Ars vivendi- April 2016

Ars vivendi

oder: Das richtige Maß

Yvonne Wolf 30/04/2016

Kennt ihr noch studiVZ? Diese Online-Community, die vor gefühlten 100 Jahren mal das Facebook von gestern war 😉 ? Da konnte man sich in Gruppen eintragen, anhand deren Bezeichung man dann ungefähr einschätzen konnte, was der jeweils andere gut findet oder wie er so tickt. Ich war zum Beispiel in der Gruppe „Hose in Stiefeln? Ich seh hier nirgends Pferde!“ oder „Mach das Radio aus- ich muss einparken“. Und unter diesen zahlreichen Gruppen, da gab es auch die mit dem schönen Namen „Laut Miracoli bin ich 3-4 Personen“- und genau darum geht es heute. Darum, dass viele von uns verlernt haben oder es vielleicht sogar mangels fehlender Vorbilder nie erlernen konnten, wie man das richtige Maß findet.

Meistens startet ein neues Jahr bei mir mit einer personalisierten Fastenphase- aufmerksame Leser haben das sicherlich schon das ein oder andere Mal mitbekommen. Nach den Festtagen und der Adventszeit habe ich oft das Gefühl, dass einer der Hauptbestandteile meines Körpers Nougat o.ä. ist. Und um die damit einhergehende Trägheit auf allen Ebenen, die sich unweigerlich mit einstellt zu bekämpfen, entziehe ich meinem Körper bis Ostern alles, was ich aktuell für sinnvoll erachte. Meistens sind es natürlich Süßigkeiten, die auf meiner Liste stehen. Und nachdem die ersten Tage überwunden sind, ist es auch gar kein großes Problem. Der Körper funktioniert besser, man ist überhaupt viel fitter und fühlt sich schnell wieder wohler in seiner Haut. Was ich oft beobachte, wenn ich so etwas mache, ist eine generelle Veränderung in meinem Essverhalten. Die Portionen werden nicht nur über den Tag verteilt weniger, sondern auch generell kleiner. Meistens lande ich, was bei uns das Abendessen betrifft, bei einer 1-Teller-Politik, d.h. es gibt einen Teller und dann ist Schluss. Und man glaubt es kaum- aber das ist vollkommen ausreichend.

Genau zu diesem Thema habe ich vor ein paar Wochen einen kurzen Bericht im Fernsehen gesehen. Eine Ernährungsberaterin hat einen Reporter bei einem Selbstversuch begleitet, in welchem er seine Ernährung auf das richtige Maß herunterschrauben sollte. Er hat also gelernt, wie viel Gramm von welchen Lebensmitteln in eine Portion gehören und musste feststellen, dass die pro-Portion-Angaben auf den Verpackungen keine schlechten Witze, sondern schon ernst gemeinte Empfehlungen sind. Außerdem solle man sich angewöhnen, die Gabel erst wieder mit Essen zu bestücken oder wieder etwas in die Hand zu nehmen, wenn der Mund leer ist. Wer macht das schon? Richtig. Die Wenigsten, um nicht zu sagen: Keiner. Aber wenn man das mal eine Zeit lang durchzieht, wird man merken: Man fühlt sich besser, weil man den Körper nicht mit einem ständigen „Zuviel“ überfordert. Und DANN reicht eine Packung Miracoli nämlich auch für 3-4 Personen 😉

In den letzten Wochen habe ich angefangen, auch nach meiner Fastenphase auf genau solche Dinge zu achten. Neuerdings wiege ich also z.B. Nudeln oder Reis ab, um genau die Portionen zu erhalten, die ich für unser Essen haben möchte. So bleibt nichts übrig, keiner sieht sich „genötigt“ noch kurz den Rest aufzuessen, damit nicht übrig bleibt, und der ganze Funktionskreislauf des Körpers läuft einfach viel runder.

Naschen ist natürlich auch erlaubt- in Maßen, versteht sich. Klar gehöre ich auch zu den Spezialisten, die eine Tafel Schokolade ganz unromantisch und ohne großes Tamtam innerhalb von 5 Minuten inhalieren können. Aber: Kurz auf die Portionsangaben geschaut: Ach was, eine Tafel ist nicht gleich eine Portion? Nun denn, dann halt nur einen Riegel- genüsslich zerlutscht, so dass man möglichst lange was davon hat 😉

Vielleicht habt ihr auch Lust bekommen, euer Essverhalten mal etwas unter die Lupe zu nehmen. Wenn man die Kurve einmal gekriegt hat, dann wird es von Tag zu Tag leichter. Und es gibt einen weiteren Vorteil, der sich sicherlich bei vielen von euch einstellen wird: Fängt man in einem Bereich an, mehr auf sich zu achten, dann zieht dies oft Kreise und beeinflusst auch andere Lebensbereiche. Plötzlich achtet man vielleicht nicht nur mehr auf seine Ernährung, sondern bekommt Lust auf Sport oder stellt fest, dass es Zeit ist, mehr Ruhe in den ganzen Alltag einkehren zu lassen. Und genau diese kleinen Momente sind es, die so wichtig sind. Kleine Veränderungen, die große Auswirkungen haben können, vor allen Dingen in Sachen Selbstdisziplin.

In diesem Sinne: Ausnahmen bestätigen die Regel 😉

Bis bald,

             Yvonne

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