Ars vivendi- Juli 2014

Ars vivendi

oder: Et es wie et es

Yvonne Wolf 31/07/2014

Vor einigen Wochen habe ich gemeinsam mit einer Freundin einen kleinen Städtetrip nach Bremen unternommen. In aller Herrgottsfrühe sind wir mit dem Auto losgefahren und haben die ganze Fahrt über gemütlich gequatscht und philosophiert. In irgendeinem Zusammenhang ist mir dann folgender Satz über die Lippen gekommen, der mich seit diesem Augenblick (und wahrscheinlich für den Rest meines Lebens) verfolgt: „Man kann es nicht ändern- es ist halt einfach wie es ist.“ Daraufhin meinte meine Freundin: „Sag mal, weißt du eigentlich, dass du das ganz oft sagst?“ Nein, wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Aber wie das so ist, wenn man erstmal auf etwas aufmerksam gemacht wird- es wird einfach unmöglich, es nicht mehr zu registrieren. Ja, ich sage diesen Satz wirklich sehr häufig. Und wenn ich ihn grade nicht sage, dann denke ich an ihn 😉

Nachdem ich besagte Worte also alleine an diesem Wochenende gefühlte 100x von mir gegeben hatte und die ganze Sache sich langsam, aber sicher zu einem kleinen Running Gag entwickelte, habe ich mir darüber auch wirklich meine Gedanken gemacht. Und nach gar nicht allzu langer Zeit war die Sache eigentlich klar: Dieser Satz spiegelt einfach einen wichtigen Teil meiner Lebenseinstellung wieder. Seit vielen Jahren ist diese Sicht auf die Welt fest in mir verankert: Es gibt Dinge, die kann ich nicht ändern. Und in alles, was ich nicht ändern und beeinflussen kann, lohnt es sich nicht, meine Energie hineinzustecken. Im Klartext heißt das, dass ich mich nicht über Sachen ärgere und aufrege, die nicht in meinem Einflussbereich liegen, da ich einen Weg gefunden habe, so etwas zu akzeptieren. Und dann versuche ich aus dieser Situation das Beste zu machen. Habe ich die Wahl zwischen schlechter und guter Laune, dann entscheide ich mich in den allermeisten Fällen sofort und ganz bewusst für die sonnige Seite und denke mir: Wird schon.

Natürlich gibt es immer wieder auch Situationen, in denen ich wütend, traurig oder sauer bin- es gibt in jedem Leben genügend Ereignisse, die solche Gefühle in uns hervorrufen. Ich persönlich komme jedoch über kurz oder lang meistens zu dem Schluss: Es ist wie es ist. Und in Zusammenhang mit einer weiteren wichtigen Eigenschaft, deren großer Fan ich bin, nämlich Optimismus, ergibt sich aus dieser Kombination eine, wie ich finde, sehr gesunde Lebensweise, die mir womöglich schon das ein oder andere Magengeschwür erspart hat.

Kommen wir aber doch nochmal zurück zu unserem kleinen Ausflug nach Bremen, denn natürlich kam es wie es kommen musste: Ich durfte live und in Farbe miterleben, was passiert, wenn jemand, der oben beschriebene Einstellung innehat mit jemandem, der diese Sichtweise eher nicht so ganz teilt in eine Situation kommt, die anscheinend einiges an Interpretationsspielraum bietet 😉

Nachdem wir den ersten Tag in Bremen bei tollstem Wetter verbringen durften, 2 Führungen mitgemacht, eine Shoppingtour überstanden und uns schließlich einen Platz auf der Promenade ergattert hatten, begann der folgende Tag nicht ganz so vielversprechend. Zunächst sah es wettertechnisch noch ganz passabel aus, so dass wir uns für eine Hafenrundfahrt entschieden. Fünf Minuten vor Ende zog sich dann der Himmel zu, monsunartige Regenfälle ergossen sich auf uns (ABER: wir hatten ja ein Dach…) und es blitze und donnerte (ein bisschen…). Das fand meine Freundin schon nicht ganz so lustig- doch zum Glück klarte der Himmel etwas auf, so dass die Stimmungskurve so grade noch im grünen Bereich blieb. Als wir dann gemütlich durch eine süße Einkaufsstraße bummeln wollten, wechselte der Himmel dann aber doch noch mal die Farbe und es regnete, und regnete und regnete… Nachdem wir etwa 20 Min. unter dem Vordach einer Eisdiele standen, ich mein Bestes gegeben hatte, um zu erklären, dass man ja nun grade das Wetter nun mal nicht ändern könne und das ja jetzt echt kein Grund für schlechte Laune sei, beschlossen wir einfach durch den strömenden Regen zurück zu unserem Auto zu laufen. Innerhalb einer Minute waren wir selbstredend nass, aber gut- was soll’s? Und dann gab es ungefähr folgenden Dialog 😉

Jetzt sag bloß nicht wieder, es ist wie es ist. Denn manchmal ist es eben nicht einfach so wie es ist. Manchmal ist es einfach auch mal scheiße.“

Aber du willst mir doch jetzt nicht erzählen, dass du wegen sowas schlechte Laune bekommst?! Das war doch echt ein schönes Wochenende.“

– es folgt ein Lachanfall –

Warum lachst du denn jetzt schon wieder?“

Ach, ich dachte grade, dann haben wir jetzt echt ne witzige Geschichte zu erzählen, wenn wir zurückkommen. Aber im gleichen Moment wurd mir klar, dass ich das so jetzt besser nicht sage…“ 🙂

Wenn ich an diese Situation denke, muss ich schon wieder lachen. Ich weiß, es geht in diesem Beispiel nur ums Wetter, aber die Menschen, die mich gut und lange kennen wissen, dass ich auch in gewichtigeren Situationen immer eher so reagiere.

Warum das so ist? Zum Teil war das sicherlich bewusste und langwierige Arbeit an mir selbst. Aber als echtes kölsches Mädchen habe ich in Kindertagen vielleicht auch einfach das kölsche Grundgesetz so verinnerlicht, dass mir diese Einstellung einfach als die logischste erscheint. §1 lautet nämlich: Et es wie et es.

Ich verabschiede mich an dieser Stelle mit einem Zitat und hoffe, der Ein oder Andere hat Lust einmal darüber nachzudenken 🙂

Gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann;

gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich zu ändern vermag,

und gib mir die Weisheit, das Eine vom Andern zu unterscheiden.“

Friedrich Oetinger (1702-82), dt. luth. Theologe

Bis bald,

            Yvonne

P.S.: An besagte Freundin: Bleib genauso wie du bist 😉

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3 Gedanken zu “Ars vivendi- Juli 2014

  1. Da hast Du ja echt waqs lustiges erlebt. 🙂

    Zudem wollte ich nur Bescheid sagen, dass dein Buch angekommen ist.

    Lg Nadine

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