Ars vivendi: August 2016

Ars vivendi

oder: Umbauarbeiten

Yvonne Wolf 31/08/2016

Im Rahmen des Onlinekurses, den ich aktuell zum Thema „Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern“ mache, erhalte ich wöchentliche Mails, die auch jedes Mal kleine Aufgaben beinhalten. Beobachtungsaufgaben für den Alltag, die im Endeffekt mehr oder weniger alle etwas mit Selbstreflexion zu tun haben und den Fokus auf jeweils unterschiedliche Aspekte lenken. In einer der letzten Mails wurde man aufgefordert, sich u.a. über seine Eigenheiten und Charakterzüge Gedanken zu machen. Was macht mich aus? Welche Leidenschaften habe ich? Und welche Züge versuche ich eher vor anderen zu verstecken? Als ich über all diese Sachen nachgedacht habe und sie fein säuberlich in mein Heft (!) eingetragen habe, ist mir – wie schon öfters im vergangenen Jahr- klar geworden, dass sich bei mir in Sachen Eigenheiten doch so einiges verändert hat.

Als weibliches Wesen macht man ja nicht selten die Erfahrung, dass Hormone Arschlöcher sind ( man muss es einfach mal sagen 😉 ). Dass das aber noch steigerungsfähig ist, erfährt man z.B. dann, wenn man für den Fortbestand der Menschheit gesorgt hat. Ich war lange Zeit der festen Überzeugung, dass mir bei der Geburt meiner Tochter ein Teil meines Gehirns entfernt wurde- wie auch immer sie das gemacht haben 😉 Denn das, was da mit mir passiert ist, ist einfach nicht anders zu erklären.

3 der Dinge, die mich nämlich, meiner Meinung nach, u.a. ausgemacht haben, sind z.B.: Zuverlässigkeit, ein sehr gutes Gedächtnis und ein nicht zu verleugnender Hang zur Ordnungsliebe in verschiedenen Dimensionen 😉 Und nun gehe ich durch die Welt und vergesse Termine, weil ich sie nicht aufgeschrieben habe. Ich stehe in der Apotheke und weiß meine PIN nicht mehr. Ich sage rechts und zeige nach links. Ich schiebe Dinge auf- bis in die Unendlichkeit. Und Unordnung finde ich manchmal gar nicht so schlimm. Das klingt nach Kleinigkeiten und Banalitäten- wenn man aber immer einen sehr hohen Anspruch an sich selbst hatte, dann führen solche Veränderungen doch mitunter zu einem latenten Gefühl der Unzurechnungsfähigkeit. Meine Freundin amüsiert sich jedenfalls seit geraumer Zeit immer wieder köstlich, wenn mir eben so etwas passiert- denn für diejenigen, die mich gut kennen, ist der Unterschied sehr wohl bemerkbar.

Eine Erklärung, die ich dafür gefunden habe, ist die Umstrukturierung des Gehirns nach einer Schwangerschaft. Gute Erklärung wie ich finde 😉 Nach Abschluss der Umbauarbeiten hat man dann ein Superhirn mit mehr Leistung. Scheint allerdings eine ziemlich große Baustelle da oben zu sein…

Aber wisst ihr was? Beim Nachdenken über all diese Sachen habe ich festgestellt, dass ich mich mittlerweile ganz gut damit arrangiert habe. Ich habe meine Ansprüche deutlich heruntergeschraubt, sie an den momentanen Ist-Zustand angepasst und komme zunehmend besser damit klar. Denn, was ich durch diese angeblichen Umbauarbeiten in meinem Oberstübchen gelernt habe ist, dass es auch ganz gut mit ein paar Prozent weniger funktioniert. Ich bin um einiges gnädiger mit mir geworden – und merke, dass mir das mal ganz gut tut. Ein Pendel muss eben immer in beide Richtungen ausschlagen, damit ein Gleichgewicht entsteht. Und trotz allem stehen Zuverlässigkeit und Ordnungsliebe weiterhin ganz weit oben auf meiner Liste 🙂

In diesem Sinne:

Öfter mal ein Auge zudrücken…

Bis bald,

             Yvonne

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