Teestunde

Foto: Steven Mahner

Foto: Steven Mahner

10 Fragen an Michael Meisheit

Wie bereits angekündigt, gibt es ab sofort eine neue Kategorie hier auf meinem Blog: Die Teestunde! Bei einem gemütlichen, virtuellen Tässchen Tee lade ich Schriftsteller dazu ein, mir Rede und Antwort zu stehen. Die erste Einladung habe ich an den Schriftsteller und Drehbuchautoren Michael Meisheit ausgesprochen, der diese gerne und prompt angenommen hat. Lest also, welche Fragen ich dem Autor von „Im falschen Film“ gestellt habe und was er geantwortet hat! Übrigens wurde Michael Meisheit ganz frisch mit dem Indie-Autoren-Preis 2014 ausgezeichnet!

Yvonne: Bevor wir anfangen- welchen Tee darf ich Dir zu unserem virtuellen Interview anbieten?

Michael: Ich hätte gerne einen Ingwer-Zitrone-Tee. Das ist derzeit mein Lieblingstee.“

Yvonne: Gerne. Der Vorteil meiner virtuellen Teebox ist ja- hier gibt es alles 😉 Kommen wir nun zu meiner ersten Frage! Dein aktuelles Werk „Im falschen Film“ ist in einzelne Folgen unterteilt, die jeweils in kurzen Zeitabständen erscheinen und immer mit einem gut gelungenen Cliffhanger enden. Hat deine Arbeit als Drehbuchautor dich dazu inspiriert, mal ein Buch mit Seriencharakter zu schreiben?

Michael: „Ich wollte schon immer meine „eigene“ Serie haben. Da dies im Fernsehbereich nicht so einfach ist und leider bisher nicht geklappt hat, habe ich es nun kurzerhand bei den eBooks selbst in die Hand genommen. Es ist wunderbar, im Bereich Selfpublishing mit ungewöhnlichen Erzählformen experimentieren zu können. „Im falschen Film“ ist also für mich ein Glücksfall, denn ich kann mit meiner Leidenschaft für langfristige Figurenentwicklungen und „großen“ Geschichten alles ausprobieren, was Spaß macht.“

Yvonne: Du nutzt für dein aktuelles Projekt gezielt eine SocialMedia- Plattform- durch diese Art der Kommunikation wird die Verbindung zwischen Autor und Leser nochmal viel unmittelbarer- inwieweit verändert sich Deine Arbeit als Schriftsteller durch die Verwendung dieses Mediums?

Michael: „Die Möglichkeiten, die das Internet uns Autoren – oder auch Kreativen allgemein – bietet, sind für mich extrem spannend und auch hilfreich. Ursprünglich war es genau das, was mich vom Drehbuchschreiben zum literarischen Schreiben gebracht hat. Es ist erfrischend und dankbarer, im direkten Austausch mit den Leserinnen und Lesern Geschichten zu erschaffen, als wenn man im Elfenbeinturm sitzt oder – noch schlimmer – jedes Werk durch zig Hände und Gremien in den Produktionen und Sender geht, die alle mehr oder weniger eigene Interessen mit einem Stoff haben, aber leider selten einfach nur eine gute Geschichte erzählt bekommen wollen. Die Leserinnen und Leser sind da ehrlicher, unmittelbarer und inspirierender. Natürlich muss man den Austausch mögen, flexibel sein, aber auch eine starke Erzählkraft haben, denn wenn man es einfach nur allen recht machen will, wird dabei nichts Gescheites herauskommen.“

Yvonne: Trixis Geschichte könnte ja, ganz nach den Tv-Vorbildern, gut und gerne über viele, viele Staffeln erzählt werden. Ist die Geschichte in ihren Grundzügen in Deinem Kopf schon bis zu Ende erzählt?

