Ars vivendi- September 2017

Ars vivendi

oder: Übergangsweise

Yvonne Wolf 01/10/2017

Es ist wahrscheinlich nicht sonderlich übertrieben, wenn ich sage: Montage erfreuen sich im Allgemeinen nicht sonderlicher Beliebtheit. Habt ihr euch aber mal genauer überlegt, warum das so ist? Wenn man sich nämlich mal mit diesem Thema beschäftigt, wird man unweigerlich merken, dass es in unserem Alltag an vielen Stellen kleine und große Montagsmomente für jeden von uns gibt…und der Umgang mit ihnen will gelernt sein.

Seit ein paar Wochen läuft bei meiner Tochter die Eingewöhnung in eine Tagespflegeeinrichtung. Letzte Woche Montag wurde ich gebeten etwas früher zurück zu kommen, um meine Tochter abzuholen- und als ich den Raum betrat, war mir auch klar warum. Die komplette Gruppe war am Brüllen (ich entschuldige mich an dieser Stelle für dieses grammatische Konstrukt! Das nennt man rheinische Verlaufsform und als Kölnerin darf ich das und kann nicht anders 😉 ) Ausnahmslos jedes Kind stand absolut neben sich und heulte sich die Augen aus. Natürlich ist es nicht witzig, wenn Kinder weinen, aber dennoch hatte diese Situation etwas unglaublich Komisches. Ich guckte nur eine der Tagesmütter an und meinte: „Montag?“ Daraufhin sie: „Montag!“

Der Montag scheint also tatsächlich so schlecht wie sein Ruf, denn auch in den Wochen vorher bot sich bereits ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so dramatisches Bild zum Start in die Woche. Auch wir Erwachsene kämpfen ja wöchentlich mit dem Beginn der Arbeitswoche- die Einen mehr, die Anderen weniger. Und unweigerlich formte sich vor meinem geistigen Auge das Bild eines Büros, in dem alle Mitarbeiter am Montagmorgen heulend und tobend auf dem Boden liegen… gar nicht so abwegig, oder?

Was aber genau ist denn das Besondere am Montag? Das eigentliche Thema, welches dahinter steckt, hat etwas mit sogenannten Übergängen zu tun, d.h. mit dem Ende der einen und dem Beginn einer neuen Situation. Das Wochenende sorgt jede Woche aufs Neue dafür, dass eine Routine, an die man sich gerade gewöhnt hatte, unterbrochen wird, um dann nach 2 Tagen wieder erneut zu beginnen. Und das ist für Kinder alles andere als einfach, für viele Erwachsene, ihr werdet es mir bestätigen, allerdings auch nicht.

Übergänge begegnen uns an vielen Stellen, wir nehmen sie oftmals einfach nur nicht wahr. Im Bezug auf Kinder merkt man, dass man es mit Übergängen zu tun hat häufig an deren Verhalten. In für uns vollkommen harmlosen Situationen bricht es aus ihnen heraus und sie sind kaum zu bändigen. Oft hat es dann tatsächlich damit zu tun, dass man von ihnen schnelle und unvorbereitete Situationswechsel erwartet, die sie noch nicht meistern können. Leider wird das in unseren Augen unangepasste Verhalten dann häufig mit der allseits beliebten und viel zu erwachsenen Erklärung „Trotzphase“ abgetan, aber dies ist ein anderes Thema.

Schauen wir uns doch unseren eigenen Alltag an: wo verstecken sich kleine und große Übergänge und zu welchen Strategien neigen wir? Hier ein paar Beispiele:

morgens aufstehen

Steht ihr sofort auf, wenn der Wecker klingelt oder suhlt ihr euch noch eine Weile in eurem Elend?

abends ins Bett gehen

Geht ihr zeitig ins Bett oder bleibt ihr bis tief in die Nacht wach, weil es doch so viel zu erledigen gibt (oder       ihr den Tag vielleicht nicht beenden mögt?)

Abschlussprüfungen durchziehen

Regelstudienzeit oder Langzeitstudent?

einen Job kündigen/ umziehen/ Menschen hinter sich lassen

Mehr schlecht als recht oder ein Neuanfang mit Ungewissheit?

Die Liste könnte man ewig weiterführen, denn Übergänge lauern überall. Ich persönlich spüre Übergänge immer dann sehr deutlich, wenn sie meine berufliche Ebene betreffen. Einige Male bereits habe ich sehr bewusst meine Stelle gewechselt, um mich von Zuständen zu lösen, mit denen ich nicht zufrieden war oder einfach, um mich weiterentwickeln zu können. Diese Phasen haben mich jedes Mal sehr viel Energie und Kraft gekostet, weil sie mich aus etwas Gewohntem herausgerissen und in etwas Neues hineinkatapultiert haben- doch gelohnt hat es sich bislang immer.

Wenn ihr also merkt, dass ein Übergang schwierig für euch ist und ihr ihn auch als solchen entlarvt habt, dann stellt euch doch einfach mal folgende Frage:

Was brauche ich?

Der Eine muss vielleicht nur einmal tief durchatmen, um weitermachen zu können, der Andere braucht Hilfe von Außen, weil er es alleine nicht schafft. Mit ein bisschen Übung lernt ihr sicherlich, eure Bedürfnisse diesbezüglich zu erkennen. Vielleicht fangt ihr einfach mal mit dem Montagmorgen an: Was braucht ihr, um die Woche beginnen zu können?

Was ich brauche, um gut in die Woche zu starten? Nur eine Dusche und ein bisschen Zeit im Badezimmer- aber ich gehöre auch eher zu der Sorte Menschen, die aufstehen und meist sofort gute Laune haben- egal an welchem Wochentag…

In diesem Sinne: Schönen Feiertag 😉

Bis bald,

                Yvonne

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