Ars vivendi- Juni 2015

Ars vivendi

oder: Leerlauf

Yvonne Wolf 30/06/2015

Seit ein paar Wochen befinde ich mich in der überaus glücklichen Lage, vorerst nicht mehr arbeiten zu müssen. Der offizielle Auftrag lautet nämlich: Ausruhen, zwei bis drei Gänge zurückschalten und sich auf die spannende Zeit vorbereiten, die bevorsteht. Da ich mich ja selbst recht gut kenne, habe ich mir schon vorher gedacht, dass ich mit der plötzlichen Flut an freier Zeit keine Probleme haben werde. Doch lustigerweise scheinen viele Menschen zu erwarten, dass man bereits nach wenigen Tagen vollkommen verzweifelt nach Beschäftigungen sucht, weil man überhaupt keine Ahnung hat, wohin mit sich. Daher ist eine der meist gehörten Fragen: „Na, langweilst du dich schon?“ Ich kann dann immer nur nachsichtig lächeln und mir meinen Teil denken. Anscheinend sind wir so sehr drauf trainiert, dass wir jede Minute unseres Alltages so effektiv wie möglich gestalten, dass Phasen des Leerlaufs, ob sie nun länger oder kürzer sind, als etwas Negatives und Unnützes empfinden. Ist das nicht schade? Schade und, in einer Welt, die immer mehr geprägt ist von beruflicher und privater Überlastung, auch leider sehr bedenklich…

Aber was machst du denn den ganzen Tag?“ – Noch eine der Fragen auf meiner aktuellen Hitliste. Meistens antworte ich, dass ich nicht zwingend sagen würde, dass ich immer etwas mache. Die hauptsächliche Veränderung, die sich momentan bemerkbar macht, beruht auf der großartigen Tatsache, dass ich die meisten meiner Tage zur Zeit ohne Uhr bewältigen kann. Klar gibt es ab und zu Termine, die ich wahrnehmen muss- aber die halten sich wahrlich in Grenzen. Es ist mein eigener Rhythmus, der zählt und der dafür sorgt, dass die eigenen Antennen im Moment noch mehr als sonst nach innen gerichtet sind. Das ist übrigens etwas, was ich sowieso allen empfehlen kann: Am Wochenende und im Urlaub wird keine Uhr getragen- einfach als Symbol für eine andere, freiere Art der Tagesgestaltung- das mache ich übrigens seit vielen Jahren so- nicht erst seit 5 Wochen 😉

Eine neue Erkenntnis, die sich bei mir in den letzten Wochen und Monaten aufgetan hat, hat etwas mit der eigenen Leistungs- und Funktionsfähigkeit zu tun. Auch, wenn ich in den vergangenen Jahren ganz gut gelernt habe, auf mich und meine Reserven zu achten, so gehöre ich doch sicherlich eher zu den Menschen, die es gewohnt sind zu funktionieren und ein gewisses Maß an Grundenergie mit sich herumtragen. Sätze wie „Ich schaff das grad nicht“ oder „Geht nicht“ zählten bislang nicht grade zu meinem Standardrepertoire- diverse körperliche Einschränkungen ließen mir jedoch zeitweise einfach keine Wahl und haben mich regelrecht in die Knie gezwungen. Es geht also nicht darum, nur die Phasen des Leerlaufes für sich zu nutzen und zu genießen, die eh da sind, sondern sich gezielt welche einzurichten, wenn sie nötig sind. Auch, wenn es vielleicht in den eigenen Augen grade unpassend erscheint, weil man doch soviel machen könnte…

Ihr seht, Leerlauf ist nicht etwas, dass es zu vermeiden, sondern eher regelmäßig zu erstreben gilt. Und das nicht nur in Zeiten von Krankheit oder sonstigen Umständen, die es erforderlich machen, sondern immer wieder zwischendurch und einfach so.

Einfach mal stundenlang in der Sonne oder auf dem Sofa liegen, lesen, Musik hören, einen Tag das Haus nicht verlassen, einen Mittagsschlaf machen, einen Spaziergang antreten-es gibt tausende von Dingen, die leerlaufgeeignet sind- das Wichtigste an der ganzen Sache ist es, sich diese Zeit von Herzen zu gönnen und sie mit dem Stempel „WICHTIG“ zu versehen.

Euer Körper und nicht zuletzt euer Geist und eure Seele werden es euch früher oder später sicher danken 🙂

In diesem Sinne:

                      Gang raus und in den Leerlauf schalten 😉

Bis bald,

                      Yvonne

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