Ars vivendi- Dezember 2013

Ars vivendi

oder: Spielzeit

Yvonne Wolf 31/12/2013

Am letzten Tag des Jahres hat sich der Ein oder Andere sicherlich schon über gute Vorsätze Gedanken gemacht- aber seien wir mal ehrlich: Im Moment der Formulierung sind sie oft schon zum Scheitern verurteilt, weil sie meist an etwas Negativem ansetzen und uns unsere Unzulänglichkeiten aufzeigen. Viel mehr Spaß bei der Umsetzung hätten wir sicherlich, wenn diese auf etwas abzielten, was uns Freude bereitet, uns Kontakt mit netten Menschen verschafft, den Kopf von Alltagssorgen freipustet und doch ein wenig geistige Aktivität erfordert und uns jung hält. Wie wäre es also damit: Lasst uns im Jahr 2014 öfter mal was zusammen spielen!?

Menschen hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden,

sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen!“

Dieses Zitat von Oliver Wendell Holmes (1809- 1894) beinhaltet eine ganze Menge Wahrheit. Im Kindesalter schon hat das Spiel eine sehr hohe Bedeutung für die Entwicklung. In meinen Therapiestunden habe ich immer wieder kleine Patienten sitzen, die neben ihren offensichtlichen Entwicklungsverzögerungen auch (und manchmal grade deswegen) ein echtes Manko im Bereich ihres Spielverhaltens zeigen. Über das Spiel fördert man also viele wichtige Fähigkeiten, die uns im späteren Lebensverlauf zu Gute kommen können. Ich kann euch gar nicht aufzählen, wie viele Kinder in meinen Stunden das erste Mal damit konfrontiert werden, dass man in einem Spiel auch mal verlieren kann. Die meist gehörte Antwort (die nicht selten mit Tränen in den Augen einhergeht) lautet: „Zu Hause gewinne ich immer.“ Das wiederum gibt mir dann eine gute Grundlage für das anschließende Elterngespräch 😉 Kompetenzen, die auf diese Weise nicht wirklich ausreichend erlangt werden, kann man interessanterweise (und logischerweise) dann am Verhalten vieler Erwachsenen ablesen. Auch hier gibt es Kandidaten, die urplötzlich keine Lust haben weiterzuspielen, sobald sich eine Niederlage herauskristallisiert oder die generell sehr schlecht mit dem Verlieren klarkommen. (In einem Bericht würde ich dann auf eine nicht altersadäquat entwickelte Frustrationstoleranz verweisen 😉 )

Schade ist, dass das Spiel in vielen Familien an Bedeutung verliert, wenn die Kinder älter werden, so dass „spielen“ oftmals gedanklich an die Kindheit geknüpft ist. Dabei gibt es schon seit vielen Jahren eine sehr erfreuliche Entwicklung auf dem Spielemarkt, da dafür gesorgt ist, dass sämtliche Altersgruppen mit den passenden Spielen ausgestattet werden können. Bei uns hat sich das Spielen wirklich durch alle Altersklassen gezogen, so dass auch heute noch bei jeder möglichen Gelegenheit zusammen gespielt wird. Auch im Freundeskreis verbringt man die gemeinsamen Treffen meist mit dem ein oder anderen Spiel. Selbst bei Leuten, die man vielleicht noch nicht so gut kennt, kommt es meist sehr gut an, wenn man einfach mal ein Spiel auspackt und loslegt- viele müssen eben erst auf den Geschmack gebracht werden. Hinterher erhält man dann in den allermeisten Fällen die Rückmeldung: „Mensch, das hat Spaß gemacht. Wir müssen uns unbedingt nochmal zum Spielen treffen.“

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel gelesen, in dem darüber berichtet wurde, dass der Trend dahin geht, dass sogar die eingefleischten Computerspielefreaks wieder vermehrt auf Brettspiele zurückgreifen, da der soziale Faktor wieder in den Vordergrund rückt. Viele Spiele basieren mittlerweile darauf, dass man als Einzelperson oder in der Gruppe Strategien entwickelt, um dann z.B. ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.

Wenn man gemeinsam spielt, lernt man zudem seine Mitspieler und deren Eigenheiten kennen. Da gibt es diejenigen, welche gerne mit offenen Karten spielen, damit man sich Gegenseitig Tipps geben kann. Meine Meinung: Solange das nicht ausdrücklich in den Regeln steht, wird GEGENEINANDER gespielt- und zwar, bis einer weint 😉 . Nicht zu vergessen diejenigen, die wütend werden, wenn mal was nicht so gut läuft, die, die gerne schweigend spielen und die, die gerne jeden Spielzug doppelt und dreifach kommentieren (passiert manchmal, wenn man Sprachtherapeutin ist 😀 )! Auch sich selbst lernt man immer wieder besser kennen. Neulich habe ich beispielsweise gelernt, dass ich nachts um 2:00 Uhr keine Spiele mehr spielen sollte, die irgendwas mit Körperkoordination und schneller Reaktion zu tun haben, es sei denn, das Ziel des Spiel besteht darin, meine Mitspieler zum Lachen zu bringen.

Ihr merkt schon, das ist ein Thema, worüber man seitenweise schreiben könnte. Man fördert das soziale Miteinander, die Kommunikation, das Entwickeln von Strategien und den Umgang mit Problemen und Niederlagen. Abgesehen davon hat man eine Menge Spaß und lässt die Sorgen und Gedanken des Alltags hinter sich. Und: Ich bin der Meinung, dass es für JEDEN ein Spiel gibt, das ihm gefällt. Man muss es nur suchen und finden. Wenn sich hier als kein guter Vorsatz für 2014 verbirgt, dann weiß ich auch nicht…

In diesem Sinne: Fröhliches Spielen, und allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 🙂

Bis bald, Yvonne

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