Rezension: „Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt

Geschafft! Trotzdem ich für gewöhnlich ein recht schnelles Lesetempo habe, gibt es doch immer wieder Bücher, die ich nicht schnell lesen kann. Es geht einfach nicht, warum auch immer. Meistens sind es Geschichten, die einfach sehr inhaltsschwanger sind und einfach mehr Aufmerksamkeit erfordern. So ging es mir auch bei dem Roman „Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt, der mich die letzten zwei Wochen sehr beschäftigt hat.

„Die geheime Geschichte“ wird aus der Sicht des Ich-Erzählers Richard Papen erzählt. Der aus eher einfachen Verhältnissen stammende junge Mann ist froh, dass er die Möglichkeit erhält am College von Hampden zu studieren. Als ihm dann auch noch die Chance  zuteil wird, in den erlesenen Altgriechisch-Kurs aufgenommen zu werden, lernt er die dort ebenfalls Studierenden kennen und freundet sich mit ihnen an. Für sie alle scheint das Altgriechische nicht nur ein bloßes Studienfach, sondern eine regelrechte Passion zu sein. Ein Teil der Gruppe vollzieht dann irgendwann bei Nacht ein heimliches, altertümliches Ritual, bei dem schließlich ein grauenhafter und brutaler Mord an einem Farmer „passiert“- ein Unfall, den es nun zu vertuschen gilt. Doch Bunny, einer der Freunde, entwickelt sich zum Problemfall, da er das Wissen um die Tat seiner Freunde dazu nutzt, sie zu erpressen und eigene Vorteile daraus zu ziehen. Da es keinen anderen Ausweg zu geben scheint, beschließen die Freunde Bunny umzubringen und das Problem auf diese Weise aus der Welt zu schaffen. Der Mord bleibt tatsächlich unentdeckt, doch niemand hat anscheinend damit gerechnet, was eine solche Tat nach sich zieht. Jeder von ihnen gerät in einen Kreislauf aus den unterschiedlichsten Qualen, da die Schuld auf ihren Schultern lastet wie ein ganzes Gebirge…

Dieser Roman ist in meinen Augen ein sehr wertvolles Stück Literatur. Bereits im Prolog geht es um den Mord an Bunny, so dass man sich von Beginn an fragt, wie es zu einer solchen Tat kommen konnte. Das Faszinierende und Schlimme zugleich ist, dass man als Leser sogar irgendwie Verständnis für dieses Verhalten hat, da man sich im Laufe der Geschichte mit diesen Sonderlingen aus dem Altgriechisch-Kurs anfreundet und sie auf eine abstruse Art und Weise sympathisch findet. So liest man also Seite um Seite und kämpft innerlich mit sich, weil eine kleine Stimme aus dem Hintergrund immer wieder sagt: „Hey, sie haben ihren Freund umgebracht- du kannst das nicht gutheißen.“ So richtig das auch sein mag- durch die Perspektive des Ich-Erzählers bleibt einem als Leser aber nichts anderes übrig- man ist hin- und hergerissen…

Dies ist mit Sicherheit kein Buch, welches man als leichte Lektüre im Sommerurlaub lesen kann. Dieses Buch braucht meiner Meinung nach Zeit und einen Leser, der bereit ist, sich gedanklich auf ein solches Thema einzulassen. Wer dazu bereit ist, erhält eine großartige und provozierende Geschichte über Freundschaft, Leidenschaft, doch vor allem über Schuld und das, was diese mit Menschen zu machen in der Lage ist…

Auf einen Blick:

„Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt (8/95)

Verlag: Goldmann

ISBN-10: 3442429439

ISBN-13: 978-3442429431

Preis: 9,90 € (Taschenbuch)/ 8,99 € (Kindle- Version)

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