Rezension: „Girl on the train“ von Paula Hawkins

Rachel fährt jeden Morgen mit dem gleichen Zug in die Stadt und abends mit dem gleichen Zug zurück nach Hause. An einem Signal bleibt ihr Zug regelmäßig stehen- manchmal nur kurz, nicht selten aber auch ein paar Minuten. Genug Zeit, um einen Blick in die Gärten der dortigen Häuser zu werfen. Besonders ein Garten hat es ihr angetan- dort wohnen „Jess“ und „Jason“- ein in Rachels Augen perfektes Ehepaar, um das sie sich täglich neue Geschichten ausdenkt. Doch eines Tages sieht Rachel etwas, was ihr so liebgewonnenes Konstrukt in tausend Teile zerfallen lässt und ihre Welt erschüttert. Kurz danach verschwindet „Jess“ und ihr Bild erscheint in den Medien. Wie kann Rachel nun dafür sorgen, dass ihrer Beobachtung aus dem Zug heraus Beachtung geschenkt wird? Das Problem ist: Niemand wird ihr glauben. Warum? Weil Rachel ein Alkoholproblem hat. Weil Rachels Welt aus Lügen gebaut ist. Und weil die Gärten, in die sie täglich einen Blick wirft, ihr gar nicht so fremd sind wie es zunächst scheint…

Um es gleich vorweg zu nehmen: Dieses Buch ist einfach so gut! Es gibt Geschichten, die leben von Action, vielen Charakteren und schneller Handlung (die natürlich auch toll sein können); und es gibt Geschichten wie diese, die auf sehr gut aufgebaute, in übersichtlicher Anzahl vorhandene Charaktere bauen, die sich erst im Verlauf der Story langsam entblättern und somit für stetige Richtungswechsel und einen enormen Spannungsbogen sorgen. Es gibt drei weibliche Personen, zwischen deren Sicht kapitelweise gewechselt wird, wobei Rachel die Protagonistin des Ganzen darstellt. Durch ihre Alkoholsucht erhalten wir Einblick in ihre Art die Welt zu sehen- in ihre löchrige Welt, die mittlerweile aus fast nichts als Lügen besteht und aus der sie nicht im Stande ist zu entkommen. Auch die Tatsache, dass mehr oder weniger regelmäßige Blackouts für große Erinnerungslücken sorgen, machen sie Sache nicht besser. Und besonders als Rachel klar wird, dass sie sich an dem Abend, an dem „Jess“ verschwunden ist, in deren Nähe aufgehalten hat, machen ihr die in ihrem Kopf umherwabernden, nicht greifbaren Schatten immer mehr zu schaffen. Das, was Alkohol mit einem Menschen anstellen kann, wird hier sehr gut herausgearbeitet. Man kann Rachels Ambivalenz während des Lesens förmlich spüren, wie sie ständig hin- und hergerissen ist, zwischen dem Vorhaben, nicht mehr zu trinken, um endlich ernst genommen zu werden, und dem immer wiederkehrendem Verlangen, sich einfach zu betrinken. Erst gegen Ende der Geschichte fügen sich die Puzzleteile dann schließlich ineinander, sodass nicht nur Rachel, sondern auch der Leser einen neuen Blick auf die Situation und die handelnden Personen erhält. Nichts ist wie es scheint! Meiner Meinung nach ein sehr gutes Buch, das unbedingt gelesen werden möchte 🙂

Bewertung: 5 von 5 Eulen

Auf einen Blick:

„Girl on the train – Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich“ von Paula Hawkins

Verlag: Blanvalet

Seiten: 448

ISBN-10: 3764505222

ISBN-13: 978-3764505226

Preis: 12,99 € (broschiert) / 9,99 € (Kindle)

 

 

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