Ars vivendi- Januar 2014

Ars vivendi

oder: S.I.m.e.K

Yvonne Wolf 27/01/2014

Wisst ihr, was mich durch so manchen Tag rettet? Die Tatsache, dass ich die Möglichkeit habe, bei meinen Freunden und Kollegen verbal Dampf abzulassen. Es gibt einfach Dinge in unser aller Leben, die uns so sehr auf die Nerven gehen, dass wir sie nicht für uns behalten können. Denn würde man das alles nur mit sich selbst ausmachen, dann gäbe es deutlich mehr Magengeschwüre als es ohnehin schon gibt. Leider hilft es nämlich nicht immer, wenn man versucht, mit seinen Mitmenschen klar zu kommunizieren, da das Ergebnis nicht immer zur beidseitigen Zufriedenheit ausfällt. Wenn man sich also nichts vorzuwerfen hat und versucht, aktiv an der Verbesserung der jeweiligen Situation mitzuwirken, hilft eben manchmal nur eins: Lästern, es raus lassen oder wie ich es gerne formulieren möchte, um dem Ganzen einen seriöseren und angemesseneren Touch zu geben: Sachlicher Informationsaustausch mit emotionaler Komponente, kurz: S.I.m.e.K 🙂

Und bevor jetzt irgendjemand was anderes behauptet: So etwas ist wichtig. Wer das sagt? Unter anderem ich- aber z.B. auch Thomas Prünte, der Autor des Buches „Der Anti-Stress-Vertrag“ (Ueberreuter 2003, s.50 ff). Prünte hat in seinem Buch den Themen „Dampf ablassen“, „Jammern“ und „Lästern“ sogar jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet. Was oberflächlich betrachtet nämlich als reiner Wortdurchfall verstanden werden könnte, ist in Wahrheit aktives Stressmanagement. Indem wir unseren Ärger und unsere Sorgen an jemand Drittes weitergeben, bauen wir Druck ab und verhindern so, dass wir selbst an unseren eigenen Gedanken kaputtgehen und psychosomatische Beschwerden auftreten. Natürlich sollte man seine Adressaten weise wählen und nicht jedem x-beliebigen Mitmenschen Einblick in seine Gedankenwelt geben. Prünte empfiehlt z.B. unter Kollegen eine konstruktive Lästerkultur zu etablieren, um nach Herzenslust zu tratschen und klatschen und auf diese Weise seine Seele zu reinigen (!). Auch das Internet mit seinen zahlreichen Plattformen bietet uns heutzutage viele Möglichkeiten für diese Art des Reinigens an (Danke Mr. Zuckerberg 😉 )

Ich persönlich halte mich am liebsten an gute Freunde, denn die wissen am Besten wie das Ganze zu bewerten ist, können einen auch mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen und alles mit einer gesunden Portion Abstand betrachten. So hat mich letzte Woche z.B. eine Freundin darauf aufmerksam gemacht, dass es zwar schön ist, wenn man oft die Möglichkeit hat Dampf abzulassen und sich diesbezüglich auszutauschen, man jedoch auch schnell versucht ist, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Was soll ich sagen? Recht hat sie 🙂

Neben diesen ganzen Kanälen, die wir nutzen können und sollten, sollte man meiner Meinung nach jedoch nicht vergessen, dass man immer auch aktiv an einer Veränderung oder Verbesserung der Ursache des eigenen Grams arbeiten sollte. Wie bereits eingangs erwähnt, sind solche Vorhaben nicht immer von Erfolg gekrönt, aber man hat es wenigstens versucht. Wichtig ist es daher auch, sich selbst ein bisschen zu stärken und diesbezüglich widerstandsfähiger zu machen. Durch das Buch „Eat, Pray, Love“ von Elizabeth Gilbert, welches ich vor einigen Wochen gelesen habe, ist mir zum Beispiel auch wieder einmal klar geworden, dass ich etwas, was ich vor einigen Jahren intensiv gelernt habe, wieder viel mehr selber anwenden sollte- nämlich Entspannungstechniken. In meiner Ausbildung zur Entspannungspädagogin habe ich mich mit einigen Methoden beschäftigt, die mir immer sehr gut getan und meine innere Stärke positiv beeinflusst haben. In den vergangenen Monaten habe ich allerdings herzlich wenig von diesen Möglichkeiten in Anspruch genommen- mit dem Ergebnis, dass S.I.m.e.K mitunter einen großen Teil meines Alltags einnimmt;-)

Um dem ein wenig entgegenzuwirken, habe ich mir für den folgenden Monat also folgendes vorgenommen: Ich werde in meine Entspannungskiste greifen und mich wieder aktiv mit allem möglichen beschäftigen- Autogenes Training, Meditation, PMR,… mal sehen, wonach mir der Sinn steht.

Und da es sich ja bekanntlich mit der richtigen Motivation besser arbeitet, bzw. entspannt, gibt es noch eine kleine verhaltenstherapeutische Verstärkung: Jedes Mal, wenn ich mich aktiv mit einer Methode meiner Wahl beschäftige, wandert 1€ in eine Spardose.

Ich bin gespannt. Und ob das Ganze geklappt hat oder nicht, erfahrt ihr in der Februar-Ausgabe von Ars vivendi 🙂 Vielleicht animiert mein Vorhaben den Ein oder Anderen ja zum Mitmachen!?

In diesem Sinne,

                        bis bald,

                                   Yvonne

P.s.: S.I.m.e.K sollte übrigens nur dann angewandt werden, wenn es wirklich einen entsprechenden Vorfall gab, der dies notwendig macht. Der Einsatz aus reiner Böswilligkeit oder zur Bloßstellung Dritter kann heftige Nebenwirkungen zur Folge haben 😉 Klar soweit?

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