Ars vivendi- Dezember 2017

Ars vivendi

oder: RAOK

Yvonne Wolf 31/12/2017

So, ihr Lieben. Da ist er also- der letzte Tag des Jahres 2017. Bis gestern Abend war ich noch der Meinung, dass mein Thema für die heutige Kolumne schon feststeht. Dieses hatte zwar nicht ganz das gewünschte Silvesterpotenzial, aber manchmal muss man eben das nehmen, was da ist 😉 Dann saß ich allerdings gemütlich auf dem Sofa, blätterte nach langer Zeit mal wieder durch meine bereits so oft erwähnte Lieblingszeitschrift und was fällt mir da vor die Füße? Ja, ganz genau- DAS silvesterwürdige Thema, das ich mir gewünscht hatte. Etwas mit Nachdenkcharakter, was euch und mich durch das nächste Jahr begleiten könnte und sich sogar für einen schönen guten Vorsatz eignet. Dann mal los 🙂

In unserem von Terminen und Verpflichtungen geprägten Alltag laufen wir nicht selten mit Scheuklappen durch die Gegend. Wir sind so sehr mit uns selbst und unserem Mikrokosmos beschäftigt, dass wir alles andere ausblenden. Dabei braucht es manchmal so wenig, um eine wunderschöne Kettenreaktion in Gang zu setzen, die nicht nur dabei hilft den eigenen Blick wieder zu öffnen und für die kleinen Dinge zu sensibilisieren, sondern auch mit einfachen Mitteln für ein freundlicheres Miteinander sorgt. Damit sind auch nicht zwingend die Menschen gemeint, die wir schon kennen oder regelmäßig sehen, sondern grade auch uns völlig fremde Personen.

Was gilt es also zu tun? Die Antwort ist bestechend banal: Seid nett zueinander. Mit ein wenig aufrichtigem Interesse und kleinen Freundlichkeiten zaubert ihr ein Lächeln auf das Gesicht eurer Mitmenschen. Und das Schöne ist: Wer nett zu anderen ist, füllt sein Leben mit etwas mehr Sinn und fühlt sich selbst glücklicher und zufriedener.

In den USA ist eine Bewegung entstanden, die bewusst diese Art des Denkens und Handelns unterstützt. Es ist die Bewegung der „Random Acts of Kindness“ – kurz RAOK genannt. Wie könnten diese zufälligen Akte der Freundlichkeit zum Beispiel aussehen? Ein Post-it mit einer freundlichen Nachricht im Treppenhaus, eine Blume für die Lieblingsverkäuferin, ein kleines Geschenk auf einer Parkbank oder ein zusätzlich bezahlter Kaffee im Bistro, damit die nächste Person ihn nicht zu zahlen braucht. Die Möglichkeiten sind grenzenlos, der Effekt unbezahlbar. Ich bin selbst schon des öfteren Empfänger solcher RAOK-Akte geworden. Ob es ein Parkticket war, das mir überlassen wurde oder Kleingeld für die Klofrau- ganz egal, wie klein die Geste war, das Ergebnis ist identisch. Es fühlt sich gut an und man zehrt noch einige Zeit davon, erzählt es vielleicht weiter oder ist unbewusst selbst freundlicher zu anderen.

Ein Aspekt, der mir bei dieser Art des Miteinanders besonders am Herzen liegt ist die Tatsache, dass man selbst lernt, seine Erwartungshaltung abzulegen und Dinge einfach mal vollkommen bedingungslos macht. Denn wie viele von uns schenken etwas und erwarten im Gegenzug auch Geschenke oder helfen anderen nur dann, wenn auch von ihnen Hilfe zu erwarten ist? Auch wenn ich weiß, dass eine solche Denkweise sehr verbreitet ist, macht mich eine solche Motivation immer sehr traurig, weil ich sie einfach nicht nachvollziehen kann. Doch vielleicht ist es ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, wenn immer mehr Menschen sich das RAOK-Prinzip zu Herzen nehmen, die Augen wieder für die Menschen um sich herum öffnen und ein bisschen Freundlichkeit verbreiten. Ich bin auf jeden Fall dabei 🙂 Wie sieht es mit euch aus?

In diesem Sinne wünsche ich euch ein wunderschönes Silvesterfest mit lieben Menschen und einen guten Übergang in ein neues Jahr, das hoffentlich viele bedingungslose Nettigkeiten für alle von uns bereithält 🙂

Und das letzte Wort hat heute – zur Feier des Tages – der Dalai Lama:

Sei freundlich, wenn es geht.

