Rezension: „Ich bin Tess“ von Lottie Moggach

Den Roman „Ich bin Tess“ habe ich vor einigen Wochen bei http://www.vorablesen.de gewonnen, da ich dort einen kurzen Leseeindruck aufgrund einer Leseprobe verfasst hatte. Das Thema des Buches hat mich sofort angesprochen und ich war sehr gespannt auf die Umsetzung der Geschichte, die dahintersteckt…

Die relativ isoliert lebende Leila wird eines Tages auf ein Internetforum aufmerksam, welches sie thematisch sofort in den Bann zieht: Es geht um Rationalität sowie ethische und moralische Fragen, denen sich die Forumsmitglieder mit großer Leidenschaft widmen. Leila wird ebenfalls Mitglied, verfasst regelmäßig Beiträge und wird aufgrund ihres scharfen Verstandes und der hohen Qualität ihrer Äußerungen in ein weiteres Forum eingeladen. Schon bald möchte sich der Seitenbetreiber mit Leila treffen und unterbreitet ihr ein mehr als fragwürdiges Angebot: Leila soll nach einigen Wochen der Vorbereitung im Internet die Identität einer jungen Frau annehmen. Diese Frau, Tess, leidet unter einer Krankheit, die zwar nicht lebensbedrohlich, jedoch in ihren Augen so lebenseinschränkend ist, dass sie beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. Um Freunden und Familie jedoch ihren Verlust zu ersparen, soll Leila nun in der virtuellen Welt so tun, als wäre Tess noch am Leben. Leila lässt sich auf dieses Spiel ein und taucht via Email und Facebook immer tiefer in Tess‘ Leben ein- doch lässt sich so ein Vorhaben wirklich ohne Probleme umsetzen? Und vor allem: Ist es ethisch und moralisch vertretbar?

Wie eingangs bereits erwähnt, hat mich die Grundidee der Geschichte sofort angesprochen, weil sie einfach an einem Bereich ansetzt, der heutzutage ein großer Teil unseres Alltags ist: Social Media in allen Facetten. Leider muss ich sagen, dass meine Erwartungen, die von Beginn an an diesen Roman geknüpft waren, bei Weitem nicht erfüllt werden konnten. Zu Beginn erhält der Leser einen Einblick in ein Gespräch zwischen Leila und Tess, welches die beiden via Skype führen- anscheinend der letzte Kontakt vor Tess‘ „Auschecken“. Unmittelbar danach befindet sich Leila auf einer Reise, die anscheinend zum Ziel hat, etwas über den Verbleib von Tess herauszufinden. Da Leilas Erzählung einen Bericht darstellt, den sie im Nachhinein über die Ereignisse verfasst und hier immer wieder von der Befragung durch eine Polizistin und Psychologin die Rede ist, ist man sich als Leser gleich bewusst, dass das Projekt offenkundig nicht so reibungslos wie gedacht abgelaufen ist. Das, was zunächst für einen gewissen anfänglichen Spannungsgrad sorgt, entwickelt sich dann jedoch leider nicht wirklich weiter. Es gibt keine Höhen und Tiefen, da Leila, wie sie auch immer wieder betont, lediglich einen sachlichen Bericht des Ganzen verfassen möchte. Man bekommt also als Leser mit, wie Leila sich immer mehr von der Außenwelt abschottet, um sich mit Haut und Haaren Tess‘ virtuellem Ich zu widmen- und fragt sich immer wieder, WANN denn nun endlich der große Knall kommt…! Was mich während des Lesens zum Bespiel viel mehr beschäftigt hat, sind die ethisch/moralischen Fragen, die sich hier ergeben. Ich habe mir diesbezüglich eine ziemlich genaue Meinung gebildet und kann mir vorstellen, dass hier die Auffassungen sehr stark auseinandergehen. Dafür, dass das Buch nur 349 Seiten hat, habe ich verhältnismäßig lange dafür gebraucht, weil ich einfach nicht so in den Bann gezogen wurde, wie ich es mir erhofft hatte! Schade, weil ich die Idee nach wie vor wirklich gut finde!

Bewertung: leider nur 2-3 von 5 Eulen

 

Auf einen Blick:

„Ich bin Tess“ von Lottie Moggach (17. Februar 2014)

Verlag: Script 5

ISBN-10: 3839001587

ISBN-13: 978-3839001585

Umfang: 349 Seiten

Preis: 17,95 € (Hardcover) / 14,99 € (Kindle)
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