Ars vivendi- August 2013

Ars vivendi

oder: Stein auf Stein

© Yvonne Wolf 25/08/13

Wer will fleißige Handwerker sehn? Der muss zu uns Kindern gehn! Stein auf Stein, Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein!

Na, wer von euch kennt dieses schöne Kinderlied noch? Irgendwann im Laufe der Woche kam es mir plötzlich in den Sinn und ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Natürlich gab es einen Grund, warum mir ausgerechnet ein solches Lied einfiel- mein Mann und ich haben nämlich ein Haus gebaut (die korrekte Form wäre wohl eher „bauen lassen“ 😉 ) und befinden uns seit einer Woche in der finalen Großkampfphase. Das heißt, mein diesjähriger zweiwöchiger Sommerurlaub hat diesmal ausnahmsweise nichts mit faul herumliegen zu tun, sondern ist von Aktivität und Produktivität auf höchster Ebene geprägt! Das alleine wäre ja aber noch keine Kolumne wert- wenn mir da nicht im Laufe der letzten Woche so ein Gedanke gekommen wäre…

Meine persönliche Challenge bestand darin, in der letzten Woche mal kurz das Haus von innen zu streichen. Warum? Weil ich gerne streiche und ich mir einbilde, das auch einigermaßen gut zu können. Außerdem finde ich, man muss einfach auch einige Dinge selbst machen, um dem ganzen den eigenen Stempel aufzudrücken. Reviermarkierung quasi 😉 Mein Mann ist für alles zuständig, was mit Technikkram zu tun hat- ich halt für die Farbgestaltung. Jeder das, was er kann. Als ich also ganz meditativ mit dem Verteilen von 70 Litern weißer Farbe beschäftigt war, kam im Radio ein Bericht, den ich ganz interessant fand. Es ging um die Tatsache, dass die generelle Unzufriedenheit unserer Bevölkerung anscheinend stetig steigt und sich dies in der Krankheitsrate bemerkbar macht. Im Prinzip ist das nichts Neues, allerdings habe ich einen neuen Gedanken dazu gehabt, der vielleicht einen Teil unserer steigenden Unzufriedenheit erklären könnte.

Wenn man sich mal die ganzen Berufe so anschaut, die sich vorwiegend in unserem Umfeld tummeln, dann sehen wir meist Folgendes: Wir planen, analysieren, diskutieren, therapieren, kommunizieren… und das oft den ganzen Tag. Dann gehen wir nach Hause, betrachten unser Tagewerk und sehen…nichts oder zumindest nicht viel. Vielleicht gibt es Dokumente, die beweisen, dass wir gearbeitet haben oder Personen, mit denen wir über bestimmte Dinge gesprochen haben, aber irgendwie ist das alles sehr abstrakt und so gar nicht konkret und handfest.

In der vergangenen Woche habe ich von morgens bis abends in unserem Haus gearbeitet. Als ich dann fertig war, konnte ich das Ergebnis der vielen Stunden Arbeit wirklich sehen, weil ich sozusagen etwas mit meinen eigenen Händen geschaffen habe. Die Wände waren nicht mehr grau, sondern weiß. Erst in einem Zimmer und nach ein paar Tagen im ganzen Haus. Der Fußboden ist nicht mehr voller Dreck (ich hasse Dreck…), sondern ansatzweise sauber. Kennt ihr den Film „Cast away“ mit Tom Hanks? Irgendwann im Laufe des Films tanzt er jubelnd um sein selbst entfachtes Feuer und schreit vollkommen aus dem Häuschen: „Ich habe Feuer gemacht!“ Genauso habe ich mich auch gefühlt. Und dieses Gefühl ist gekoppelt an etwas, das uns allen anscheinend immer mehr fehlt: Eine tiefe Zufriedenheit. (Und nicht zu vergessen: Müdigkeit!)

Wie können wir also dafür sorgen, dass dieses Gefühl kein seltener Gast bleibt, sondern sich immer breiter in uns niederschlägt? Ganz „einfach“: Wir müssen unseren Alltag mal wieder ein bisschen genauer betrachten. Wenn es viele unserer Berufe schon nicht zulassen, dass wir etwas wirklich Greifbares erschaffen, dann müssen wir eben in unserer Freizeit dafür sorgen. Sucht euch also bewusst Beschäftigungen und Hobbies, die euch diese Lücke füllen! Hier sind einige Ideen von mir:

– kochen und backen

– malen

– fotografieren und filmen

– basteln

– Modellbau

– puzzeln

– musizieren

– …

Es gibt sicherlich viele weitere Tätigkeiten, die sich hier noch anbieten. Vielleicht ist dieser Ansatz ja für den Ein oder Anderen geeignet, um das eigene Leben mal wieder etwas bewusster und mit mehr Eigeninitiative in die Hand zu nehmen…

Ich wünsche euch viel Spaß beim Erschaffen und Gestalten 🙂

In diesem Sinne: Gute Nacht !!!

Bis bald, Yvonne

P.S.: In diesem Monat wird „Ars vivendi“ ganze 4 Jahre alt! Ich hoffe, es folgen noch viele weitere Ausgaben! Auf dass mir die Ideen niemals ausgehen werden 😉

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