Rezension: „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak

Da ich in den vergangenen Wochen nicht ganz so viel zum Lesen gekommen bin wie gewohnt, hat es diesmal etwas länger gedauert, bis ich mein aktuelles Buch „Die Bücherdiebin“ beenden konnte. Gestern Abend war es dann jedoch so weit und die dazugehörige Rezension folgt natürlich postwendend 🙂

Zunächst einmal möchte ich erwähnen, dass mich dieses Buch schon seit geraumer Zeit regelrecht verfolgt. Kennt ihr das? Ständig sieht man es und fühlt sich irgendwie davon angezogen. Ich hatte es tausend Mal in den Händen und habe es dann doch immer wieder weggelegt, weil ich wusste, dass die Geschichte sich im Zeitraum des 2. Weltkrieges abspielt. Von dieser Thematik versuche ich immer größtmöglichen Abstand einzunehmen- warum? Weil ich während meiner Schulzeit in jedem Schuljahr und in den unterschiedlichsten Fächern damit konfrontiert wurde und es so im Laufe der Jahre zu einer Art „Übersättigung“ gekommen ist. Man denkt gleich an eine schwere, tragische Geschichte mit unendlich viel Leid- und so etwas möchte ich eben nicht lesen. Der Titel des Buches dagegen spricht mich hingegen so sehr an, dass ich aber doch immer wieder überlegt habe, ob sich dahinter nicht möglicherweise eine schöne und lesenswerte Geschichte versteckt. Auch das Cover- der Tod tanzt mit einem kleinen Mädchen- macht sehr neugierig… Die ganze Entscheidungsfindung wurde mir dann glücklicherweise einfach abgenommen. Wieder einmal hatte ich mich für ein Rezensionsexemplar eines Hörbuchs beworben- und zwar für genau dieses. Nur, dass in meinem Paket dann nicht das Hörbuch, sondern das Buch zu finden war. Ein Zeichen 😉 Ich habe es also gelesen und nicht bereut- ganz im Gegenteil: Es ist ein so schönes Buch…

Liesel Meminger ist neun Jahre alt, als sie sich mit ihrem Bruder Werner mit dem Zug auf den Weg nach Molching zu den neuen Pflegeeltern machen muss. Auf der Fahrt dorthin verstirbt ihr Bruder, und Liesel stiehlt bei seiner Beerdigung ein Buch, welches dem Totengräber aus dem Mantel fällt: Das Handbuch für Totengräber. Wie einen Schatz hütet sie dieses Büchlein, da es fortan die einzige Verbindung zu ihrem alten Leben darstellt- auch, wenn sie mit den vielen, unterschiedlichen Zeichen nichts anzufangen weiß, da Liesel nicht lesen kann. Erst Hans Hubermann, ihr Pflegevater, nimmt sich Liesel an, und bringt ihr des Nachts, immer dann, wenn Liesel geplagt durch Albträume aufwacht, langsam,mühselig und heimlich im Keller das Lesen bei. Mit der Zeit erhält die Bücherdiebin immer mehr Gelegenheiten, um an neues Lesematerial zu kommen. Liesel liebt ihre Bücher, verschlingt die Seiten und lernt, dass Worte sehr machtvoll sein können. Man kann sie lieben, man kann sie hassen- in einer Zeit, in der Krieg herrscht und ein einzelner Mann über das Schicksal von Menschen entscheidet, wird ihr das mehr als deutlich vor Augen geführt. Liesel liest für sich alleine, sie liest für Max, den Juden, den die Hubermanns in ihrem Keller verstecken, und sie liest für die Nachbarn, wenn es mal wieder darum geht, auf das Ende des nächsten Luftangriffs zu warten. Und letztlich ist es Liesels Liebe zum Lesen und Schreiben, die sie mit dem Leben davonkommen lässt.- Ach ja, wer die Geschichte erzählt? Es ist niemand Geringeres als der Tod himself…

Ich mag dieses Buch wirklich sehr und bin so froh, dass ich es doch gelesen habe. Trotz dieser schwer anmutenden Thematik hat man zu keiner Zeit das Gefühl, es mit einer ebenso schweren Geschichte zu tun zu haben. Die Art und Weise wie Markus Zusak das Buch geschrieben hat erinnert mich persönlich eher an ein Märchen und hat genau deswegen auch eine konstante Leichtigkeit inne. Der Krieg und das ganze Elend, das diese Thematik mit sich bringt, sind zwar da, stehen aber nicht im Mittelpunkt. Vielmehr geht es um Liesels Alltag, den sie zu meistern versucht, um ihre Beziehung zu den Pflegeeltern, zu ihrem besten Freund Rudi Steiner, zu Max, dem Juden im Keller und natürlich zu ihren Büchern. Auch den Tod als Erzähler zu wählen, ist eine zwar zunächst merkwürdig erscheinende, aber großartige Idee. Schnell merkt man als Leser nämlich, dass auch der Tod gar nicht so übel ist wie sein Image vermuten lässt. Immer wieder spricht er uns direkt an und lässt uns wissen, dass es eben sein Job ist, die Seelen der Menschen einzusammeln. Und hin und wieder richtet er seinen Blick auf die Lebenden und lässt es zu, dass sie ihn mit ihren Geschichten berühren. Liesel Meminger hat genau das geschafft- ihre Geschichte hat den Tod berührt. So sehr, dass er uns ihre Geschichte erzählen möchte- denn auch der Tod hat ein Herz… wer hätte das gedacht?

Dringende Leseempfehlung!

Auf einen Blick:

„Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak (19. Auflage/ Oktober 2009)

Verlag: blanvalet

ISBN-10: 3442373956

ISBN-13: 978-3442373956

Preis: 9,95 € (Taschenbuch) / 8,99 € (Kindle-Version)

 

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3 Gedanken zu “Rezension: „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak

  1. Deine Rezension lässt mich darüber nachdenken, dass Buch noch mal in die Hand zu nehmen. Ich hatte es mir mal ausgeliehen, kam aber in die Geschichte nicht rein. Aber manchmal klappt sowas ja auch erst beim 2 . oder 3. Mal:)

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