Ars vivendi: Februar 2016

Ars vivendi

oder: Erstens kommt es anders…

Yvonne Wolf 29/02/2016

…und zweitens als man denkt. Wieder eines dieser Sprichworte, das soviel Wahrheit enthält. Wie oft passiert es euch, dass ihr eine Idee von etwas entwickelt, euch in allen Facetten ausmalt wie etwas sein sollte oder könnte, um dann aber leider feststellen zu müssen: Nö. Realitätscheck nicht bestanden. Nehmen sie einen anderen Weg, gehen sie nicht über Los, ziehen sie nicht 4000 Mark ein (Hinweis an meine alten Kolleginnen: „Mark“ ist die Währung, die wir damals vor dem Euro hatten 😉 )?!

In unserem Leben verbringen wir ziemlich viel Zeit mit unseren Gedanken. 24 Stunden am Tag, an 7 Tagen in der Woche- wir haben quasi eine Standleitung, die sich bei den Meisten von uns nur schwer abschalten lässt; und wenn, dann ist das mit einem gehörigen Maß an Übung verbunden. In unseren Köpfen formen wir also den lieben langen Tag Ideen von einfach allem. Was wollen wir heute Abend essen? Was möchte ich am Wochenende unternehmen? Und mit wem? Wie soll mein Urlaub werden? Wie möchte ich mein Kind erziehen? Wie, wo und mit wem möchte ich mein Leben verbringen?

Ihr seht schon: Manchmal geht es um augenscheinlich ganz banale Dinge. Ein Abendessen, die Wochenendgestaltung. In unserem Kopf ist alles fertig vorbereitet, also beginnen wir mit dem Transfer in die Realität. Doch dann passiert es nicht selten, dass Faktoren dazukommen, die wir in unserem Oberstübchen vorher nicht mit berücksichtigen können, weil wir einfach keinen Einfluss darauf haben: Andere Menschen und die Unwägbarkeiten des Lebens, um es mal grob zusammenzufassen.

Nun ist es wahrscheinlich für die Meisten kein größeres Drama, wenn es zu einer spontanen Menuänderung des Abendessens kommen muss, weil vielleicht irgendeine Zutat nicht zu bekommen war. Man ändert den Plan und kauft was anderes ein. Ich will jedoch nicht ausschließen, bin mir eigentlich auch fast sicher, dass es bereits auf dieser Ebene Personen gibt, die schlechte Laune bekommen, weil es kein Hackfleisch gab.

Alles was mit den eigenen Kindern zu tun hat, ist da vielleicht schon ein etwas heikleres Thema. Nehmen wir mal an (und ich weiß wirklich nicht, wie ich auf dieses Beispiel komme 😉 ), das eigene Baby entdeckt die Welt der Kategorien und unterteilt nun viele Dinge in „mag ich“ und „mag ich nicht“. Und ehe man sich versieht, landet der mit Liebe selbstgekochte Brei in Kategorie 2. Tja. Was soll ich sagen? Es hat durchaus ein paar Tage gedauert, bis ich verstanden habe, dass das Problem an der Sache meine eigene Idee war, die ich mir in meinem Köpfchen zurechtgelegt hatte. Also verabschiedet man sich davon, wechselt die Richtung und bedankt sich herzlich- bei wem auch immer- für die eigene Reflexionsfähigkeit.

Doch je wichtiger uns etwas ist, desto schwerer fällt es uns wahrscheinlich auch, die eigene Vorstellung davon zu den Akten zu legen.

Was passiert, wenn man sich seit Kindertagen ausgemalt hat, dass man später einmal verheiratet sein möchte, mit einem ganzen Stall voller Kinder, und dann feststellen muss, dass das anscheinend nicht der Plan für uns ist? Oder man den Beruf, den man sich schon immer wünscht, wahrscheinlich nie wird ergreifen können? Was, wenn man noch soviel vorhatte, und dann eine Krankheit in die Quere kommt?

Grade in solchen Fällen, die unser gesamtes Lebenskonzept bestimmen und dann in Frage stellen, ist es so schwer und doch so wichtig zugleich, sich von den eigenen Vorstellungen zu lösen, diese ganz bewusst zu verabschieden, bevor sie uns mürbe und krank machen. Denn nur so kann man irgendwann zu der Erkenntnis kommen (und hier benötigen einige Menschen sicherlich Hilfe von außen), dass das Konstrukt, was wir uns in unseren Köpfen erdacht haben, nur eine Variante von vielen weiteren Möglichkeiten ist. Und nur, weil man einen anderen Weg einschlägt, heißt es ja nicht, dass uns unsere ursprüngliche Idee nie wieder begegnen wird. Anders ist nicht immer schlecht, erfordert nur oft etwas mehr Flexibilität und den Mut, neue Ziele zu setzen.

Es lohnt sich also immer mal wieder, die eigenen Ideen und Vorstellungen einem Tauglichkeitstest zu unterziehen. Nicht selten kehrt dadurch sicherlich auch ein bisschen mehr Entspannung ins eigene Leben.

Bis bald,

           Yvonne

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