Michael: Trixis Geschichte hat einen enormen Vorteil: Dadurch dass sie sich selbst nicht mehr an ihr eigenes Leben erinnert, kann man immer weitere Geheimnisse entblättern, während gleichzeitig ihr aktuelles Leben voranschreitet und zu neuen Verwicklungen führt. Das gibt genügend Stoff für zahlreiche Staffeln. Vier habe ich in sehr groben Zügen schon im Kopf (bzw. bereits geschrieben). Aber ob dann zwingend ein definitives Ende erreicht wäre, würde ich bezweifeln. Ob es eine nächste Staffel gibt, wird aber immer auch davon abhängen, wie gut eine aktuelle Staffel ankommt. Ich verbringe ziemlich viel Zeit mit „Im falschen Film“, die ich dann für bezahlte Drehbuchprojekte nicht mehr habe. Also funktioniert die eBook-Serie bald nicht mehr als Experiment, sondern es muss auch Geld damit verdient werden. Die erste Staffel ist gut gelaufen, aber es ist noch Luft nach oben …“

Yvonne: Verarbeitest du gerne Elemente Deines eigenen Lebens (Personen, Erlebnisse…) in Deinen Büchern?

Michael: Gerade in den Bücher, die ich als Selfpublisher veröffentlich habe, finden sich sehr viele Elemente aus meinem Leben. Sei es bei „Soap“, in dem die Geschichte eines jungen Drehbuchautors bei einer Fernsehserie erzählt wird. Oder „Nicht von dieser Welt“, in der die Protagonistin einen kleinen Sohn hat, während sie schwanger ist – geschrieben zu einem Zeitpunkt, als meine Familie in derselben Situation war. Bis hin zu meinem Lieblingsschauplatz „Kreuzberg“, wo ich wohne und dessen Eigenheiten ich teilweise bis ins Detail in den Geschichten von Trixi verarbeite. Besonders bei den Geschichten, die ich als Vanessa Mansini schreibe, muss ich nah an meinem eigenen Leben bleiben, weil sie kurzfristig und mit hohem Schreibtempo entstehen. Da wäre keine Zeit für die Recherche in ganz fremden Welten. Was aber nicht heißt, dass die Figuren und Ereignisse reale Vorbilder haben. Hierbei trenne ich schon sehr genau – es wird sich niemand wiederfinden.“

Yvonne: Sehen wir uns doch mal etwas bei Dir um: Wie sieht Dein Arbeitsplatz aus? (Geordnetes) Chaos oder geschniegelt und gestriegelt?

Michael: Wenn mein Schreibtisch aufgeräumt ist, dann ist das meistens ein Zeichen dafür, dass ich mich vor der Arbeit drücke. In der letzten Zeit gelingt das kaum, weswegen hier immer ein beeindruckendes Chaos herrscht, das auch grundsätzlich von einigen Spielsachen komplettiert wird, die ich noch so oft ins Kinderzimmer bringen kann. Sie kommen in der einen oder anderen Form immer wieder zurück.“

Yvonne: E-Book, „echtes Buch“ oder vielleicht sogar Hörbuch? Was bevorzugst Du?

Michael: Ich bin immer noch ein Fan des Holzbuches. Den Kindle habe ich mir nur gekauft, um zu sehen, wie meine eBooks darauf aussehen. Mittlerweile liebe ich natürlich eBooks, weil sie mir so viele Leserinnen und Leser bescheren, aber ich bin immer besonders stolz, wenn ich ein Taschenbuch meiner Werke in der Hand halte.“

Yvonne: Wenn Du Dich vor Dein Bücherregal (ich hoffe, Du hast eins) stellst- wie sieht es aus und was findet man dort alles?

Michael: Also wenn man sich jetzt in diesem Moment vor das Bücherregal in meinem Arbeitszimmer stellt, muss man erst einmal einige Plastikdinosaurier und erstaunlich viele Fernbedienungen zur Seite räumen (die etwas höher liegen müssen, damit meine kleine Tochter nicht daran kommt). Dann sticht mir Dan Browns „Inferno“ in die Augen. Das hat mir meine Frau zum Geburtstag geschenkt, kurz nachdem ich das „Inferno“-eBook mit „Nicht von dieser Welt“ von Platz 1 der Kindle-Charts verdrängt hatte. Bisher habe ich es noch nicht gelesen. Wie ich überhaupt im letzten Jahr gefühlt mehr geschrieben als gelesen habe. Aber wenn man dann noch etwas genauer guckt, findet man einen bunten Mix aus John Irving, Orhan Pamuk, Yasmina Khadra, John le Carré und Yann Martel. Aber vor allem eine Menge teilweise noch eingeschweißter Bücher, die ich so gerne lesen würde.“

Yvonne: Glaubst Du, dass es so etwas wie eine „Schreiberseele“ gibt- also einen Menschen, der einfach dazu gemacht wurde, um andere Menschen mit seinen geschriebenen Worten zu begeistern und zu unterhalten? Und hast Du eine solche Seele?

