leben leise ins Ohr lachen und einen Vogel zeigen, als würde es mir sagen wollen: Als ob! Ich bitte dich…

Denn nicht selten passieren grade in diesen Phasen kleine oder große Dinge, die mir neue Themen oder Gedankenanstöße geben- eben das, was ich benötige, um etwas zu schreiben.

So also auch neulich wieder. Hierzu ein kleiner Exkurs: Vor einigen Wochen hat sich in meinem Kopf der dringende Wunsch nach einer Küchenmaschine manifestiert. Der Teil meines Freundeskreises, der das noch nicht mitbekommen hat, liest diesen Satz nun sicherlich nochmal, denn: Zu den Dingen auf meiner imaginären Liste, die ich mir nie und auf gar keinen Fall anschaffen möchte, weil sie absolut unnötig sind, stand unter anderem auch: eine Küchenmaschine. Frei nach Motto „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ habe ich den Punkt von dieser Liste auf die mit dem Titel „Muss ich unbedingt haben“ verschoben und mich sogleich auf die Suche begeben. Praktischerweise konnte ich recht schnell ein neuwertiges Gerät in den Kleinanzeigen ausfindig machen. Um herauszufinden, ob damit alles in Ordnung ist, schrieb ich den Verkäufer an und fragte nach dem Grund des Verkaufswunsches. Seine Frau, die diese Maschine unbedingt wollte, sei schwer erkrankt und könne sie nicht mehr nutzen war die Antwort. Ok, dachte ich mir, ein Schicksalsschlag also, der nichts mit der Maschine selbst zu tun hat. Gemeinsam mit meiner Tochter machte ich mich also auf den Weg, um die Maschine abzuholen. Gelagert war sie bei den Eltern der Erkrankten, die mir dann, als ich mir nochmal vor Ort alles anschauen wollte, ein wenig von der Erkrankung ihrer Tochter erzählten.

Vor einigen Jahren erhielt sie die Diagnose ALS. In relativ kurzer Zeit verschlechterte sich dann der Allgemeinzustand drastisch. Sprechen geht noch, bewegen nicht mehr. Eine Sonde wurde kürzlich gelegt. Wenn es in dem Tempo weitergeht, dann ist klar, wohin die Reise geht – ist es bei dieser Erkrankung leider sowieso, ich hatte selber schon Patienten mit dieser Diagnose. Zum Abschied konnte ich der Mutter also nur viel Kraft und eine starke Familie wünschen, damit sie all das bewältigen können.

Wieder zu Hause angekommen habe ich mich dann dem Aufbau meiner neuen besten Freundin gewidmet und alles aus dem Karton herausgeräumt. Unter anderem lagen 2 Rezeptbücher dabei, die ich mir dann in Ruhe angeschaut habe. Und als ich das zweite Buch in der Hand hatte, fielen mir plötzlich aus der letzten Seite ein paar Zettel entgegen. Ah, sicher eigene Rezepte, dachte ich. Ich faltete die Zettel auseinander und musste erstmal schlucken. Keine Rezepte, sondern handgeschriebene Abschiedsbriefe. Puh.

Ich denke, es ist nicht nötig, viel mehr dazu zu sagen, denn wahrscheinlich haben alle von uns nun ähnliche Gedanken im Kopf. Wie schon beim letzten Mal sage ich nur: Jeder zieht sich aus dieser Geschichte das heraus, was er gebrauchen kann.

Ich halte nicht viel davon, das eigene Leben mit dem anderer zu vergleichen. Denn natürlich gibt es immer Menschen, die es besser oder schlechter trifft als einen selbst. Fakt ist, dass man nunmal mit den eigenen Sorgen klarkommen muss- und die lassen sich nicht messen. Eine solche Geschichte sorgt jedoch vielleicht dafür, dass der eigene Blick wieder ein bisschen zurechtgerückt wird und man eventuell sieht, dass es schön ist, einfach nur da zu sein…

In diesem Sinne: Durchatmen!

Bis bald,

           Yvonne

P.S.: Was ich mit den Briefen gemacht habe? Heute habe ich es endlich geschafft sie zur Post zu bringen. In einem doppelten Umschlag und mit der Bitte an den Ehemann, seine Frau selber entscheiden zu lassen, ob und wen sie den Inhalt lesen lassen möchte.

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