Ars vivendi- April 2015

Ars vivendi

oder: Und täglich grüßt das Murmeltier…

Yvonne Wolf 30/04/2015

Kennt ihr das? Manchmal hat man den Eindruck, es gibt im Leben bestimmte, meist „schwierige“, Personen, die uns geschickt werden, um einen Auftrag zu erfüllen. Sie sind dazu da, uns an unsere Grenzen zu bringen, zum Nachdenken und Umdenken anzuregen und etwas in uns in Gang zu setzen, was uns zum Handeln zwingt. Dabei ist es nicht so, dass die jeweilige Person auch nur den Hauch einer Ahnung hat, dass sie mit einem solchen Auftrag unterwegs ist. Die ganze Sache funktioniert nämlich anders: Lernen wir nichts aus unserer Begegnung mit dieser Person, wird irgendwann ein anderer Mensch vor uns stehen, der irgendwann exakt das Gleiche in uns auslöst. Und das geht unter Umständen so lange weiter, bis der Groschen endlich gefallen ist und wir in der Lage sind, diese Schleife zu beenden! Sonst heißt es: Und täglich grüßt das Murmeltier…

Dass es solche Menschen gibt, musste ich mir vor Kurzen auch erst einmal wieder ins Gedächtnis rufen. In meiner Ausbildung zur Entspannungspädagogin war dieses Thema des Öfteren in unserer Gruppe präsent, da wir dort ja auch lernen sollten, besonders mit negativen Gefühlen umgehen zu können. Und wenn negative Gefühlen ausgelöst werden, dann ist es mehr als hilfreich, wenn man in der Lage ist, den Ursprung zu erkennen und entsprechend zu handeln und darüber zu reflektieren. Man sollte besagte Personen also als eine Art Geschenk betrachten, das uns gegeben wird, damit wir uns in unserem Leben weiterentwickeln und nicht immer mit starken, negativen Gefühlen wie Wut, Zorn und Ärger kämpfen müssen. Hilfreich dabei ist es natürlich, wenn wir eine Affinität zur Selbstreflektion besitzen, denn nur dann haben wir überhaupt eine Chance, solche Vorgänge zu erkennen und zu verstehen.

Die Personen, die mir beispielsweise regelmäßig in meinem Leben eine für sie unbewusste Lehrstunde erteilen, tummeln sich in meinem beruflichen Umfeld, und zwar eine Etage höher in der Nahrungskette, wenn ihr versteht 😉 Ich erwarte von diesen Menschen eigentlich „nur“, dass sie ihrer Rolle gerecht werden: Sie müssen Personal führen können, die Organisation ohne großen Aufwand im Griff haben und natürlich fachliche Kompetenz an den Tag legen, die den Mitarbeitern als Vorbild dient. Nunja. Und da ich all dies bislang noch nie in Personalunion erlebt habe, komme ich immer mal wieder an den Punkt, an dem das Fass einfach überläuft. Erst vergangene Woche durfte ich Teil einer für mich sehr emotional aufgeladenen Situation sein, die mich so wütend gemacht hat wie schon lange nicht mehr. Erst als ich es abends geschafft hatte, mich wieder zu beruhigen, war mir klar: Natürlich. Kenne ich schon. Wird immer wieder passieren, wenn ich es nicht selber ändere. Hab’s verstanden. Danke dafür.

Wo trefft ihr also auf Menschen, die euch vielleicht in den Wahnsinn treiben und für die ihr dankbar sein solltet, weil sie Veränderungen in euch anstupsen? Der Ein oder Andere findet es vielleicht seltsam, es einmal aus dieser Sicht zu betrachten- aber es führt dazu, dass man nicht mehr immer mit dem Finger auf Andere zeigt und der Überzeugung ist, dass eine dritte Person Schuld an den eigenen Gefühlen oder der eigenen Situation ist. Vielmehr fragt man sich aktiv: Was soll ich daraus lernen? Was kann ich ändern?

Natürlich gibt es nicht nur solch „schwierige“ Zeitgenossen, die uns über den Weg laufen. Auch Personen, die uns durch und durch gut tun, können etwas in uns bewirken und so einen Auftrag in unserem Leben erfüllen. Aber wie so oft im Leben, ist das andere Extrem einfach so viel präsenter…

Also dann. Man muss nicht alle seine Wegbegleiter lieben lernen, sondern manchmal einfach nur versuchen ihren Zweck zu erfassen und die Konsequenzen entsprechend für sich zu nutzen. Unter Umständen ist man dann einen kleinen Schritt weiter auf dem Pfad zu mehr Ausgeglichenheit 🙂

In diesem Sinne:

                      Bis bald,

                                     Yvonne

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