Ars vivendi- Juni 2014

Ars vivendi

oder: Von Komfortzonen und Pinguinen

Yvonne Wolf 30/06/2014

Vor ein paar Wochen saß ich im Zug in Richtung Berlin und habe eine wirklich nette Zeitschrift gelesen. In eben dieser Zeitschrift gab es einen Artikel darüber, dass es immer mal wieder gut ist, gezielt seine eigene Komfortzone zu verlassen. Denn wenn wir uns immer nur in unserem Wohlfühlbereich aufhalten, dann besteht schnell die Gefahr, dass unser kompletter Alltag aus den ewig gleichen Abläufen besteht, die uns wiederum unflexibel werden und unser Gehirn langsam und qualvoll verrosten lassen 😉 Ein bisschen Abwechslung sollte also her. Soweit, sogut. Als ich mir dann die ganzen kleinen Tipps zu Gemüte geführt hatte, wurde mir auch schon bewusst, dass das komplett vor mir liegende Wochenende ein einziger Ausflug in die Bereiche außerhalb meiner persönlichen Komfortzone werden würde. Es gibt ja Menschen, einige darunter auch in meinem Freundeskreis, die recht regelmäßig quer durch Deutschland unterwegs sind, um sich Städte anzuschauen, Freunde und Familie zu besuchen usw. Ich aber gehöre definitiv nicht in diese Kategorie- mein Komfortradius ist da etwas genügsamer und weitaus eingeschränkter. Mit einer Zugfahrt nach Berlin, einer Nacht alleine im Hotelzimmer, der Bekanntschaft von neuen, mir bislang unbekannten Menschen konnte ich also gleich ganz schön viel auf meiner imaginären Liste abhaken. Gut, eine echte Herausforderung war es sicherlich nicht, da ich natürlich weiß, dass ich ein recht kommunikativ veranlagtes Wesen habe und ich oft Lust habe, etwas Neues auszuprobieren- aber: Es geht ja auch nicht darum das Rad neu zu erfinden, sondern einfach mal etwas anders als gewohnt zu machen. Diesen Vorsatz habe ich dann versucht ein bisschen weiterzuführen und mir z.B. dann, als wir uns mittags eine kleine Stärkung gegönnt haben, heldenhaft zu Herzen genommen und mir etwas bestellt, was ich so noch nicht kannte. Naja, es war ein Hähnchen-Curry-Salat mit exotischen Früchten- ja, ich weiß, auch das ist ausbaufähig 😉 Aber man muss ja auch nicht gleich mit einem Hechtsprung aus der Komfortzone heraussprinten, sondern kann ja auch erstmal vorsichtig den großen Zeh herausstrecken, um die Lage zu sondieren 🙂 Ihr merkt, ich hatte Spaß.

An den folgenden Tagen habe ich natürlich auch die Menschen in meinem Umfeld dazu animiert, sich über dieses Thema Gedanken zu machen. Im Großen und Ganzen fanden die Meisten den Ansatz gut, doch mein Mann hatte einen Einwand, der mich dann im Nachhinein doch auch noch auf eine andere Fährte gebracht hat: „Glaubst du nicht, dass es Komfortzone heißt, damit man sich eben NICHT aus ihr herausbewegt?“ Äh, nein?! War natürlich mein erster Impuls… doch kurze Zeit später schon musste ich ihm zumindest teilweise Recht geben. Und an dieser Stelle kommen die in der Überschrift erwähnten Pinguine ins Spiel 😉

Diejenigen von euch, die das Buch „Glück kommt selten allein…“ von Dr. med. Eckart von Hirschhausen (rowohlt, 2009/7) kennen, haben mit Sicherheit auch schon Bekanntschaft mit der Pinguin-Geschichte gemacht. Hirschhausen berichtet in dieser kurzen Geschichte von einem Besuch im Zoo, bei dem er die niedlichen Tiere beobachtet und sie zunächst bemitleidet hat- für ihr unpassendes Outfit, die fehlende Taille und die zu kleinen Flügel mit denen man nicht einmal fliegen kann. Dann ist einer der Pinguine jedoch ins Wasser gewatschelt und hat Hirschhausen gezeigt was plötzlich passiert, wenn er erstmal in seinem Element ist. Heißt: Wer sich in seiner Komfortzone bewegt, weil er weiß, wo genau seine Stärken liegen, der tut auch gut daran, sich weiter in ihr aufzuhalten- denn dann befindet man sich vollkommen in seinem Element und kann aus den Vollen schöpfen.

Genau diesen Gedankengang hatte ich nämlich, als ich mir vor einigen Wochen Gedanken über ein bestimmtes Thema gemacht habe. Sollte ich von meinem Gewohnten abweichen und- wie mir empfohlen wurde- etwas neues probieren? Nein- denn ich weiß in diesem speziellen Gebiet sehr genau, wo meine Stärke liegen und was mein Element ist. Ein Pinguin gehört eben ins Wasser- nicht in die Wüste 😉

Ihr seht- es ist sehr gut zu wissen, wo eure Komfortzone ist. Wollt ihr eingefahrene Pfade verlassen und für Abwechslung und frischen Wind sorgen, dann verlasst sie und seid offen für kleine Änderungen. Geht es jedoch um den Pinguin in euch, müsst ihr stets wissen, wo euer Wasser ist. Und da solltet ihr dann bei Bedarf auch bleiben!

In diesem Sinne:

Bis bald,

             Yvonne

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