Ars vivendi- März 2014

Ars vivendi

oder: Das Kind in uns!

Yvonne Wolf 31/03/2014

Wer ab und an meine Rezensionen liest, der hat vielleicht auch in die zu Jostein Gaarders Buch „Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort“ (dtv) geschaut. Ein Aspekt, der in dieser Geschichte thematisiert wurde, ist die Tatsache, dass viele Erwachsene keinen Kontakt mehr zu ihrem inneren Kind haben. Damit ist meiner Meinung nach gar nicht unbedingt DAS innere Kind gemeint, welches oft in der Psychotherapie angesprochen wird, sondern ganz einfach die kindlichen Anteile in uns, die manche von uns mehr, andere wiederum wenig bis gar nicht ausleben. Glaubt man dem Engel Ariel in Gaarders Buch, dann ist es jedoch enorm wichtig, den Kontakt zu diesen Anteilen in uns zu bewahren, damit wir uns nicht zu verbitterten und viel zu ernsten Personen entwickeln, die im Alter ein unzufriedenes und trauriges (und einsames) Dasein fristen. Dieser Gedanke gefällt mir sehr.

Wir wollen also unser inneres Kind suchen. Wer von euch weiß sofort, wo er zu suchen hat? Im besten Fall findet ihr es auf Anhieb, weil es sich immer ganz nah unter der Oberfläche aufhält. Mein inneres Kind ist meistens in Rufweite- und das ist auch gut so. Auch, wenn ich z.B. während meiner Arbeitszeit fachlich kompetent und souverän auftreten muss, so bemühe ich mich doch immer darum, nicht ernster und erwachsener zu sein, als es in der jeweiligen Situation unbedingt erforderlich ist. Eine gesunde Portion Humor, Freude, Spaß – oder wie auch immer sich das innere Kind äußern mag – gehört irgendwie dazu. Das hat meine Art geprägt wie ich mit Menschen umgehe, aber auch wie ich die Welt sehe. Nicht jeder kann diese Seite vielleicht auch im beruflichen Alltag ausleben, aber spätestens im Privatleben sollte man den Weg zu der Tür kennen, hinter der sich der eigene kindliche Anteil verbirgt. Und dann? Ja, dann darf man einfach mal nach Herzenslust albern sein, lachen, bis der Arzt kommt, verrückten Ideen nachgehen und sich einfach mal den Stock aus dem Hintern ziehen 😉

Viele Dinge, die ich heute mache, basieren auf den ständigen, teils kindlichen Ideen, die durch meinen Kopf ziehen. Wenn ich all diese Gedanken immer nur als „Erwachsener“ auswerten würde, dann hätte ich das Meiste davon wahrscheinlich nie in die Tat umgesetzt. Keine Kolumne, keine Musik, keinen Blog- wer weiß, was noch alles auf der Strecke geblieben wäre (womöglich stünde in unserem Garten noch nichtmal ein Turm- oh Schreck 😀 ) . Unmengen an kreativer Energien wären einfach so verpufft und hätten das Kind in mir vielleicht sogar zum Verstummen gebracht. Aber zum Glück ist es anders 🙂

Bestimmt seid ihr auch schonmal Menschen begegnet, die so durch und durch spaßbefreit sind und viel zu erwachsen durch die Welt laufen. In meinem Freundeskreis gibt es eigentlich niemanden, der in diese Kategorie gehört- bei meinen Patienten ist da aber doch immer mal wieder ein schönes Exemplar dabei. Im letzten Jahr war beispielsweise eine junge Frau bei mir in der Therapie, die mir im Kopf geblieben ist. Kühl, distanziert, Anwältin von den Haarspitzen bis in die Zehennägel (was keine Ausrede ist- ich kenne auch ganz andere Juristen 😉 ). Die Gute war sogar drei Jahre jünger als ich, hätte aber genauso gut 10 Jahre älter sein können. Ein schwieriger Fall. Stellt man sich so eine Person als alte Oma vor, dann sieht man niemanden, der mit glänzenden und zufriedenen Augen auf sein Leben zurückblickt, sondern wohl eher eine ernste, vielleicht sogar einsame Frau.

Viel schöner ist es doch dagegen, wenn man einen alten Menschen vor sich hat, dessen Augen funkeln und aus denen trotz der vielen Lebensjahre noch der kleine Schelm spricht… wäre das nicht ein schönes Ziel?

Als ich dann gestern morgen meinen Tageskalender mit den netten Sprüchen umgeblättert habe, stand da folgende chinesische Weisheit, die ich in diesem Zusammenhang irgendwie passend fand:

Hüte dich vor Menschen, die sich beim Lachen nicht den Bauch halten müssen.“

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Suchen 🙂

Bis bald,

               Yvonne

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