Ars vivendi- November 2016

Ars vivendi

oder: Freudentanz

Yvonne Wolf 30/11/2016

Wisst ihr, was mir in den letzten Monaten immer wieder aufgefallen ist, wenn ich meine kleine Tochter beobachtet habe? Wenn sie sich freut, dann aber richtig. Die kleinsten Kleinigkeiten sorgen tagtäglich dafür, dass sie vollkommen aus dem Häuschen ist, laut loslacht, sich bewegt und durch die Gegend tanzt. In diesen Momenten kann man gar nicht anders, als mindestens mitzulachen. Ein Foto von einem solchen Augenblick könnte ich mir gut im Lexikon neben dem Wort „Freude“ vorstellen. So funktioniert es also, dieses „sich freuen“. Warum sieht es dann mit zunehmenden Alter oft irgendwie anders aus, wenn man sich freut? Natürlich ist für Kinder alles neu und aufregend, muss entdeckt und ausprobiert werden; aber das kann nicht die ganze Erklärung sein. Irgendwas scheint da schiefzulaufen auf dem langen Weg ins Erwachsenenalter…

Wenn ihr euch wirklich über etwas freut- wie sieht das aus? Seid ihr laut dabei, lasst die anderen Menschen teilhaben und steckt sie an? Oder erledigt ihr das Ganze lieber heimlich, still und leise in eurem Inneren und schickt maximal ein kleines Lächeln, vielleicht auch mal einen dezent freudigen Ausruf nach außen? Wenn ich mich so umschaue, würde ich fast behaupten, die Tendenz geht eher in Richtung der zweiten Variante. Das trifft selbstverständlich auch oft auf mich zu; es sei denn, ich befinde mich auf gesichertem Terrain. Dann bin ich durchaus ausgelassen; es kommt möglicherweise sogar vor, dass ich hüpfe oder juchze 😉 Unfassbar, oder?

Mit der Freude ist es nämlich so eine Sache. Genau wie bei den anderen starken Gefühlen, die es gibt (z.B. Wut, Trauer), gestatten wir (unseren) Kindern meist eine bestimmte Phase im Leben, in denen sie diese gemäß ihren Bedürfnissen frei nach außen leben dürfen und sich authentisch zeigen können. Doch dann kommt der Zeitpunkt, wo sich für viele der Wind dreht und man, vielleicht auch unbewusst, damit anfängt, sein Kind ein bisschen zurechtzustutzen. Das muss um Gottes Willen nicht für alle gelten und es gibt natürlich noch andere Faktoren, die damit zu tun haben, aber es scheint mir ein wichtiger Punkt zu sein. Man zeigt Gefühle nicht in der Öffentlichkeit; wenn man weint, ist man ein Baby, übertreibt oder stellt sich an; Lachen ist in Ordnung- aber bitte nicht zu laut. Authentisch und echt sein scheint also nicht zwingend oben auf der Liste zu stehen. Und so kommt es dann, dass wir manchmal ein bisschen zu angepasst durchs Leben spazieren und uns mit unseren Emotionen zurücknehmen, obwohl es so gut täte, sie herauszulassen. Gelernt ist eben gelernt.

Vor einiger Zeit habe ich irgendeine Sendung gesehen, in der Menschen überrascht wurden. Und wisst ihr, was passiert, wenn man dabei zusieht, wenn andere Menschen vor Freude ausrasten und sich öffnen? Man wird angesteckt. Ich saß jedenfalls breit grinsend auf meinem Sofa und habe mich einfach mitgefreut.

Vielleicht achtet ihr mal auf solche Momente, die ein wenig mehr nach außen getragene, echte und ungebremste Freude gebrauchen könnten. Und wer nicht weiß, wie sowas aussieht, der möge sich einfach eine Zeit lang kleine Kinder anschauen. Sie sind mitunter gute Lehrmeister 😉

Ich verabschiede mich an dieser Stelle mit einem japanischen Sprichwort und appelliere an das innere Kind in euch, welches sicherlich schon ganz aufgeregt darauf wartet, endlich wieder laut loslachen zu dürfen 😉

In diesem Sinne: Eine Freude vertreibt hundert Sorgen!

Bis bald,

           Yvonne

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