Michael: „Ich weiß nicht, ob es eine „Schreiberseele“ ist oder ob ich diese habe. Wenn, dann würde ich eher von geborenen „Geschichtenerzählern“ reden. So einer glaube ich zu sein, ja. Ich habe mir schon als Kind selbst Geschichten erzählt und mache bis heute nichts lieber als das – seit einer Weile nun auch vor dem Schlafengehen bei meinem Sohn. Jeden Abend eine Rittergeschichte mit Cliffhanger. Und Möglichkeit zur Interaktion. Ein Traum für mich. Und ihm gefällt’s auch.“

Yvonne: Stell Dir vor, ein Kind, ein Jugendlicher und ein Erwachsener fragen Dich nach einem Buch, welches Du ihnen dringend ans Herz legen möchtest. Wem würdest Du welches Buch empfehlen?

Michael: Einem kleineren Kind würde ich „Oh, wie schön ist Panama“ empfehlen, nachdem ich an meinen Kindern gesehen habe, wie fasziniert und amüsiert sie von dieser ungewöhnlich erzählten Geschichte waren. Einem Jugendlichen würde ich Tolkien ans Herz legen, weil für mich „Der Herr der Ringe“ immer noch eine der großartigsten Werke der Literatur ist und meinen Wunsch, Geschichten zu erzählen, stark beeinflusst hat. Einen Erwachsenen würde ich erst einmal versuchen, ein wenig kennenzulernen, bevor ich ihm etwas empfehle. Denn gerade wenn man selbst schreibt, erlebt man immer wieder, wie unterschiedlich Geschmäcker und Interessen sind. Was für den einen eine Offenbarung ist, könnte für den anderen der Langweiler schlechthin sein.“

Yvonne: Das stimmt wohl. Welches Buch ist denn Dein Lieblingsbuch? Gibt es da ein bestimmtes oder vielleicht mehrere?

Michael: „Schwer. Schwer. Aber auf jeden Fall sind hier die frühen Bücher von John Irving zu nennen – „Garp“, „Hotel New Hampshire“ oder „Gottes Werk und Teufels Beitrag“. Die haben mich und mein Schreiben tief beeindruckt.“

Yvonne: „Don’t judge a book by its cover“ – gelingt Dir das? Und wie wichtig ist Dir die Covergestaltung bei Deinen eigenen Werken? (Bei „Im falschen Film“ hatte ich z.B. schon das Gefühl, die Gestaltung der einzelnen Episodencover waren wohl durchdacht!)

Michael: Ich halte die Covergestaltung gerade in dem Genre, in dem ich mich bewege, für elementar. Und habe dementsprechend auch Geld und Zeit investiert, um hier das Optimum herauszuholen. Mit Henk Wyniger habe ich da auch einen hervorragenden Profi an meiner Seite, der die wesentlichen Ideen zu den Covern hatte und mit dem die Arbeit sehr gut klappt. Bei „Im falschen Film“ hat es zusätzlich Spaß gemacht, die Farben für die einzelnen Folgen nach den Themen und Stimmungen zu bestimmen – ja, das stimmt.“

Yvonne: So, das war es auch schon mit meinem Kreuzverhör! Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich für die Teilnahme an meiner ersten Teestunde und bin wirklich sehr gespannt auf die zweite Staffel von „Im falschen Film“! Viel Erfolg 🙂

Ihr Lieben- ich hoffe, meine erste Teestunde hat euch gefallen! Und nicht vergessen: Am 23. April könnt ihr hier bei mir die Taschenbuchausgabe von „Im falschen Film“ gewinnen- mit persönlicher Widmung von Michael Meisheit 🙂

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