Es geht immer.“

Bis bald,

            Yvonne

Advertisements

Ars vivendi – Januar 2016

Ars vivendi

oder: Einfach nett

Yvonne Wolf 31/01/2016

Grüße heute auf der Straße einfach mal einen Nachbarn oder jemanden, den du vom Sehen kennst, an dem du normalerweise vorbeigehen würdest.“

Diese kleine, aber feine Aufforderung stand Anfang Januar in meinem Flow-Kalender. Dieser kleine Tageskalender hängt in unserem Gäste-WC und versorgt uns jeden Tag mit netten Zitaten, Ideen für den Tag, Anekdoten, Haushaltstipps und vielem mehr. Manchmal liest man den aktuellen Beitrag und denkt vielleicht nicht weiter darüber nach, doch nicht selten bleibt etwas hängen und regt zum Nachdenken an. So war es zum Beispiel auch bei dem oben stehenden Auftrag.

Mein erster Gedanke war: Ach, mach ich doch eh jeden Tag. Und das stimmt wirklich. Seit ich vor mittlerweile einigen Jährchen (ich glaube, es sind 11…) aus Köln weggezogen bin und seitdem in etwas weniger großstädtisch angehauchten, um nicht zu sagen ländlicheren Strukturen lebe, hat sich mein alltägliches Kommunikationsverhalten fremden Menschen gegenüber doch stark geändert. Ständig wurde ich von wildfremden Leuten gegrüßt, was zwar wirklich nett ist, jedoch auch sehr befremdlich, wenn man es gewohnt ist, sich in einer eher anonymen Masse zu bewegen, in der man zwar auch die immer gleichen Menschen trifft, sich aber einfach nicht füreinander interessiert. „Das ist hier eben so“, wurde mir nach vorsichtiger Nachfrage erklärt. Gut, also einfach mitmachen und zu allen erstmal nett sein. Kann ich 😉

Vor allem in den vergangenen Monaten hatte ich besonders viele von diesen netten Momenten, da die Menschen gleich um ein vielfaches kommunikativer und freundlicher werden, wenn ein kleines Baby dabei ist. Das Kindchenschema hat also voll zugeschlagen und dafür gesorgt, dass seit nunmehr sechs Monaten keine Einkaufstour und kein Spaziergang vergeht, ohne dass ich nicht mindestens einmal angesprochen werde. Manchmal ist es auch nur ein Lächeln, aber oft fangen die Leute einfach eine kleine Unterhaltung an; so als würden sie aus ihrem Schneckenhäuschen heraustreten, vom Feind- in den Freundmodus schalten und sich ein bisschen mehr öffnen. Ich freue mich jedes Mal, wenn so etwas passiert, weil es doch, Hand aufs Herz, soviel schöner ist, wenn man in lächelnde und gut gelaunte Gesichter blicken kann, als lauter verschlossene und grimmig dreinguckende Menschen um sich zu haben.

Wisst ihr, wozu diese kleinen, netten Episoden nämlich manchmal führen? Wenn man zum Beispiel grade damit beschäftigt war, sich über etwas oder jemanden zu ärgern, einen blöden Tag hatte oder mit sonstigen, energieraubenden Grübeleien beschäftigt ist, dann sorgt ein bisschen Freundlichkeit von unserem Gegenüber vielleicht dafür, dass diese Kette bei uns unterbrochen wird und man seinen Blick, wenn auch kurz, auf etwas Erfreuliches richtet. Die Probleme, Sorgen und Grübeleien sind dadurch nicht weg, aber ein kurzer Moment des Abstands genügt manchmal, um den Blick wieder zu richten und zu sehen, dass es eine Welt außerhalb der eigenen Gedanken gibt, und dass in dieser Welt durchaus nette Menschen unterwegs sind.

Die Aufforderung aus meinem Kalender ist also gar nicht so unscheinbar wie sie zunächst scheint. Eine kleine Geste mit womöglich großer Wirkung. Vielleicht achtet ihr einmal selbst darauf wie ihr so durch den Tag lauft. Mit Scheuklappen und so wenig Kontakt wie nur möglich? Oder mit erhobenem Blick und einem Lächeln und netten Worten auf den Lippen, die ihr an andere weitergebt? Es gibt viele Menschen da draußen, die ein bisschen Freundlichkeit durchaus gut gebrauchen können 🙂

In diesem Sinne: Einfach mal nett sein 😉

Bis bald,

           Yvonne